Niedersächsische Aufbauhilfe für Mittelägypten

Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim (HAWK) und das Landesmuseum Hannover werden gemeinsam im Herbst diesen Jahres ein Ausbildungsprojekt für junge Restauratoren in Mittelägypten starten. Im Rahmen der Förderung des Transformationsprozesses in den arabischen Staaten unterstützt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ein Projekt, bei dem sich niedersächsische Restauratoren in Kooperation mit der Universität Minya um eine verbesserte Lehre in der abseits gelegenen Region bemühen.

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Fresko in Tuna el Gebel
Einige der Fresken von Tuna el Gebel sind vom Zahn der Zeit stark in Mitleidenschaft gezogen, wie diese astronomische Darstellung an der Decke eines Grabmals. Foto: Stefan Geens (CC)

Ziele von Touristen sind maßgeblich die Badeorte am Roten Meer, Kulturinteressierte reisen zumeist nach Kairo und Oberägypten. Seit aus Sicherheitsgründen Nilkreuzfahrten von Kairo in den Süden untersagt sind, wird Mittelägypten wenig besucht. Die Folgen sind hohe Arbeitslosigkeit und niedrige Wirtschaftskraft. Auch Schulen und Universitäten leiden unter dieser Situation, denn die Abwanderung nach Kairo ist groß. Umso wichtiger ist das Engagement gerade in diesem Gebiet, zumal Minya, die Hauptstadt der Region, Partnerstadt Hildesheims ist und die HAWK Hildesheim vor einigen Jahren einen Kooperationsvertrag mit der dortigen Universität abgeschlossen hat.

Im Rahmen einer »field school«, einer Ausbildung direkt vor Ort, werden im Oktober deutsche Restauratoren und Studierende gemeinsam mit Ägyptern ein Restaurierungsprojekt in Tuna el-Gebel durchführen, einem Friedhof aus griechisch-römischer Zeit (ca. 300 v. bis 300 n. Chr.). Forschungsaktivitäten an diesem Ort, die in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Katja Lembke (Direktorin des Landesmuseums Hannover) durchgeführt wurden, haben ergeben, dass es sich um den größten bekannten Friedhof dieser Zeit in Ägypten handelt, der bisher aber nur zu einem kleinen Teil freigelegt wurde. Doch auch die vor rund 80 Jahren erfolgten Ausgrabungen stellen die Archäologen vor Probleme: Die aus ungebrannten Lehmziegeln errichteten Grabbauten, die teilweise mit Wandmalereien dekoriert sind, drohen heute zu zerfallen.

»Einige der einmaligen Fresken sind bereits von der Wand gefallen, andere haben sich bereits so weit gelöst, dass sie nur aus Gewohnheit noch an Ort und Stelle sind. Es wird dringend Zeit, in Tuna el-Gebel umfangreiche Restaurierungen durchzuführen«, meint Katja Lembke. Nicole Riedl (Professorin für Restaurierung von Wandmalerei an der HAWK Hildesheim), die bereits eine Kampagne begleitet hat und nun federführend das Projekt betreut, meint unterstützend: »In diesem Projekt werden zwei gute Zwecke miteinander verbunden: die Erhaltung von einmaligen Kulturgütern und die verbesserte Ausbildung angehender ägyptischer Restauratoren.«

Außerdem fördert der DAAD im nächsten Frühjahr einen Aufenthalt der jungen Ägypter in Niedersachsen, wo sie gemeinsam von der HAWK, dem Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim und dem Landesmuseum Hannover betreut werden.

 

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