Ruhrgebiet ist Burgenland

Stelen an Burgen und ein Burgenführer durchs Revier angekündigt

Neue Schilder werden ab 2010 an mindestens 40 mittelalterlichen Burgen im Ruhrgebiet eine eher unbekannte Epoche der Industrieregion erläutern.

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Auf den Stelen wird die Geschichte eines Bauwerkes mit Text, Bild und Grundriss kurz und ausschaulich erklärt. (Foto: LWL)
Auf den Stelen wird die Geschichte eines Bauwerkes mit Text, Bild und Grundriss kurz und ausschaulich erklärt. (Foto: LWL)

"Burgen im Ruhrgebiet zu beschildern halte ich für eine gute Idee. Nicht nur, weil wir 2010 als Kulturhauptstadt Europas auf unsere Denkmal-Schätze aufmerksam machen sollten, sondern weil diese Gebäude anfassbare nordrhein-westfälische Geschichte darstellen, die oft auch den Menschen vor Ort nicht im Bewusstsein ist", sagte Bauminister Lutz Lienenkämper bei der Vorstellung der neuen Hinweisschilder bei der Ruine der Isenburg in Hattingen. Auf den Stelen wird die Geschichte eines Bauwerkes mit Text, Bild und Grundriss kurz und ausschaulich erklärt.

Außerdem werde der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im Frühjahr einen Führer zu 100 Burgen im Ruhrgebiet "Burgen 'auf Ruhr'" herausgeben, kündigte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch an. Ein Führer oder vergleichbare Literatur zu diesem Thema existiere für das Ruhrgebiet derzeit nicht.

Ein gutes Dutzend der ausgeschilderten Burgen werden 2010 auch im LWL- Museum für Archäologie in Herne vertreten sein. Dort zeigt der LWL ab Ende Februar die größte Mittelalter-Ausstellung "Aufruhr 1225! - Ritter, Burgen und Intrigen", die es bisher im Ruhrgebiet zu sehen gab. Den roten Faden durch die Ausstellung werden die Ereignisse um dem Tod des Kölner Erzbischofs Engelbert im Jahre 1225 bilden. Anhand von Fundstücken aus dem Ruhrgebiet und Europa soll die Lebenswelt des Hoch- und Spätmittelalters - und hier insbesondere die der über 400 Burgen im Ruhrgebiet - erfahrbar werden.

"Ziel des Burgenführers durch das Ruhrgebiet ist es, die Ergebnisse der Sonderausstellung nachhaltig über das Jahr 2010 für alle Interessierten verfügbar zu machen", so Kirsch weiter. Damit werde die Grundlage geschaffen, die Region nicht nur als Industrielandschaft zu verstehen, sondern ihre Bedeutung vor allem seit dem Mittelalter zu erkennen.

Südwestlich der heutigen Stadt Hattingen liegt auf einem steilen Bergrücken knapp 100 m über dem Ruhrtal die Ruine der beispielhaft vorgestellten Burg Isenberg bzw. Isenburg. Sie gehört zu den wenigen Anlagen im Ruhrgebiet, die sowohl historisch als auch archäologisch in großem Umfang untersucht wurden.

Die Isenburg ist 245 Meter lang und heute noch bis zu 45 Meter breit. Größe und Bauaufwand heben die Hattinger Isenburg aus den vielen Befestigungen der Region deutlich heraus. Neben der Pfalz Kaiserswerth ist sie sicherlich die eindrucksvollste Burg der Zeit um 1200 an Rhein und Ruhr gewesen.

Wohl um 1216/17 bezog Graf Friedrich von Isenberg die vermutlich weitgehend fertig gestellte Isenburg bei Hattingen. Mit seinem Vorhaben, sich in diesem Gebiet fest zu etablieren, stieß er auf den Widerstand der Essener Äbtissin und vor allem des Erzbischofs von Köln, der hier eigene territoriale Interessen verfolgte.

Am 7. November 1225 kam Erzbischof Engelbert I. bei einem Überfall im heutigen Gevelsberg ums Leben, ein folgenschweres Ereignis, das den Ausgangspunkt der Ausstellung "AufRuhr 1225! - Ritter, Burgen und Intrigen" 2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne darstellt.

Verantwortlich gemacht wurde Graf Friedrich von Isenberg. Bereits im Winter 1225/26 wurde seine Burg von kölnischen Parteigängern zerstört, sein Besitz eingezogen, er selbst nach längerer Flucht 1226 gefangen genommen und hingerichtet. Die Isenburg wurde nie wieder aufgebaut. Die Hattinger Ruine wurde im 19. Jahrhundert systematisch zur Steingewinnung genutzt und etwa zu einem Drittel durch Steinbruch an der südöstlichen Bergflanke zerstört. Die Freilegung und anschließende Aufmauerung der Grundrisse erfolgte ab 1969 bis in die 1990er Jahre.

Kommentare (1)

  • Turtle
    Turtle
    am 12.01.2010
    Auf die Austellung in Herne freue ich mich schon sehr, zumal mir die bisherigen Austellungen ausnehmend gut gefallen haben.
    Ich hoffe nur, daß auch in meiner Heimatstadt Duisburg mal der Groschen fällt, daß man mit Archäologie mehr Staat machen kann, als mit Pseudo moderner Kunst

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