(K)ein Komet im Chiemgau?

Die in der Öffentlichkeit verbreitete These, dass ein Kometeneinschlag vor etwa 2500 Jahren ein Kraterfeld in der Region Chiemgau in Bayern erzeugt haben soll, entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage.

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Beweise für ein solches sogenanntes "Impakt"-Ereignis in Form von Resten des Einschlagkörpers oder Veränderungen der Gesteine als Folge extrem hoher Drücke und Temperaturen konnten bislang nicht erbracht werden. Auch Größe und Verteilung der beobachteten Krater widersprechen einer Erklärung durch ein Einschlagereignis. Vielmehr deuten Beobachtungen und Messdaten auf eine eiszeitliche Herkunft der Geländevertiefungen hin. Diese Auffassung wird von der internationalen Expertengemeinschaft vertreten.

Seit zwei Jahren wird in Presse, Rundfunk und Fernsehen sowie in speziellen populärwissenschaftlichen Medien über "Krater" im Chiemgau berichtet, die angeblich durch einen Kometen- oder Meteoriteneinschlag entstanden sind. Diese Ansicht wird von einer Gruppe vertreten, die sich CIRT (Chiemgau Impact Research Team) nennt. Höhepunkt der bisherigen Berichterstattung bildete eine Fernsehdokumentation des ZDF vom 8. Januar 2006. Demnach zerbrach ein Komet oder Meteorit beim Eintritt in die Atmosphäre in einzelne Fragmente, die beim Aufprall Krater von einigen bis zu hunderten von Metern Durchmesser in einem Umkreis von 30-60 km erzeugt haben sollen. Darüber hinaus wurde die Theorie aufgestellt, dass möglicherweise ein Zusammenhang bestünde zwischen dem Einschlagereignis und der Entwicklung von gehärtetem Stahl zur Waffenherstellung durch die damals dort ansässigen Kelten. Der neue Stahl soll den Römern einen militärischen Vorteil gebracht haben, auf der sich die anschließende Ausdehnung ihres Reiches begründen soll. Für Uwe Reimold, Professor für Mineralogie am Museum für Naturkunde in Berlin, der für eine Gruppe von über 20 international angesehenen Meteoriten-Krater-Experten spricht, fehlt diesen Theorien die entscheidende Voraussetzung: "Die Grundlage dieser Argumentationskette, der Einschlag eines extraterrestrischen Körpers auf der Erde, konnte bislang in keiner Weise durch wissenschaftliche Beweise belegt werden."

Auch von archäologischer Seite gibt es keine Beweise, die ein Einschlags- Katastrophenszenario belegen. Diese Auffassung beruht auf international anerkannten und in 50 Jahren Forschung entwickelten wissenschaftlichen Kriterien, nach denen Kraterstrukturen, die durch Meteoriten- oder Kometeneinschlag auf der Erde erzeugt wurden, eindeutig als solche identifiziert werden können. Typische Kriterien sind bei kleinen Kratern (Durchmesser kleiner als ca. 500 m) Reste des meteoritischen Einschlagskörpers (meist nickelreiches Eisen), aufgeschmolzenes Gestein oder durch den hohen Druck veränderte Mineralien im Gestein. Uwe Reimold dazu: "Keiner dieser Beweise konnte bislang für die vermeintlichen "Krater" im Chiemgau erbracht werden." Im Fall von Kraterfeldern kann die Streuung der einzelnen Krater nur maximal wenige Kilometer betragen. Ein Streufeld von 30-60 km Durchmesser, wie im Chiemgau postuliert, ist höchst unrealistisch. Kometen, die überwiegend aus Eis bestehen und damit eine weit geringere Festigkeit aufweisen als Eisen- oder Steinmeteorite, können die beobachteten kleinen "Krater" schon deshalb nicht erzeugt haben, weil sie aufgrund der geringen Festigkeit und der geringen Größe vollständig zerplatzen oder verdampfen und daher die Erdoberfläche als feste Körper nicht erreichen.

Trotz Mangels an Beweisen und fehlender Dokumentation in wissenschaftlichen Fachzeitschriften ist die "Chiemgau Impakt- Theorie" in den Medien sehr einseitig publik gemacht worden. In einer Erklärung von international führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Impaktforschung wird die Herkunft der Krater durch den Einschlag eines Kometen eindeutig zurückgewiesen.

