Komplexe Baugeschichte: Archäologische Forschung am Keltenwall

Die Römisch-Germanische Kommission (RGK) des Deutschen Archäologischen Instituts widmet sich seit über 50 Jahren der Erforschung des Oppidums von Manching. Die Ausgrabung des Walls am ehemaligen Munitionslager bietet einzigartige Einblicke in ein archäologisches Denkmal von europäischem Rang, dessen Größe und Erhaltung auch heute noch die wirtschaftliche und politische Bedeutung der spätkeltischen Stadt auf beeindruckende Weise widerspiegeln.

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Die ehemals bis zu sieben Kilometer lange Umfassungsmauer des Oppidums von Manching aus dem 2. und 1. Jh. v.Chr. ist besonders in ihrem Südteil noch auf weiten Strecken als obertägig sichtbares Bodendenkmal erhalten. Allerdings wird die Wallstrecke an mehreren Stellen durch neuzeitliche Einschnitte und Durchstiche unterbrochen, die besonders seit dem Bau des Flugplatzes in den 1930er Jahren als Folge des Wege- oder Kanalbaus entstanden. Eine Baumaßnahme in einem jener bestehenden Durchstiche bietet der RGK eine neuerliche Möglichkeit, die Konstruktion und Baugeschichte der keltischen Stadtmauer zu erforschen.

Durch die seit Anfang März in Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und im Auftrag der EADS stattfindenden Ausgrabungen der Frankfurter Archäologen wurden ältere Erkenntnisse zum Mauerbau bestätigt, bestehende Wissenslücken geschlossen und wichtige neue Details der Wallarchitektur, insbesondere zu dessen Rampe aufgedeckt. Die älteste Phase der Stadtmauer, die mit einer breiten Erdrampe hinterschüttet wurde, ist durch Reste eines innerhalb der Mauer befindlichen Holzrahmenwerkes belegt. Mit Eisennägeln, die im Erdreich des Walles gefunden wurden, war das stabilisierende Holzgitter vernagelt. Für die bis zu fünf Meter breite Mauer mussten riesige Mengen von Kalksteinen von den Höhen der Fränkischen Alb herangeschafft werden. Mächtige Pfostengruben, die sich als Verfärbungen im hellen Sand und Kies des Schotteruntergrundes abzeichnen, dienten in den beiden jüngeren Ausbauphasen der Aufnahme senkrechter Holzpfosten, die die mit rechteckig zugeschlagenen Kalksteinen verblendete Mauerfront stützten.

Um die 4-5 m hohe, in ihrer kalkweißen Strahlkraft sicher beeindruckende und weithin sichtbare Steinmauer nach hinten abzustützen, wurde rückwärtig eine bis zu 14 m breite Erdrampe angeschüttet, deren Aufbau und Entstehung die Archäologen durch die genaue Dokumentation der Abfolge von Sandschichten unterschiedlicher Farbe und Konsistenz rekonstruieren können. Archäologische und naturwissenschaftliche Analysen zeigen, dass sich die keltischen Baumeister bestimmte Materialeigenschaften zunutze machten, um die Festigkeit der Rampe zu erhöhen. Die Lage und Richtung einzelner Schichten lassen die entwickelte Bauplanung und den effizient anmutenden Ablauf des Befestigungsbaus vor über 2000 Jahren erahnen.

Als die Bedeutung des spätkeltischen Zentralortes schwand, scheint man auch die Mauer nicht mehr Instand gehalten zu haben. Im ersten Jahrhundert nach Christus, als die Römer die Gegend aufsuchten, diente die verfallene Manchinger Mauer bereits seit langer Zeit nicht mehr dem Schutz einer Siedlung. Auch die Römer fanden eine andere Nutzungsmöglichkeit: sie verwendeten die Kalksteine zum Brennen von Kalk und trieben hierzu große runde Brennöfen in den Wallkörper vor. Die Spuren eines solchen Ofens wurden auch in der diesjährigen Grabungskampagne entdeckt. Er ist, wie die Bierflasche und die Konservendose, die nach einer Brotzeit im Jahr 1937 verscharrt wurden, Zeugnis der über 2000jährigen Geschichte des Manchinger Keltenwalls.

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