Rad und Wagen ? Der Ursprung einer Innovation

 

In einer Sonderausstellung des Landesmuseums für Natur und Mensch Oldenburg wird vom 28. März bis 11. Juli 2004 die Geschichte von Rad und Wagen von den Ursprüngen dieser Innovation bis zur ausgehenden Bronzezeit um 800 v. Chr. präsentiert.

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Zum ersten Mal werden Objekte aus jahrzehntelanger Grabungstätigkeit des Museums in globalem Zusammenhang gezeigt.

Darüber hinaus werden erstmals die frühesten Wagenfunde aus dem Alten Orient und Europa zusammen in einer Ausstellung präsentiert. Zahlreiche bedeutende Exponate und Kunstschätze ersten Ranges aus dem British Museum, London, dem Louvre, Paris, dem Vorderasiatischen Museum, Berlin, dem Staatlichen Museum, Moskau, sowie vielen europäischen Museen werden in der Oldenburger Ausstellung zu sehen sein.

Seit über 5000 Jahren dreht sich das Rad. Bis vor kurzem galt es als sicher, dass Rad und Wagen wie auch andere zivilisatorische Neuerungen in den ersten Hochkulturen des Alten Orients aufkamen. Aus der Mitte des 4. Jts. v. Chr. kennen wir aus Mesopotamien die ersten bildlichen Darstellungen von Wagen - zeitgleich mit der Entstehung der ersten großen Städte und der Entwicklung der Schrift. Doch an der alleinigen Urheberschaft des Alten Orients mehren sich nun die Zweifel.

Inzwischen gibt es eine Reihe von Funden aus Mittel- und Nordeuropa, die mindestens ebenso alt sind und deutlich zeigen, dass der Wagen hier bereits bekannt war. In einer Grabanlage in Norddeutschland wurden deutliche Karrenspuren gefunden: Sie belegen, dass hier um 3500 v. Chr. ein Wagen gefahren ist.

Weitere etwa zeitgleiche bildliche Darstellungen aus Mitteleuropa bezeugen eindringlich die Kenntnis des neuen Fahrzeugs. Die Frage nach dem Ursprung muss also neu gestellt werden. Die Suche nach den Anfängen des Wagens führt in die Hochkulturen des Alten Orients und die bäuerlichen Kulturen Europas vor rund 5500 Jahren.

Gezeigt wird der Wagen in seinen verschiedenen Bedeutungen: als Götterwagen, als Kriegsgefährt und als Arbeitsgerät und seiner technischen Weiterentwicklungen. Ebenso zeigen die Hochkulturen in Mittelamerika und Ägypten, dass die bloße Kenntnis einer Neuerung nicht ausreicht, sie auch gewinnbringend für die Gesellschaft einzusetzen. Obwohl das Rad hier bekannt war, wurde der Wagen nicht übernommen. Kenntnis allein führt noch nicht zur Innovation.

Weitere Informationen zu Museum und Ausstellung finden Sie in unserem Kalender.

 

Quelle: Landesmuseum Oldenburg

Kommentare (4)

  • Udo
    Udo
    am 26.03.2004
    Der Wagen ist fuer beide Formen frueher menschlicher Verhaltensform praktisch: für den Nomaden, um sein Hab und Gut leichter zu transportieren und für den Sesshaften, um seine Ernte leichter heim zu holen! Wer also hatte ihn zuerst?
  • HAns Daehnhardt
    HAns Daehnhardt
    am 28.03.2004
    Ägypten und Mittelamerika kannten das Rad. Mittelamerika besuß bis zur Conquista keine Zugtiere. Benützt wurden dort Schlitten.
    Ägypten besaß Zugtiere aber die Tonnenschweren Steine wurden entweder auf Nilschiffen oder auf Schlitten
    transportiert.
    Karren und Wagen waren nur (?)
    für leichte Frachten geeignet.
  • Jürgen E. Walkowitz
    Jürgen E. Walkowitz
    am 19.04.2004
    Wer das Rad erfand wird sich kaum feststellen lassen. Wer aber als erster den Wagen nutzte mußte außer den vorhandenen Zugtieren drei Voraussetzungen erfüllen. Er mußte den Zwang zur Mobilität haben. Er mußte Transportbedarf haben und er mußte ein Wegenetz haben. Dies fand man ohne Aufwand primär im fahrfesten Untergrund einer ebenen Steppe.
  • Thomas
    Thomas
    am 01.02.2013
    Nach jüngerer Meinung wird Mitteleureuopa als Erfindungsort angenommen. Vgl. Görmer, Der Ursprung des Wagens.

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