Quelle: HU Berlin

Kommentare (7)

  • Hans-Peter Matheisl
    Hans-Peter Matheisl
    am 25.11.2006
    Jetzt unsere offizielle Stellungsnahme Teil 1:

    Erwiderung

    Zur Presserklärung des Naturkunde Museums, Berlin

    (Dr. Gesine Steiner)

    vom 21.11.2006
    Das Chiemgau-Impakt Research Team (CIRT) hat die Presse-Erklärung des Naturkunde Museums, Berlin (Dr. Gesine Steiner; Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttp://download.naturkundemuseum-ber...e/Chiemgau.pdf) vom 21.11.2006 mit großem Interesse und sorgfältig gelesen.

    Wir begrüßen diese Veröffentlichung der Meinungen einer Gruppe nationaler und internationaler Wissenschaftler, als deren Sprecher Uwe Reimold, Professor für Mineralogie am Museum für Naturkunde in Berlin, verantwortlich zeichnet. Ist sie doch ein Schritt zur eingehenden Diskussion der durch unsere Forschungen aufgeworfenen Fragen.
    Wir dürfen im akademischen Kreis der Kollegen davon ausgehen, dass vorrangig die zu prüfende Sache und die wissenschaftliche Methodik im Mittelpunkt einer seriösen Auseinandersetzung stehen.
    In diesem Sinne kritisieren wir zuallererst die Nachlässigkeit, eine Presseerklärung mit der fehlerhaften Angabe unserer Webpage herauszugeben: Eine Bewertung der vorgetragenen Statements gegenüber den von CIRT bisher gewonnenen und erörterten Forschungsergebnissen, wie sie auf der autorisierten Webpage Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttp://www.chiemgau-impakt.de (oder Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttp://www.chiengau-impact.com) studiert werden können, wird den Adressaten der Presseerklärung, so sie wissenschaftlich arbeiten möchten, dadurch nicht erleichtert.
    Wir haben in einem Email vom 23.11.2006 an die verantwortliche Pressestelle um Korrektur dieses Fehlers gebeten.
    Formal stellen wir fest, dass in der Presse-Erklärung Abschnitte aus populären Aufbereitungen unserer Forschungen in Presse und Fernsehen mit Teilinformationen von unserer Webpage kombiniert wurden. Weder hat man den aktuellen Forschungsstand, den wir im Internet auf unserer Webpage weltweit jederzeit und auch in Englisch zugänglich und sehr detailliert publizieren, in Gänze einbezogen, noch wurden unsere dortigen Distanzierungen zur Kenntnis genommen, die wir zu falsch und verfälschend in Presse und Fernsehen veröffentlichten populären Darstellungen abgegeben haben.
    Dass man sich in der unterzeichnenden Gruppe von Forschern auf die überzeichnende Darstellung in öffentlichen Medien (Presse, TV) und in der Diskussion einer internationalen Email-Wissenschaftsliste (CCNet) beruft, zeigt, dass diese Verbreitungsorgane von der Gruppe um Prof. Reimold als ernsthafte Lieferanten für wissenschaftlich korrekte Informationen angesehen werden. Wir halten fest, dass nur die von uns autorisierte Darstellung auf der Webpage Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttp://www.chiemgau-impakt.de (http://www.chiemgau-impact.com) Gegenstand einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung sein kann. Im Übrigen verweisen wir auf die seit zwei Jahren vorgelegten und in einschlägigen wissenschaftlichen Organen publizierten Beiträge von anderen an der Forschung beteiligten Gruppen und uns (s. unten angefügte Literaturliste). Angemerkt sei auch, dass wir auf unserer Webpage eine klare wissenschaftliche Methodik mit Bezug auf empirische Forschung, Analytik, Hypothesenbildung und Diskussion der jeweils erhaltenen Ergebnisse vorlegen. Wir haben auch Distanzierungen und Revisionen, wenn sie im Forschungsverlauf nötig geworden sind, publiziert. Eine Einstufung unserer Webpage als „populärwissenschaftlich“ können wir daher nur als Kunstgriff betrachten, Forschung über die Autorität einiger weniger peer-reviewed Publikationsorgane zu definieren. Wie problematisch dies sein kann, konnte man zum Jahreswechsel 2005/2006 sehen, als der Skandal um den südkoreanischen Klon-Forschers Hwang Woo Suk bekannt wurde, der seine gefälschten Ergebnisse in der renommierten peer-reviewed Fachzeitschrift Science hatte publizieren können (dazu z.B. Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttp://news.bbc.co.uk/1/hi/sci/tech/4600402.stm).

