Rechtsstreit zu altägyptischer Steindorff-Sammlung vertagt

Das Verfahren vor dem Berliner Verwaltungsgericht um die Rückgabe der Steindorff-Sammlung des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig ist vertagt worden. Die Verhandlung über den Verbleib dieser altägyptischen Objekte aus der einstigen Privatsammlung des Ägyptologen Professor Georg Steindorff (1861-1951) wird Ende Mai fortgesetzt.

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Statue des Memi
Statue des Memi im Ägyptischen Museum Georg Steindorff; Giza, 5. Dynastie. Foto: Einsamer Schütze CC-BY-SA

Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen hatte im Jahr 2009 auf einen Restitutionsantrag der Jewish Claim Conference (JCC) hin entschieden, dass die Objekte der ehemaligen Sammlung-Steindorff zurück zu übertragen sind. Da sich der Sachverhalt der Universität Leipzig anders darstellt, klagte diese vor dem Berliner Verwaltungsgericht gegen diesen Bescheid.

Prof. Dr. Georg Steindorff war ab 1904 Inhaber des Ägyptologischen Lehrstuhls an der Universität Leipzig. Zwischen 1903 und 1931 unternahm er eigenverantwortlich und im Auftrag der Universität Leipzig Grabungen in Ägypten. Darüber hinaus erwarb er aus privaten Mitteln antike Objekte, um damit die Sammlung der Leipziger Universität für seine Lehrtätigkeit zu ergänzen. Die meisten seiner Objekte wurden von Anfang an in die öffentliche Sammlung integriert.

Georg Steindorff erreichte 1930 sein Emeritierungsalter, blieb aber weiterhin im Amt und wurde nochmals im Mai 1933 von der Universität gebeten, nicht in den Ruhestand zu gehen, da die Nachfolge noch nicht geklärt war. Nach seiner offiziellen Emeritierung wurde ihm 1934 wegen seiner jüdischen Herkunft jede weitere Vorlesungstätigkeit untersagt und ein Nachfolger, Prof. Walther Wolf, berufen. Laut der Darstellung der Universität Leipzig bot Steindorff in einem Schreiben vom 05.08.1936 seine "Sammlung ägyptischer Altertümer, die zum Teil im ägyptischen Museum der Universität als Leihgabe ausgestellt sind, zum Teil sich in meiner Wohnung befinden, dem ägyptischen Museum zum Kauf an". Er bezifferte den von ihm gewünschten Kaufpreis mit dem von ihm ursprünglich verauslagten Ankaufspreis von 8.000,00 Reichsmark (RM), wobei er selbst von einem aktuellen Verkehrswert in Höhe von 10.260,00 RM ausging. Ihm lag zu diesem Zeitpunkt ein Alternativangebot des Kestner Museums Hannover vor, das er aber nicht mehr weiter verfolgen wollte, als sich das Leipziger Interesse konkretisierte. Am 04.03.1937 erhielt Prof. Steindorff dann die Nachricht, dass der Ankauf seiner Sammlung vom Ministerium zum vorgeschlagenen Kaufpreis von 8.000,00 RM in mehreren Raten genehmigt worden war.

Am 30.03.1939 emigrierte Prof. Steindorff mit seiner Familie über Bremen in die USA. Nach dem Krieg äußerte sich Prof. Steindorff in mehreren an die Universität Leipzig gerichteten Briefen zufrieden über die Wiederaufstellung der nach dem Krieg noch erhaltenen Teile der Sammlung in der Universität Leipzig. Dies entsprach seinem Wunsch, die Sammlung in der Universität Leipzig zu zeigen.

Die ca. 150 Objekte der ehemaligen privaten Sammlung-Steindorff sind Bestandteil der Ausstellung und des akademischen Unterrichtsmaterials des Ägyptischen Museums "Georg Steindorff" der Universität Leipzig.

Kommentare (2)

  • xaver195
    xaver195
    am 10.04.2011
    Mir unverständlich, dass JCC
    die Objekte verlangt, obwohl dies doch offensichtlich nicht
    dem Wunsch des Professors
    entsprach. Geht es nur um Mammon?
  • Ursula Selzer
    Ursula Selzer
    am 29.05.2011
    Das Vergessenwollen verlängert das Exil und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung, besagt ein jüdisches Sprichwort. Wir wollen die Erinnerung an den großartigen Ägyptologen Georg Steindorff aufrecht erhalten und seinen Wunsch respektieren, seine Sammlung der Universität Leipzig zu überlassen. Dort, wo sie nach Steindorffs Willen hingehört, soll sie auch bleiben dürfen! Wer mehr zu dem Fall erfahren möchte, folge bitte diesem Link http://de-de.facebook.com/#!/home.php?sk=group_170055253054610&ap=1

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