Menschlicher Stammbaum viel kleiner als bisher angenommen

 

Australische Wissenschaftler haben nach einer detaillierten Studie genetischer Daten von Menschen und Schimpansen den menschlichen Stammbaum umfassend gestutzt. Die Studie, durchgeführt von Dr. Darren Curnoe, School of Medical Sciences an der University of New South Wales, und Dr. Alan Thorne, Australian National University, wurde kürzlich in der Zeitschrift Homo veröffentlicht.

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Die Ergebnisse legen nahe, dass der menschliche Evolutionszweig weitaus weniger Spezien umfasst, als bisher angenommen. Diese Erkenntnisse sind von weitreichender Bedeutung für das Studium der menschlichen Evolution und der Evolutionsbiologie im Allgemeinen. "Der Gedanke, dass viele verschiedene vormenschliche Spezien nebeneinander existierten, aber dass nur eine von ihnen, unsere eigene, am Ende dominierte, hat die Vorstellungen vieler Wissenschaftler bestimmt," erklärt Dr. Curnoe. "Unsere Forschungen legen nahe, dass diese Vorstellungen eher Science Fiction als Fakten widerspiegeln."

Über das vergangene Jahrzehnt wurden 4 neue Gattungen und 7 neue Spezien benannt, was bedeutet, dass derzeit über 25 Spezien zum menschlichen Stammbaum gerechnet werden. Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Dr. Curnoe und Dr. Thorne widersprechen dieser Annahme. "Der sprichwörtliche Eisberg ist nun geschmolzen, sofern die genetischen Daten über die Nähe zwischen Menschen und Schimpansen korrekt sind, und es gibt keinen guten Grund, das Gegenteil anzunehmen," so Dr. Curnoe. Menschen und Schimpansen stimmen in 99 Prozent ihrer DNA überein.

Dr. Curnoe und Dr. Thorne untersuchten Daten für chromosomale Neuordnungen und 53 Schätzungen der genetischen Distanz zwischen Menschen und Schimpansen. Durch die Untersuchung des Variationsgrades in heutigen Menschen, in Schimpansen und anderen Affen, und durch Schätzungen des genetischen Variationsgrades, der bei fossilen Menschen- oder Schimpansenspezien zu erwarten wäre, gelangten die Wissenschaftler zu der Annahme, dass lediglich 4 Spezien auf dem Weg zum heutigen Menschen existierten, neben einer fünten die ausgestorben ist. Diese 4 Spezien sind Homo sapiens, dazu gehören Homo erectus, Java Man (Pithecanthropus erectus), und Peking Man (Sinanthropus pekinesis); Homo habilis, direkter Vorfahr des Homo sapiens; Homo africanus; und Homo ramidus.

"Behauptungen über eine Vielzahl von Spezien in der menschlichen Evolution oder der der Schimpansen sind nicht einleuchtend," so Dr. Curnoe. "DNA Studien haben wiederholt gezeigt, wie nah wir uns sind, was eine klare Grenze hinsichtlich der möglichen Anzahl von Spezien auf jeder Seite des Stammbaums zieht. Es scheint, dass viele unserer Kollegen diese Anzahl bei weitem überschätzt haben. Statt 25 glauben wir, dass es nicht mehr als 5 Spezien waren."

Die Wissenschaftler vertreten darüber hinaus den Standpunkt, dass unsere Spezies mindestens 1,7 Millionen Jahre in die Vergangenheit reicht, was dem Argument widerspricht, nach welchem der heutige Mensch vor ca. 120.000 Jahren aus Afrika kam. Dr. Curnoe und Dr. Thorne befürchten Widerstand von Anthropologen gegenüber der von ihnen vorgenommenen Einordnung der Schimpansen in die Gattung Homo, ein Schritt, der tiefgreifende Fragen hinsichtlich der Art und Weise, wie wir andere Spezien und vor allem Schimpansen sehen, aufwirft.

