Quantensprung für die Schiffsarchäologie

Erstmals in Deutschland: Dreidimensionales Messsystem für Dokumentation von Schiffsfunden - Erprobungsphase an Koggehölzern

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Schiffsdokumentation mit 3D-Scanner
Der sogenannte Oberländer aus der Mittelalterflotte des DSM wird mit dem FARO-System dokumentiert. Diplom-Restaurator Michael Sietz arbeitet sich am neuen Gerät ein. Foto: Philipp Schmidt

Für Kollegen in Dänemark, Schweden, Norwegen, England und Irland ist es nicht neu. Erstmals führte in Deutschland jetzt aber das Nationalmuseum Deutsches Schiffahrtsmuseum die digitale dreidimensionale Vermessung von Schiffsfunden für die Schiffsarchäologie ein. Michael Sietz (30), Diplom-Restaurator am DSM: "Das ist ein Quantensprung für unsere Arbeit. Wir sind jetzt schneller und bekommen gegenüber dem Handaufmaß einen enormen Zuwachs an Genauigkeit." Möglich macht dies das digitale FARO-Messsystem mit Laserfunktion. Das Museum hat es mit einer Spende seines Fördervereins zur Jahreswende angeschafft, um den immer größer werdenden Anforderungen im Bereich der Nassholzkonservierung und Schiffsarchäologie gerecht werden zu können.

Spektakulär sieht das Gerät nicht aus: Ein einfaches, robustes Stativ mit zwei Tentakelarmen und Mess-"Pistole". Aber FARO ist ein deutlicher Fortschritt für die Forschungsarbeit des Deutschen Schiffahrtsmuseums. In der Automobilindustrie gehört die 3D-Vermessung z. B. von gefrästen Motorblöcken - zum Arbeitsalltag, um die Fertigungsgenauigkeit zu überprüfen. In der Archäologie ist diese Messmethode hingegen noch relativ neu und bedeutet für das DSM auch, dass man anderen Institutionen, die über diese moderne Technik nicht verfügen, Hilfestellung bei der Dokumentation, die auch für die Datensammlung des DSM als eigene Forschung wichtig ist, geben kann.

Das aber stand bei der Anschaffung nicht im Vordergrund. Bisher musste jedes archäologische Fundstück - von der Hansekogge, dem Flussschiff vom Rhein aus der Zeit um 1000 n. Chr. oder den 2009 entdeckten beiden Weser-Lastkähnen aus dem 17. Jahrhundert - mühsam 1 : 1 im Handaufmaß dokumentiert und zur weiteren Bearbeitung digitalisiert werden. "Ein immenser Arbeitsaufwand, der nur von qualifiziertem Fachpersonal bewerkstelligt werden kann", betont Michael Sietz.

Jetzt führt er die Hartmetallspitze des beweglichen Messarmes seines FARO-Systems in einem Raster über das Objekt. Die Ergebnisse der Messpunkte werden direkt in eine CAD-Software übertragen. So entsteht ein digitales 3D-Modell, das beliebig weiter verarbeitet werden kann.

Es geht in der Schiffsarchäologie und Nassholzkonservierung aber nicht allein um die Erfassung von einfachen Formen. Das neue Messsystem kann auch Gebrauchsspuren, Herstellungsmerkmale von Funden oder Schäden im Holz genau erfassen und mit der Software kartieren. "Wir sind jetzt bis zu 20 % schneller als im Handaufmaß, aber erreichen auch eine Messgenauigkeit von 0,12 mm. Dieser enorme Zuwachs an Präzision ist im Handaufmaß nicht machbar, aber für unsere Arbeit enorm wichtig", freut sich Sietz. An einer Planke aus der Hansekogge von 1380 "übt" er gegenwärtig den Einsatz im Museum, wo noch eine Fülle von Funden auf die Be- und Verarbeitung warten.

Aber nicht nur im Museum kann das FARO-System genutzt werden, sondern auch vor Ort an Fundstellen. Das stabile Stativ samt Messarm kann an jedem Fundort aufgebaut werden und auch große Fundstücke in einem Arbeitsschritt bearbeiten.

Eine der ersten Aufträge im Museum wird die 3D-Erfassung der Mittelalterflotte sein, zu der es bisher "keine ausreichende Dokumentation gibt". Aber auch der sog. "kleine Oberländer" - ein Schiffsfund aus der Nähe von Krefeld, der um das Jahr 1000 angesiedelt wird, soll nun im digitalen 3D-Verfahren dokumentiert werden. Denn hier ist bereits eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem RACM in Lelystad (Niederlande) vereinbart.

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