    Die direkte Auseinandersetzung mit unseren Forschungsergebnissen, Schritt für Schritt, auf Basis eines Gegenmodells (z.B. einer glaziologischen Deutung sämtlicher von uns problematisierten Befunde in der autorisierten Darstellung auf unserer Webpage) ist bisher von den Unterzeichnern nicht vorgetragen worden und auch nicht als Referenz in der Presse-Erklärung aufzufinden. Statt dessen wird in den Belegstellen eine Quelle zitiert (Langenhorst, F., Deutsch, A. (1996): The Azuara and Rubielos structures, Spain: Twin impact craters or Alpine thrust systems? TEM investigations on deformed quartz disprove shock origin. Lunar and Planetary Science XXVII, 725-726), die weder im deutschen, noch im ausführlicheren englischen Statement angesprochen ist.
    Diese deutlichen formalen Schwächen des Statements lassen vermuten, dass hier nicht die sachliche wissenschaftlich korrekte Auseinandersetzung angestrebt wird, sondern pauschale Meinungen forciert werden sollen. In diesem Sinne verstehen wir auch die von der Gruppe um Prof. Reimold vorgenommene Vermischung von hypothetisch postuliertem Modell und überprüfbaren materialen Ergebnissen, die wir auf unserer Webpage deutlich auseinander halten.
    Es ist bemerkenswert, dass man auf die Forschungsergebnisse der Gruppe um Prof. Th. Fehr (Fehr, K.T., Pohl, J., Mayer, W., Hochleitner, R., Fassbinder, J., Geiss, E., Kerscher, H., 2005: A meteorite impact crater field in eastern Bavaria? A preliminary report. Meteoritics and Planetary Science 40, 187-194) gewissermaßen mit selektivem Blick offen und unterstützend reagiert. Wissenschaftlich korrekt wäre es, hier auch die publizierten Ergebnisse anderer Forscherteams zu nennen und zu berücksichtigen (s. unten stehende Liste), die zu ähnlichen Überlegungen gelangen wie wir in unseren eigenen Arbeiten an einigen der auffälligen kraterähnlichen Strukturen in der Region um Altötting als auch am Tüttensee selbst.
    Wir erkennen an diesem Statement, dass sich die Wissenschaftsgemeinschaft von der Hypothese eines Impacts in historischer Zeit (im heutigen Deutschland) herausgefordert sieht. Wir vermissen, dass bei der dadurch bestätigten Virulenz der Idee niemand der Unterzeichneten bei einer unserer Grabungskampagnen mit dabei war und sich selbst vor Ort informierte. Eine im geologischen Sinne „oberflächliche“ Betrachtung hätte so ohne Mühe durch einen tieferen Einblick vermieden werden können. Wir weisen darauf hin, das einige nationale und internationale Kollegen verschiedener Fachrichtungen unserer Einladung gefolgt sind, sich selbst zusammen mit uns vor Ort einen Eindruck zu verschaffen und Proben zur eigenen Überprüfung aus der Sicht ihres jeweiligen Fachgebiets mitzunehmen. Eine Ferndiagnose, die auf die eigenen Untersuchungen vor Ort verzichtet, kann aus unserer Sicht nicht als wirklich wissenschaftlicher Diskussionsbeitrag gewertet werden.
    Die Frage nach einer möglichen Deutung verschiedener Kratergebilde in der südostbayerischen Region (Altöttinger Region / Tüttensee) ist aus unserer Sicht durch die Presse-Erklärung keineswegs dadurch beantwortet worden, dass man sich kategorisch (Zitat aus dem englischen Statement: „Overwhelming scientific evidence suggests …“) und ohne detailliert Begründung auf eine terrestrische, insbesondere glaziologische Interpretation zurückzieht. Im Sinne des üblichen wissenschaftlichen Vorgehens (Verifikation und Falsifikation) müssen wir von den Kritikern fordern, dass sie die unten vorgetragenen Befunde unter Bezug auf die bekannten und für diese Regionen in Frage kommenden rein geologischen Prozesse im Einzelnen erklären können und damit unsere Vorschläge zur Deutung der materialen Befunde widerlegen.

