Memorandum zur Qualitätssicherung archäologischer Grabungen beschlossen

Beim internationalen Treffen »Terra Scythica« in Nowosibirsk verpflichteten sich Eurasien-Forscher aus elf Ländern in einem Memorandum, jede Grabungsstätte nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden zu erforschen.

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Rüdiger Krause
Rüdiger Krause (Universität Frankfurt) während seines Vortrags bei der Tagung in Nowosibirsk. Foto: DAI

Mit dem Memorandum bürgen die Wissenschaftler für qualitätvolle und wissenschaftlich korrekte Ausgrabung und Feldforschung. Das bloße Freilegen von Funden ohne hinreichende Dokumentation – beispielsweise der Fundumstände – soll damit verhindert werden. Dass eine solche Selbstverpflichtung als nötig erachtet wird, zeigt, dass dies offenbar längst nicht überall so selbstverständlich ist wie allgemein angenommen.

Das Memorandum empfiehlt nachdrücklich die Nutzung der neuesten wissenschaftlichen, vor allem auch naturwissenschaftlichen Methoden, wie zum Beispiel geophysikalische und geomagnetische Prospektionen, Archäobotanik, genetische Untersuchungen, C14-Methode, Paläoanthropologie, Dendrochronologie, moderne Restaurationsmethoden und weitere. Nur so kann die Vielfalt der Informationen, die archäologische Denkmäler liefern, komplett erfasst werden. Die am Memorandum beteiligten Institute – darunter die Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts unter der Leitung von Professor Dr. Svend Hansen und Dr. Anatolij Nagler – erforschen gemeinsam die Kultur Eurasiens und kommen aus insgesamt elf Ländern: Russland, Deutschland, Mongolei, Süd-Korea, China, Kasachstan, Ukraine, Bulgarien, Ungarn, Polen, Japan.

Russland und Deutschland waren 1998 Gründer einer Kooperation zur gemeinsamen Skythen-Forschung im eurasischen Kulturraum. Mit weltweit beachteten neuen Erkenntnissen über die Skythen durch ihre Forschungen in Tuva (Südsibirien, 2000-2006) und der Mongolei (2006) machten die Forscher in den letzten Jahren auf sich aufmerksam. Die Funde aus den Skythengräbern wurden 2007 in der Ausstellung »Im Zeichen des Goldenen Greifen. Königsgräber der Skythen« in Berlin im Martin-Gropius-Bau der Öffentlichkeit vorgestellt.

Aus der Zweiländer-Kooperation erwuchsen Projekte, an dem sich inzwischen Forscher aus vielen Ländern beteiligen. Ihr Ziel ist die interdisziplinäre und ganzheitliche Untersuchung der eurasischen Kulturen im Altertum. Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht beispielsweise die bronzezeitliche Nekropole von Tartas. Die Ergebnisse werden jetzt in enger Kooperation der einzelnen Institute interpretiert. Dr. Nagler dazu: »Wir haben schon jetzt tolle Ergebnisse!« Durch seine Übergangslage zwischen den Waldgebieten Nord- und den Steppengebieten Südsibiriens verspricht die Erforschung Tartas, viel über die Kulturgeschichte Sibiriens vom Neolithikum bis zur frühen Eisenzeit zu erklären.

Die Forscherteams werden ihre Zusammenarbeit weiter intensiv fortsetzen und sich auf den alle zwei Jahre geplanten Arbeitstreffen gegenseitig die neuesten Ergebnisse vorstellen.

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