Rostige Römer im Kastell Weißenburg

Das Römerkastell Biriciana in Weißenburg erhält eine innovative und kreative Beschilderung

„Schee iss!“ sagte Landeskonservator C. Sebastian Sommer und suchte auf die Schnelle nach einem lateinischen Ausdruck: „Bene!“ Er meinte damit die kreative Beschilderung, die das Römerkastell Biriciana in Weißenburg seit dem gestrigen Montag hat: drei rostige Römer, einer davon zu Pferd, und dazu mehrere pultartige Hinweistafeln.

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Die neue Beschilderung innerhalb der Kastellanlage von Biriciana/Weißenburg (Foto: Tremmel)
Die neue Beschilderung innerhalb der Kastellanlage von Biriciana/Weißenburg (Foto: Tremmel)

Die Idee zu dieser Lösung hatte die Augsburger Architektin Gisela Mahnkopf. Sie kennt sich mit Archäologie bestens aus, ist sie doch stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Archäologie in Bayern. Die Idee mit dem Römern aus Eisen hat neben dem ästhetischen Wert vor allem auch einen praktischen: „Wir wollten keine Hinweistafeln aufstellen, die senkrecht stehen und einem beim Lesen die Sicht auf das Kastell verstellen“, sagte Mahnkopf. Also kam man auf niedrige Pulte – die aber dennoch schon von ferne in dem drei Hektar großen Kastell wahrgenommen werden sollten. „Und da kam uns die Idee mit den auffälligen Römerfiguren“, so Gisela Mahnkopf. Als Material sollte weder Holz noch schwerer Stein dienen sondern: Curtain-Stahl. Der überzieht sich in kurzer Zeit mit einer feinen, rostigen Patina und hält ein paar hundert Jahre „von gleich bleibender Schönheit“.

Die Figuren wiederum hat Grafiker Köglmeier entworfen – und so stehen die drei Römer samt Hinweistafeln momentan zentral im Kastellbereich, und sie sollen nach und nach an weiteren markanten Punkten in der bis auf das wieder aufgebaute Nordtor und die angedeuteten Begrenzungsmauern leeren und von Gänseblümchen überwachsenen Römeranlage stehen. Die Texttafeln hat der Archäologe Volker Babucke zusammen mit seiner Frau Ursula Ibler gestaltet.

Landeskonservator C. Sebastian Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) war ebenfalls begeistert, vor allem weil diese Form der Beschilderung mit den flach betonierten Sockeln nicht in die archäologisch relevante Bodentiefe vordringt und keine alten römischen Barackenfundamente oder ähnliches berührt. „Was mir sehr wichtig ist“, so Sommer, „ist, dass diese nicht so dominante Beschilderung kombiniert ist mit einer Verbesserung des Kastells. Das sieht man mittlerweile daran, dass die Waschbetonplatten, die die Kastellmauern seit den 60er Jahren teilweise recht unschön markierten, sukzessive durch eine schönere Aufmauerung ersetzt wird.“

Weißenburgs Oberbürgermeister Reinhard Schwirzer sieht im Kastell noch einige Verbesserungsmöglichkeiten in den „nächsten zehn bis fünfzehn Jahren“. Als allererstes müsste einmal der neuzeitliche Teer auf den Wegen durch das Römerlager entfernt werden und die Wege – Wegeführung wie Material - dort den damaligen, römischen Gegebenheiten angepasst werden.

Das Römerkastell Biriciana war im 1. Jahrhundert n. Chr. zur Sicherung des Limes angelegt worden und beherbergte berittene Hilfstruppen, insgesamt wohl um die 420 Reitersoldaten. Erst seit gut einem Jahr kennt man durch eine umfassende Magnetprospektion die genaue Lage der Gebäude.

Kommentare (1)

  • Holger Jürgenliemk
    Holger Jürgenliemk
    am 04.05.2008
    Ein dezenterer Umgang mit dem antiken Feld wäre in meinen Augen ansprechender gewesen. Ich weiß, das Kastellgelände ist schwierig, da es kein aufgehendes Mauerwerk gibt. Doch gerade bei architektonischen Befunden, welche hauptsächlich authenische Fundamentgräben und Mauerstümpfe bieten, sollte man diese auch sensibel in den Vordergrund der Anschauung für die Besucher stellen. SIE sind die „Stars" der Ausstellung! Die Pappkameraden lenken den Blick eher ab. Man sollte deutlich machen, warum nur „so wenig“ zu sehen ist. Vielen Besuchern ist das nämlich nicht klar - sie sind vielleicht zunächst vom Befund enttäuscht - oder auch nicht? Das sollte mit Umfragen geprüft werden!

    Wie viele moderne Präsentatoren der Antike in Deutschland neigt vielleicht auch Weißenburg jetzt dazu, aufgrund der Vermutung, man würde Besuchern zu wenig bieten, „mehr Eindruck“ zu machen. Das kann gut gehen - doch besteht auch die Gefahr, das antike Gelände zu „verbauen“ oder zum peinlichen Disney-Witz verkommen zu lassen. So gesehen letztes Jahr bei der Präsentation der Porta Nigra durch „römische" Soldaten.

    Weißenburg hat seit den 1980er Jahren sehr viel richtig gemacht. Die Präsentation seiner Thermen ist spannender, als bei alle anderen Bädern vergleichbarer Größe, die ich bisher am Limes besucht habe. Auch das rekonstruierte Tor war eine sehr positive und weitreichend kluge Entscheidung. Das Tor ist in vielen einschlägigen Veröffentlichungen geradezu zum Wahrzeichen der Stadt geworden (obwohl die architektonisch noch viel mehr zu bieten hat) und hat zur weiteren Bekanntheit beigetragen.

    Viel wichtiger wäre es jedoch endlich, Geld in die Hand zu nehmen und den Originalbefund besser zu präsentieren. Der ist nämlich durch all die Herumbasteleien fast unsichtbar geworden. Meine Kritik: Das Kastelgelände ist geradezu klinisch langweilig. Nur eine gekonnte Präsentation des Originalbefundes mit vielen historisch relevanten „Geschichten" würde die Geschichte lebendig machen. Vorbildlich dabei: die Weißenburger Thermen! Dabei können natürlich auch präsentatorische, archäologisch gesicherte Aufmauerungen stattfinden. Die rostigen Ritter locken jedenfallls nicht mehr Besucher an oder bringen die antiken Mauerreste zum sprechen.

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