    Deshalb erlauben wir uns zum Einstieg in die eigentliche wissenschaftliche Diskussion, abseits von Presse-Statements, folgende Fragen zu stellen, mit der Bitte sie ohne Rückgriff auf unsere Impakthypothese, detailliert und vollständig mit Angabe von Belegen zu beantworten:
    Wir bitten um Erklärung:
    Befund: In ca. 20 Schürfen um den Tüttensee herum finden wir eine Situation in folgender geologischer Lagerung:

    1. In (je nach topographischer Situation) 1 - 2 m Tiefe ein ungestörtes pleistozänes oder holozänes Gestein, das entweder einen reinen Seeton des früher deutlich größeren Chiemsees oder wohlbekannte verlehmte Schotter mit gutgerundeten Geröllen alpiner Lithologie darstellt.
    2. Darüber einen dezimeter-mächtigen Horizont, der einen fossilen Boden über Seeton bzw. verlehmten Schottern darstellt. In diesem Bodenhorizont findet sich hervorragend erhaltenes organisches Material in Form von Holzresten, frischen Schilfhalmen und Haarbüscheln von Tier oder/und Mensch. Eingedrückt in diesen fossilen Horizont finden sich stark zertrümmerte, aber dennoch kohärente Klasten aus Quarzit, Kalksteinen, Dolosteinen und Kristallingesteinen.
    3. Über diesem fossilen Bodenhorizont folgt eine bis zu einem Meter mächtige polymikte Breccie, die in Teilen dieselbe Fazies hat wie die Bunte Breccie im Nördlinger Ries-Krater. Die Bunte Breccie am Tüttensee enthält bunte, scharfkantig gebrochene Gesteinsfragmente eines kompletten Korngrößenspektrums aus der gesamten alpinen Lithologie. Die Bunte Breccie enthält organisches Material in Form von fragmentiertem Holz, reichlich Holzkohle, Knochen und Knochenfragmenten und gut erhaltenen Zähnen. Die Bunte Breccie vom Tüttensee enthält brecciierte Klasten mit Vergriesungserscheinungen und Mörteltextur, mit der Besonderheit, daß die Klasten trotz stärkster Zertrümmerung kohärent in der tonigen Matrix angetroffen werden. Klasten jeglicher Lithologie (also auch silikatische Gesteine wie Sandsteine oder Amphibolite) in der Tüttensee-Breccie zeigen eine extrem tiefgreifende Korrosion bis hin zu residualen Gesteinsskeletten. Eine Gesteinslösung als Folge saurer Böden - wie vom Bayerischen Geologischen Landesamt vorgeschlagen - sieht sich konfrontiert mit dem Umstand, daß diese Gesteinskelette durchgehend Bestandteil eines Gesteins (nämlich der Bunten Breccie) sind und nicht im Boden, weder fossil noch rezent, liegen.
    4. Die Tüttensee-Bunte Breccie wird überlagert entweder von einer frischen, vermutlich holozänen Kieslage mit unversehrten Geröllen sowie mit rezentem Bodenhorizont oder unmittelbar vom rezenten Boden.

