Mordfall oder archäologische Sensation? Rätselraten um mysteriöse Mumienfund aus Pakistan.

 

Ist Dr. Gerhard Morgenroth einem Mordfall auf die Spur gekommen und die vermeintlich 2500 Jahre alte Mumie erst vor 2 Jahren ermordet worden? Die Anzeichen sprechen dafür, letzte Klarheit erwartet der Forscher am Institut für Experimentalphysik (Universität Erlangen) erst in einigen Wochen.

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Die Mumie wurde vor einem Jahr in Pakistan entdeckt und ging als archäologische Sensation weltweit durch die Medien. Sie wurde sofort von der Polizei beschlagnahmt und in das pakistanische Nationalmuseum in Karachi gebracht. Dort wurde der Fund unter der Leitung von Frau Dr. Asma Ibrahim untersucht.

Die Untersuchung des Fundes ergab, daß es sich bei der Mumie um eine 20- bis 40-jährige Frau handelt, deren Hüftknochen und Rücken gebrochen sind. Besonders auffällig war die Tatsache, daß der Frau offentsichtlich vor ihrem Tod die Zähne ausgerissen wurden. Eine altpersische Inschrift auf einer goldenen Brustplatte weist die Frauenmumie als Ruduamna, Tochter des Xerxes, aus und wurde hierdurch ins 5. Jahrhundert v. Chr. datiert. Die Verwendung eines doppelten Sarges - der innere aus Stein, der äußere aus Holz - weist starke Ähnlichkeiten zur ägyptischen Bestattungsweise auf.

Zur Bestätigung der Echtheit und des Alters der Mumie wurden Proben organischer Beigaben der Mumie zur Radiokarbondatierung (14C) an das Deutsche Archäologische Institut nach Berlin geschickt. Aufgrund der zu geringen Probenmengen wurde das Material an das 14C-Labor der Universität Erlangen-Nürnberg zur Bearbeitung und Datierung weitergeleitet. Durch einen deutlich überhöhten 14C-Gehalt der Proben kommt Dr. Morgenroth zur Aussage: "Die von uns untersuchten Materialien können höchstens 40 bis 50 Jahre alt sein". Durch genauere Analysen der Erlanger Physiker konnte das Alter der untersuchten pflanzlichen Proben einem Zeitraum zwischen 1958 und 1960 oder 1992 und 1994 unserer Zeitrechnung zugeordnet werden. "Somit stellten sich zumindest die zur Mumie beigelegten Materialien als Fälschung heraus," konstatiert Dr. Morgenroth.

In Pakistan sind mittlerweile weiter Hinweise aufgekommen, dass es sich bei der Mumie um eine sehr aufwendige Fälschung handelt und dass die Mumie an sich nicht älter als zwei Jahre sein kann. Im Erlanger Labor werden zur Zeit Messungen an Knochen und Muskelgewebe der eigentlichen Mumie vorbereitet. "Diese Messungen werden dann letztendlich zeigen, wie alt die Frauenleiche wirklich ist," verspricht Dr. Morgenroth. Dies ist insofern wichtig, da es sich nun anstatt einer archäologischen Sensation eventuell um einen Mordfall handelt.

 

Quelle: Uni Erlangen-Nürnberg (idw)

Kommentare (2)

  • Friedrich.Ostmann@freenet.de
    Friedrich.Ostmann@freenet.de
    am 22.06.2001
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich erlaube mir,auf die mögliche Beteiligung der Rechtsmedizin hinzuweisen, da diese nun einmal die Spezialisten für die Fragen im Hinblick auf die Todesursache und den möglichen Hergang einer Gewalttat sind. Oft wird meiner Lebenserfahrung nach nicht an diese interdisziplinäre Möglichkeit gedacht. Vielleicht ist dies eine Selbstverständlichkeit für Sie und ich bitte vorsorglich um Entschuldigung für diese "Besserwisserei" eines archäologischen Laien. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei den Ermittlungen und hoffe, das Ergebnis einmal in Erfahrung zu bekommen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Friedrich Ostmann
  • Christoph Steinacker
    Christoph Steinacker
    am 10.07.2001
    Im SPIEGEL der letzten Woche war zu lesen, daß zu den Untersuchungen an der "Mumie" auch der Münchner Pathologe Andreas Nerlich herangezogen wird. Die Untersuchungen sollen, laut SPIEGEL, bis Ende Juli diesen Jahres abgeschlossen sein. Dann wird man sicherlich Näheres erfahren können.

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