Per Klick in die Vergangenheit

Mehr als 85.000 westfälische Urkunden aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit sind nun via Internet zugänglich.

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DWUD

Im Rahmen des Kooperationsprojekts »Digitale Westfälische Urkunden-Datenbank« (DWUD) machen der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stiftung Westfalen-Initiative die heute auf viele staatliche, kommunale, private und kirchliche Archive verteilten Quellen insgesamt über 85.000 Urkunden online unter der Webadresse http://www.dwud.lwl.org öffentlich zugänglich. Wer sich bisher einen Überblick über historische Urkunden verschaffen wollte, war gezwungen, viele Orte aufzusuchen. Denn die archivische Überlieferung in Westfalen-Lippe aus dem Mittelalter und der Frühneuzeit ist aufgrund der vielen Kleinstaaten, die sich in der Region seit dem Mittelalter herausgebildet hatten, außerordentlich zerstreut.

Bereits in den 1930er Jahren war von Archivaren der Plan entwickelt worden, über die Archiv- und Bestandsgrenzen hinweg einen Gesamtnachweis aller westfälischen Urkunden zu schaffen. Auf Karteikarten wurden seitdem von den Mitarbeitern der Vorläufereinrichtungen des heutigen LWL-Archivamts für Westfalen so genannte Regesten verfasst, die inhaltliche Zusammenfassungen der Urkunden enthalten, die im Rahmen von Betreuungs- oder Erschließungsarbeiten in die Hand genommen worden waren. Auf diese Weise kamen bis in die 1970er Jahre rund 65.000 chronologisch geordnete Karteikarten aus über 250 Archivbeständen aus ganz Westfalen-Lippe zusammen. »Eine Menge, die man mit traditionellen Mitteln nicht mehr beherrschen konnte. Dies bedeutete das Ende der Arbeiten, und so ruhte dieser große kulturelle Schatz Westfalens seitdem in den Magazinräumen des Archivs«, erklärt Projektleiter Dr. Marcus Weidner vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, das die Urkunden-Datenbank gemeinsam mit dem LWL-Archivamt für Westfalen betreut.

Als neues Modul des Internet-Portals »Westfälische Geschichte«, das Service- und Informationsangebote rund um die Geschichte Westfalens bietet, können Interessierte auf diese Regesten nun über das Internet zugreifen. »Der besondere Vorteil liegt darin, dass Interessierte nun gleichzeitig alle in DWUD verfügbaren Archivbestände durchsuchen können - jederzeit und von zuhause aus«, so Weidner. DWUD bietet aber nicht nur die digitalisierten Karteikarten, die nach Datum und Archiv aufrufbar sind, sondern auch zehntausende Urkundenregesten, deren Inhalte im vollen Wortlaut durchsucht werden können.

Zahlreiche staatliche, kommunale, kirchliche oder private Archive haben hierfür ihre Urkundenregesten zur Verfügung gestellt, darunter die Mitglieder der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive e.V. und das Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen. Doch Dr. Peter Worm vom LWL-Archivamt, der für das Projekt aus archivfachlicher Sicht verantwortlich ist, möchte mehr: »Langfristiges Ziel ist es, eine speziell auf die Quellengattung 'Urkunde‘ ausgerichtete Internetpräsenz zu schaffen, in die alle Einrichtungen, die über Urkunden aus Westfalen-Lippe verfügen, ihre Regesten einspeisen können. Zudem soll das Angebot ständig erweitert werden.«

Mit über 85.000 Regesten, die nun freigeschaltet worden sind, ist hierfür der Grundstein gelegt. Die beiden LWL-Einrichtungen versprechen sich von dem Projekt, in das auch Drittmittel der Westfalen-Initiative und des Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverbandes eingeflossen sind, vielfältige Impulse für die Beschäftigung mit westfälischer Geschichte. »Heimat- und Familienforscher können besonders davon profitieren, da über eine spezielle Suche, die nicht exakt die Buchstaben, sondern deren Laut analysiert, nach Orts- und Personennamen gesucht werden kann, die von der heutigen Schreibung abweichen. Da hat es schon Aha-Erlebnisse von Testern gegeben, die nach ihren Ahnen gesucht haben«, sagte Weidner bei der Präsentation des neuen Dienstes am Mittwoch.

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