    Von uns vorgeschlagene Deutung:
    Diese Schichtfolge lässt sich zwanglos (!) mit den bekannten Prozessen bei einem Impakt (Melosh, H.J. 1989. Impact cratering. A geologic process. Oxford Univ. Press, Oxford, 245 pp.) erklären. Zur Zeit des Impaktes vor ca. 2500 Jahren besteht das Target aus dem Seeton des Chiemsees und lehmigen pleistozänen oder/und holozönen verlehmten Kiesbänken mit einem (nunmehr fossilen) Boden mit organischem Material (Holz, Schilf, Haarbüschel vielleicht aus einem Vogelnest). Bei der Exkavation des beim Impakt sich bildenden Tüttensee-Kraters werden Ejekta ausgeschleudert, die den Ringwall des Tüttensees formen und die eine Decke aus zertrümmertem Auswurfmaterial über dem damaligen Bodenhorizont ausbreiten und, da der Vorgang rapide, katastrophenartig erfolgt, das organische Material unter Sauerstoffabschluß plombieren und bis heute in dem hervorragenden Zustand erhalten haben. Jüngere Überflungen haben die Ejekta mit Kieslagen unversehrter Gerölle überdeckt; andernfalls hat sich der rezente Boden unmittelbar über der Bunten Breccie gebildet.
    Wir fragen die Unterzeichner der Presseerklärung, die einen Chiemgau-Impakt in Abrede stellen, am Beispiel des Tüttensee-Kraters:

    1. Wie erklären Sie die Bildung des post-eiszeitlichen Gesteinshorizontes der Bunten Breccie, der nach C14-Datierungen (CEDAD Università de Lecce 2006) auf jeden Fall jünger als 2500 v. Chr. ist?
    2. Wie erklären Sie die vollkommen zertrümmerten Klasten kompetenter alpiner Gesteine, die aber innerhalb der Breccie und hineingedrückt in den fossilen Boden absolute Kohärenz zeigen? Eine Bildung von Vergriesung und Mörteltextur in Dolomiten und Quarziten verlangt, dass die Druckfestigkeit von größenordnungsmäßig 1 - 3 kbar überschritten wurde, was hydrostatisch grob 3 - 9 km Gesteinsüberlagerung (bzw. grob 7 - 20 km Eisüberlagerung) verlangt - letztere Zahlen für den Fall, dass mit pleistozäner Eisüberlagerung argumentiert wird.
    3. Wenn Sie dennoch die Zertrümmerungen auf eine tektonische Beanspruchung in den Alpen zurückführen wollen - auch durch vielleicht geringere Drücke, erklären Sie die physikalischen Prozesse, die es erlaubt haben, daß die zertrümmerten aber kohärenten Klasten einen Transport in dieser Form aus den Alpen überlebt hätten. Falls mit Frostsprengung (angenommen auch in 1 - 2 m Tiefe!) der Klasten innerhalb der Bunten Breccie argumentiert werden sollte, erklären Sie bitte, wie es möglich ist, dass große Mengen scharfkantiger Gesteinsfragmente isoliert in der tonigen Matrix angetroffen werden, aber die bei der vorgeblichen Frostsprengung abgetrennten Nachbarstücke gar nicht existieren.
    4. Wir würden für die Bildung dieser ausgedehnten Breccienlage einen gigantischen Bergsturz diskutieren - aber wo ist das Relief dafür, wo ist die Quelle für das abgelagerte breccierte Gestein? Bei Schürfen in weiterer Entfernung vom Tüttensee verschwindet der Horizont der Bunten Breccie.
    5. Wie erklären Sie die absolut frische Erhaltung von Schilf und Haarbüscheln in einem fossilen Bodenhorizont in 1 - 2 m Tiefe?
    6. Wie erklären Sie die tiefgreifende Gesteinslösung und -korrosion bis hin zu Skelettbildungen selbst in silikatischen Gesteinen innerhalb der Bunten Breccie?
    7. Sind Sie der Meinung, daß dieser Befund mit einem sauren Boden erklärt werden kann und wenn ja: Können Sie die Prozesse erläutern, die dabei abgelaufen sind?
    8. Wo gibt es im Alpenvorland oder sonst auf der Welt eine vergleichbare Lagerung mit vergleichbaren Deformationen und anderen Gesteinsveränderungen, und wie wird gegebenenfalls sie dort erklärt?
    9. Wie begründen Sie Ihre Ablehnung der auf Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.chiemgau-impact.com bzw. Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.chiemgau-impakt.de vorgestellten Schockeffekte in Gesteinen aus Tüttensee-Ringwall und der Schicht der Ejekta (Bunte Breccie) um den Tüttensee herum? Wie kommen Sie in die Lage, ohne Mikroskope (optisch oder EM) zu beurteilen, dass diese von uns vorgestellten Schockeffekte, insbesondere auch die in Quarz mit bis zu fünf Scharen PDFs in einem einzigen Korn, keine Schockeffekte darstellen?
    10. Wird die Ablehnung der PDFs mit den im Einzelfall leicht gekrümmten Lamellen (die man auf einer unserer Abbildungen sieht) begründet?Gebogene Lamellen wurden u.a. von Koeberl und Reimold in Publikationen (z.B. Reimold, W.U. & Koeberl, C. (2000): Critical Comment on: A.J. Mory et al. 'Woodleigh, Carnavon Basin, Western Australia: A New 120 km Diameter Impact Structure', EPSL v. 184, pp. 353-357) als nicht schocktypisch beurteilt. Wenn das der Fall ist: Wie stehen Sie zu der Publikation von Trepmann & Spray (LPSC XXXV, 2004), in der deutlich gebogene PDFs in Quarz auf plastische Verformungen des Kristalls zurückgeführt werden?