Kommentare (9)

  • renate garnitz
    renate garnitz
    am 28.06.2003
    heißt das,die evolutionstheorie stimmt nicht?da habe ich auch so meine zweifel.was bedeutet es, wenn der mensch nicht aus afrika kommt?WOHER KOMMT er dann? wer antwortet mir?
  • Schlabberwutz
    Schlabberwutz
    am 29.06.2003
    Darwins Evolutionstheorie stimmt nach wie vor, ebenso, dass der Mensch aus Afrika stammt. Nur der Stammbaum hat sich geändert. Das ist in den letzten Jahren allerdings schon mehrfach geschehen. Es ist eben etwas schwierig, 7 Mio. Jahre menschliche Evolution anhand einiger spärlicher Reste zu rekonstruieren.
  • rudiratlos
    rudiratlos
    am 01.07.2003
    Soweit mir bekannt ist, hat Darwin eine Entwicklungtheorie konzipiert, die man von einer Evolutionstheorie unterscheiden muß. Beides aber sind Theorien dh begründete Vermutungen aufgrund von Funden, Experimenten und vor allem dem eigenen Vorverständnis etc. Das heißt jede Theorie ist nur brauchbar oder unbrauchbar.
  • Tinia
    Tinia
    am 04.07.2003
    Hallo Renate Garnitz!
    Das bedeutet, daß wir uns nicht so wesentlich von dem unterscheiden, was wir.."es ist ja nur ein Tier"..nennen. Woher der Mensch kommt spielt dabei so gut wie keine Rolle, weil er im Prinzip nur einen Vorfahren hat, der sich dazu entschieden hat aufrecht zu gehen und zu sprechen und das auch geschafft hat. Wir sind entweder "nackte Affen", oder die Primaten sind behaarte Menschen, die nicht reden lernten. Die einen Menschen-Affen blieben wie sie heute sind, andere entwickelten sich weiter und die anderen Menschen-Affen starben aus.
  • Peter Meier
    Peter Meier
    am 08.07.2003
    Klingt sehr interessant. Es ist nur sehr bedauerlich, dass unsere "Verwandten" teilweise abgeschlachtet und verzehrt werden. Anscheinend stehen wir dem Tier doch näher, als wir denken...
  • bluebeat
    bluebeat
    am 09.07.2003
    2 Dinge sind gewiss.
    I.Der Mensch, incl. aller "Vorfahren", stammt mit eindeutiger Sischerheid von dem blauen Planeten.
    II. Die Zukunft bedarf aller unserer Zuwendung um sie zu gestalten und zwar mit Zuhilfe nahme der Erkenntnisse aus der Vergangenheit. So, satisfy the passion.
    Warum immer Analogien, die nicht bestehen, zwischen "uns-ohne Fell" & "uns-mit Fell" konstruiert werden ? Ähnlichkeit bedeutet eben nicht identisch.
    Hmm, Fakten - wie war`s - werden existent GEMACHT.
  • karnutenwaldtreffen
    karnutenwaldtreffen
    am 16.07.2003
    auf meiner vorletzten zeitreise wurde mir von einem befreundeten übermenschlichen wesen gezeigt, woher die menschen stammen: an vielen orten des planeten erde wurden nacheinander je 36 häftlinge eines anderen, sehr weit entfernten planeten namens viridis von einem gigantischen raumschiff abgesetzt.
    die sträflinge sollten es niemals mehr in ihre heimat schaffen.
    so vermehrten sich die sträflinge munter, bis die ganze erde damit zugeschissen war - und die moral von der geschicht: alles verbrecher !!!
  • Robert Rasche
    Robert Rasche
    am 24.07.2003
    Dass Mensch und Schimpanse in 99% ihrer DNA miteinander übereinstimmen, halte ich für eine Ente. Tatsache ist, daß rein genetisch gesehen der Mensch dem Schwein ähnlicher ist als dem Schimpansen. Oft wird uns eben nur ein Teil der Wahrheit vermittelt, nämlich der, der nicht allzusehr an unserem medienbeeinflußten Weltbild rüttelt.
  • franciellem
    franciellem
    am 20.08.2007
    ;) hallo wie gehts

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