Römerlager Kneblinghausen bleibt rätselhaft

In Rüthen-Kneblinghausen (Kreis Soest) haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) erstmals nach 70 Jahren das sogenannte Römerlager Kneblinghausen untersucht. Sie dokumentierten die Reste der germanischen Siedlung aus der vorrömischen Zeit und der Befestigungsanlage aus dem ersten Jahrhundert n. Chr.

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Die LWL-Archäologen ebnen mit Kelle und Kratzer die Fläche unter dem Wall des Römerlagers Kneblinghausen
Die LWL-Archäologen ebnen mit Kelle und Kratzer die Fläche unter dem Wall des Römerlagers Kneblinghausen. (Foto: LWL/M. Baales)

"Das sogenannte Römerlager in Kneblinghausen gibt weiterhin Rätsel auf", fasst LWL-Archäologin Dr. Eva Cichy die vorläufigen Ergebnisse der archäologischen Untersuchung zusammen. Das Ausgrabungsteam von der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen hatte in den vergangenen Wochen einen Abschnitt der römischen Wall-Graben-Anlage und eine darunter liegende Schicht mit einheimischen Keramikscherben freigelegt.

Über 100 Bruchstücke von Töpfen, Schalen und anderen Gefäßen bargen die Archäologen. Davon können sie über 30 Rand- und Wandscherben aufgrund ihrer spezifischen Formen und Verzierung mit Fingertupfen recht genau in die Zeit um Christi Geburt datieren, die übrigen sind nach den vorläufigen Erkenntnissen älter. "Diese Kulturschicht deckt sich genau mit den Ausgrabungsergebnissen aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts", berichtet Grabungsleiterin Cichy. Die Funde stammen aus einer germanischen Siedlung, von der seit langem Häuser, Öfen, Gruben und Brunnen bekannt sind.

Nicht gefunden haben die LWL-Archäologen dagegen die von früheren Ausgräbern dokumentierte Holz-Erde-Mauer des Römerlagers. Diese zusätzliche Befestigung spielt für Forscher eine wichtige Rolle bei der Interpretation des Platzes als römische Befestigung. "Spuren von Pfosten haben wir trotz sorgfältigen Suchens und vorsichtigen Abtragens aller Wallschichten bis weit in den gewachsenen Boden hinein nicht gefunden", berichtet Cichy.

Für das Fehlen dieser Spuren haben die Experten von der LWL-Archäologie mehrere Erklärungsmöglichkeiten: Entweder haben sie einen Befestigungsabschnitt ausgewählt, in dem es diese zusätzliche Holzkonstruktion nicht gab. "Oder die damaligen Ausgräber haben etwas gesehen, das sich uns heute nicht mehr erschließt. Denkbar ist auch, dass es sich vielleicht um ein nur wenige Tage oder Wochen belegtes Feldlager handelt, das - wie wir es von anderen, besser bekannten Feldlagern kennen - lediglich mit einer Wall-Graben-Anlage gesichert war", versucht Eva Cichy eine Erklärung für das Grabungsergebnis zu finden. Und sie fügt hinzu: "Diese letzte These würde übrigens auch erklären, warum es bislang nur einen einzigen römischen Fund aus dem Lagerbereich gibt, nämlich eine Hacke."

Auch bei den aktuellen Grabungen haben die LWL-Archäologen keinen Fund gemacht, den sie den Römern zuweisen könnten. Somit bleibt auch nach den jüngsten Untersuchungen unklar, wann genau das Lager errichtet wurde, wie lange es genutzt wurde und welche Funktion es im Rahmen der Germanienpolitik des Römischen Reiches vor 2000 Jahre hatte.

Die rund 60 Quadratmeter große Fläche in der Nordwestecke der Befestigungsanlage hatten die Archäologen im Zuge von Aufräumarbeiten nach dem Orkan Kyrill untersuchen können. Es war die erste Gelegenheit nach den Ausgrabungen zwischen 1902 und 1939. Nun hoffen die Fachleute des Landschaftsverbandes, dass irgendwann eine Untersuchung in einem anderen Wallabschnitt möglich sein wird, mit der sie das Rätsel um das Kneblinghauser Lager lösen können.

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