    In Erwartung einer spannenden, sachlichen Diskussion auf hohem wissenschaftlichen Niveau verbleiben wir mit freundlichen Grüßen an unsere Kollegen
  • Oliver
    Oliver
    am 30.11.2006
    Auch wenn ich keine Ahnung von Geologie habe würde mich mal interessieren was das Naturkunde Museums Berlin, jetzt dazu sagt. Hat man denn Reste des Einschlagkörpers gefunden? Meteorieten Material ist einfach nachzuweisen durch seine Widman oder Neumann Strukturen im Material.
    Bin mal gespannt wie es weiter geht!

    Gruß
    Oli

  • Hans-Peter Matheisl
    Hans-Peter Matheisl
    am 01.06.2007
    Ihr Kommentar :biggrin: Hierzu die Stellungsnahme des Chiemgau Impakt Research Teams: http://www.chiemgau-impakt.de/artikel4.html

    In Kurzform, diese Mitteilung der HU Berlin (Hr. Reimold) beruht auf keinerlei wissenschaftlicher Basis - noch hat einer der Kritiker sich jemals mit dem CIRT zusammen die Fakten vor Ort angeschaut. Arme Wissenschaft - wenn so ein bla bla von den Leuten dann auch noch ernst genommen wird.

  • K. Walter Haug
    K. Walter Haug
    am 04.06.2007
    :biggrin:
    Sehr geehrter Herr Matheisl,
    "pseudowissenschaftlich" ist der Hexenhammer der Moderne. Alles was nicht ins Weltbild der verkrusteten Wissenschaften passt wird damit diffamiert, statt die eigene Denkfeigheit in Frage zu stellen.
    Mir geht es schon seit 17 Jahren so. 1990 entdeckten wir hier östlich von Karlsruhe rieisge Bauwerke, die man nur mit den megalithischen Cairns West- und Nordeuropas vergleichen kann und dieselben Megalithgänge besitzen. Sogar bei Würzburg auf dem Marsberg wurden wir fündig. Da die stufenpyraiden-artigen Bauten in Steinbrüchen hoch oben auf den Berghängen stehen, tut die Orthodoxie sie einfach als Abraumhalden ab, obwohl jeder Sachverständige bisher die trocken gemauerten zwiebelschalenförmig aufeinander folgenden Strebemauern identifizieren konnte. Cerveteri ist eine eruskische Nekropole, die genauso in einem 1,2 km langen Steinbruch errichtet wurde. Unsere Nekropolen sind z. T. noch ausgedehnter, unsere Monumente erreichen Längen von 440 und 500 m, die Quader der Bauwerke sind größer als die der Cheopspyramide!!!
    Tja, Deutschland, Wissenschaftsstandort... Deine Unbeweglichkeit hast du den Risikoscheuen und Denkfaulen zu verdanken.
    Wenn Sie sich informieren wollen, auf cronologo.net finden Sie zwei Artikel zum Thema. Der englischsprachige bietet ca. 70 Bilder.
    Mit herzlichen Grüßen und allerbesten Wünschen für Ihre weiteren Forschungen
    Ihr
    K. Walter Haug
  • Hans-Peter Matheisl
    Hans-Peter Matheisl
    am 28.06.2007
    Hallo Hr. Haug - sehr interessante Seite cronologo.net - das hier eine Ablehnung des BLfD's besteht kann ich mir gut vorstellen - lieber erst mal ablehnen passt ja nicht ins Bild - statt mal umzudenken und sich das ganz einfach mal anzuschauen :-(.

