Könige am Tigris

Die Archäologische Sammlung der Universität Zürich zeigt einzigartige, rund 2800 Jahre alte monumentale Wandreliefs aus den königlichen Palästen der einstigen assyrischen Hauptstadt Kalchu (Nordirak). Die Ausstellung "Könige am Tigris - Medien assyrischer Herrschaft" thematisiert die königliche Macht im Spannungsfeld von Politik und Ritual.

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Ablieferung abgeschlagener Köpfe vor Eunuchen aus dem Zentral-Palast Tiglapilesers III.
Ablieferung abgeschlagener Köpfe vor Eunuchen aus dem Zentral-Palast Tiglapilesers III., Kalchu/Nimrud (Foto: Zürich, Archäologisches Institut der Universität)

Monumentale Wandreliefs aus den königlichen Palästen der assyrischen Hauptstädte am Tigris zählen zu den bedeutendsten Hinterlassenschaften der altmesopotamischen Kultur und gehören zu den Prunkstücken der grössten Antikenmuseen der Welt. Auch die Archäologische Sammlung der Universität Zürich besitzt elf Reliefplatten, die aus den Palästen der assyrischen Herrscher Assurnasirpal II. und Tiglatpileser III. in Kalchu (heute Nimrud bei Mosul, Irak) stammen. Diese wurden 1864 von Julius Weber, dem Leiter der Bagdader Filiale der schweizerischen Exportgesellschaft, der Antiquarischen Gesellschaft Zürich geschenkt. Kurz zuvor, 1862, hatte der Arzt Alexander Schläfli eine grössere Anzahl mesopotamischer Kleinobjekte von Bagdad nach Zürich übermittelt ("als erste derartige Sammlung aus Bagdad"). Sämtliche altorientalischen Antiken der Antiquarischen Gesellschaft wurden 1897 der Archäologischen Sammlung der Universität Zürich übergeben.

Teile dieses ausserordentlichen Bestandes werden nun anlässlich des 175-Jahr-Jubiläums der Universität Zürich zusammen mit Leihgaben aus Berlin, Dresden, London, Fribourg und Genf in der Ausstellung "Könige am Tigris - Medien assyrischer Herrschaft" im Licht neuester Forschungen präsentiert. Dabei geht es um das in Bild und Text durch unterschiedliche Medien zum Ausdruck gebrachte Selbstverständnis der Herrschenden, ihres Herrschaftsanspruches und der zur Sicherung ihrer Macht verwendeten Mittel. Der König des assyrischen Grossreiches ist von den höchsten Göttern legitimiert und gilt als Hüter kosmischer Ordnung. Zugleich sieht er seine Herrschaft permanent gefährdet und versucht, sich besonders in seiner Residenz durch Bilder und Inschriften programmatisch dagegen abzusichern. In Anbetracht gegenwärtiger Krisen im Irak wirft die Ausstellung hoch aktuelle Fragen nach Mittel und Grenzen der Sicherung staatlicher Macht sowie dem Fortwirken altorientalischer Denkmodelle bis in die heutige Zeit auf.

Dank der Zusammenarbeit mit dem Vorderasiatischen Museum Berlin und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden können fünf weitere, über zwei Meter hohe Reliefs aus dem Palast Assurnasirpals II. gezeigt werden. Die 2004 im Dresdener Albertinum präsentierte und von Joachim Marzahn konzipierte Ausstellung "Könige am Tigris. Assyrische Palastreliefs in Dresden" findet in der Zürcher Version, die in Zusammenarbeit mit dem Religionswissenschaftlichen Seminar entstanden ist, mit der Frage nach den "Medien assyrischer Herrschaft" eine Aufnahme und zugleich Erweiterung.

Durch den Denkmälerbestand der Archäologischen Sammlung der Universität Zürich sowie vielen weiteren Leihgaben konnte die Zahl der Ausstellungsobjekte stark erweitert werden. Als besonderes Highlight können zwei Platten des imposanten Wandschmuckes, die einst im Palast Assurnasirpals II. im selben Raum unmittelbar nebeneinander standen, nun für die Dauer der Ausstellung erstmals seit der Entdeckung der Paläste vor rund 160 Jahren wieder vereint werden.

Kommentare (2)

  • Beate Dillmann-Gräsing
    Beate Dillmann-Gräsing
    am 05.05.2008
    Für den Leser wäre es sicher nicht uninteressant zu erfahren, von wann bis wann die beschriebene Ausstellung stattfindet - sicher gibt es den einen oder anderen, der die Ausstellung gern besuchen würde.
  • Christoph Steinacker
    Christoph Steinacker
    am 05.05.2008
    Hallo Frau Dillmann,

    alle Angaben zur Ausstellung finden Sie hier:
    http://www.175jahre.uzh.ch/ausstellungen/koenige-am-tigris.html

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