Naturfreunde schmelzen für Eisenzeit dahin: In Lehrte bald historisch-ökologische Bildung

In der Eisenzeit stand die Eisenerz-Verhüttung auch in und um Hannover hoch im Kurs – und produzierte schon früh erste ökologische Krisen. Was diese historische Epoche mit der Gegenwart in Sachen nachhaltige Landwirtschaft, Imkerei und Forstwirtschaft trennt oder verbindet, wollen die Naturfreunde Lehrte in einem "Miniatur-Freilichtmuseum" aufzeigen und so ein "differenziertes Nachhaltigkeitsverständnis für Schüler der Sekundarstufen I und II wie für Jugendgruppen befördern".

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DBU-Kurator Matthias Miersch überreichte den Bewilligungsbescheid
DBU-Kurator Matthias Miersch überreichte den Bewilligungsbescheid über 150.000 Euro an den ersten Vorsitzenden der Naturfreunde Lehrte, Wilfried Helmreich. (© Anette Helmreich)

Matthias Miersch (MdB), Kuratoriumsmitglied der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), überreichte Wilfried Helmreich, Leiter der Ortsgruppe Lehrte der Naturfreunde Deutschlands, ein Bewilligungsschreiben über 150.000 Euro, mit dem die DBU neben ihrem Expertenwissen hilft, das Naturfreunde-Haus Grafhorn in Lehrte von einem Beherbergungsbetrieb zu einer historisch-ökologischen Bildungsstätte weiterzuentwickeln.

Auslöser für die Idee zu einem "Miniatur-Freilichtmuseum" waren archäologische Grabungsfunde in der Flur "Grafhorn" gewesen, bei denen unter anderem zwei eisenzeitliche Gebäude zu Tage getreten waren und weitere Fundstücke aus der Eisenzeit das Licht der Gegenwart erblickten, erinnert sich Helmreich. Gemeinsam mit Fachbehörden, wissenschaftlichen Einrichtungen und dem Landesmuseum in Hannover sollen die Gebäude sowie ein eisenzeitlicher Nutzgarten rekonstruiert und in ein neues Umweltbildungskonzept am Standort integriert werden. Dabei spiele das Einbinden ehrenamtlicher Naturfreunde-Akteure eine zentrale Rolle, um aus dem Beherbergungsbetrieb eine historisch-ökologische Bildungsstätte wachsen zu lassen.

Inhaltlich fokussiere das Vorhaben auf die Entwicklungsstufen einer nachhaltigen Landnutzung von der Eisenzeit bis heute. Es sollten entsprechende Angebote für Schüler der Sekundarstufe I und II, aber auch für andere verbandliche Jugendgruppen sowie für Tagesgäste realisiert werden und regionale Umweltbildungsakteure aus Land- und Forstwirtschaft, Imkerei und Umweltbildung eingebunden werden. Im Rahmen von Exkursionen sollen landwirtschaftliche Flächen, Wälder, Naturschutzgebiete, aber auch kulturhistorische Fundstätten aus der Eisenzeit berücksichtigt werden.

Zahlreiche Lernorte und Landschaftsphänomene um die Bildungseinrichtung, wie Wallhecken, Hudebäume, unterschiedliche landwirtschaftlich genutzte Areale, Wiesen, Wälder, Brachen, Moore, Gewässer, Naturdenkmäler und Naturschutzgebiete, sollen im Rahmen von Exkursionen programmatisch eingebunden werden. "In zwei rekonstruierten eisenzeitlichen Gebäuden wollen wir eine funktionsfähige Schmiede sowie Handwerksräume zum Töpfern, Weben, Tischlern und Schnitzen einrichten", erklärt Helmreich. Ein 'Eisenzeitgarten' mit typischen Nutzpflanzen dieser Epoche wie Hirse, Gerste, Weizen, Rüben, Haselnüsse, Kräuter, Flachs/Lein soll kultiviert werden. Helmreich: "Diese Anschauungsobjekte und praktischen Lernorte ergänzen wir im Naturfreundehaus durch eine Dauerausstellung mit ausgewählten Exponaten der Eisenzeit aus der Region."

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