  • Hans-Peter Matheisl
    Hans-Peter Matheisl
    am 28.06.2007
    Hallo Hr. Haug - sehr interessante Seite cronologo.net - das hier eine Ablehnung des BLfD's besteht kann ich mir gut vorstellen - lieber erst mal ablehnen passt ja nicht ins Bild - statt mal umzudenken und sich das ganz einfach mal anzuschauen :-(.

  • Hans-Peter Matheisl
    Hans-Peter Matheisl
    am 28.06.2007
    Die Erforschung des Chiemgau-Impaktes (chiemgau-impakt.de) ist um einen bemerkenswerten Fund und Befund reicher. Er wurde im Rahmen einer neuen Grabungskampagne gemacht, die der weiteren wissenschaftlichen Aufnahme der geologischen Verhältnisse (durch Prof. Dr. Kord Ernstson, Geologe, Geophysiker und Impaktspezialist), rund um den Tüttensee dient, der bisher gemäß der geologischen Lehrmeinung als eiszeitliches Toteisloch angesehen, im Rahmen des Chiemgau-Impaktes aber mittlerweile als ein Meteoriteneinschlagkrater verstanden wird (chiemgau-impakt.de/artikel2d.pdf). In Schurf Nr. 35 wurde durch Till Ernstson, experimenteller Archäologe und steinzeit-erfahren, ein Quarzitgeröll geborgen und als durch den Menschen bearbeitetes Artefakt erkannt (siehe die Abbildungen). Besondere Kennzeichen sind ein tiefreichender gepickter Trichter, der in eine Bohrung übergeht. Die im Gestein endende Bohrung zeigt durch eine leichte Erhebung am Boden, dass mit einem Hohlbohrer aus vermutlich Hirschgeweih, Holunderholz oder Röhrenknochen gearbeitet wurde.

    Sehr ungewöhnlich ist die Härte des verwendeten Quarzitmaterials, und ein Vergleichsobjekt ist aus Deutschland offenbar nicht bekannt. Selbst aus der norddeutschen Megalithkultur sind keine durchbohrten Äxte aus Silex überliefert, der dieselbe Härte wie der Quarzit besitzt. Wegen der Form des verwendeten Gerölls und des exzentrischen Ansatzpunktes der Bohrung ist zu vermuten, dass aus dem Rohling ein Prunkbeil werden sollte, das gemäß einer Erörterung mit Jürgen Weiner M.A. (Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege) in das Mittel- bis Endneolithikum (ca. 3000 bis 2000 v.Chr), möglicherweise aber auch in die Bronzezeit zu stellen ist.

    Bemerkenswert im Zusammenhang mit dem Chiemgau-Impakt ist, dass der Beilrohling nicht in einem archäologisch ansprechbaren Horizont angetroffen wurde sondern in 1 m Tiefe aus der polymikten Trümmerbrekzie geborgen wurde, die rund um den Tüttensee in mehr als 30 Schürfen zutage getreten ist und die wegen dieser Konstellation als Auswurfmassen des Tüttensee-Impaktes gedeutet wird (chiemgau-impakt.de/artikel2d.pdf).

    Mit der Artefakt-Datierung auf mehrere tausend Jahre nach der Eiszeit ist klar, dass alle Versuche, die ungewöhnliche Brekzie mit geologischen Prozessen der Eiszeit in Verbindung zu bringen, keine Basis haben. Stattdessen ist mit dem Fund des Artefaktes belegt, dass noch in der allerjüngsten geologischen Vergangenheit im Bereich des Tüttensees ein ungemein zerstörerisches geologisches Ereignis stattgefunden haben muss, für das in Ermangelung vernünftiger Alternativen nur der Impakt mit der Formung des Tüttensee-Kraters in Frage kommt. [Der Artikel zum Fund: www.bandkeramik.eu/artefakt.html]


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