Goldschmuck von Hiddensee zu Gast in Berlin

Nur für kurze Zeit bis zum 18.3.2012 ist der wikingerzeitliche Goldschmuck von Hiddensee im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel im Original zu sehen.

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Goldenes Schmuckensemble aus der Wikingerzeit von der Insel Hiddensee (© Kulturhistorisches Museum der Hansestadt Stralsund)
Goldenes Schmuckensemble aus der Wikingerzeit von der Insel Hiddensee (© Kulturhistorisches Museum der Hansestadt Stralsund)

 Er zählt zu den schönsten und gleichzeitig geheimnisvollsten archäologischen Funden in Deutschland und wurde im 19. Jahrhundert auf der kleinen Ostseeinsel zufällig entdeckt. Seither befinden sich die sechzehn Schmuckteile aus der Wikingerzeit in der Obhut des Kulturhistorischen Museums der Hansestadt Stralsund.

Für die Besucherinnen und Besucher des Neuen Museums bietet sich seit gestern nun die seltene Gelegenheit, das außergewöhnliche Ensemble zu besichtigen. Es ist der Vorbote für eine umfangreiche Wikingerausstellung, die vom Nationalmuseum Kopenhagen, dem Britischen Museum London und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin geplant und 2013/2014 in Kopenhagen, London und Berlin präsentiert werden wird.

Am 22. März 1873 wurde der Hiddenseer Goldschmuck öffentlich bekanntgemacht. In einer kurzen Notiz berichtete die Stralsundische Zeitung über den schier unglaublichen Umstand, dass nach der verheerenden Sturmflut im November des Vorjahres in einem Garten auf Hiddensee ein "glänzendes Stück Metall" gelegen habe, das sich als Gold herausstellte. Und das exotische Fundstück blieb nicht allein: Bis zum Jahr 1874 kamen insgesamt 16 Einzelteile zu Tage, darunter eine Fibel, ein Halsring und 14 Anhänger. Alle Schmuckstücke bestehen aus reinem Gold und haben ein Gesamtgewicht von zusammen etwa 600g.

Die Fundumstände blieben mysteriös und ließen sich bis heute nicht abschließend aufklären. Offenbar waren die Schmuckteile vergraben gewesen, bis die Fluten das Erdreich weggespült und sie freigelegt hatten. Ältere Forschungen sowie aktuelle neue Untersuchungen haben bestätigt, dass der Schmuck um das Jahr 1000 in Südskandinavien angefertigt worden ist. Die aufwändige Goldschmiedetechnik, die inhaltsreiche Symbolik und das wertvolle Material unterstreichen seine damalige große Bedeutung.

Ursprünglich gehörte der Schmuck wohl der Familie des dänischen Königs Harald Gormsson. Harald, bekannt unter seinem Beinamen "Blauzahn", wurde um das Jahr 965 getauft und starb gegen 985. In seiner Regierungszeit schuf er ein beeindruckendes Denkmal: den Bildstein von Jelling in Jütland. Dort rühmt er sich in der Runeninschrift, dass er das Reich geeint und die Dänen zu Christen gemacht habe. Der Hiddenseer Goldschmuck ist somit ein einzigartiges Zeugnis für die herrschaftliche Repräsentation in einer Zeit des politischen und religiösen Umbruchs der nordischen Länder zwischen alten heidnischen Traditionen und neuen christlichen Glaubensvorstellungen. In den vergangenen Jahren war der Schmuck erneut Gegenstand eines umfangreichen wissenschaftlichen Forschungsvorhabens.
 

Kommentare (2)

  • Walter Fasse
    Walter Fasse
    am 07.03.2012
    Es ist ein herrliches Geschmeide und ein weiteres Zeugnis wikingischer Hochkultur.Sollte man im Rahmen einer Wikingerwanderausstellung auch ruhig mehr Leuten zugute kommen lassen.Würde mich und viele Andere die ich kenne,freuen.
  • Low key
    Low key
    am 23.09.2012
    Die auf dem Foto zur Mitte zeigenden Enden der Anhänger, deuten meiner Meinung nach Mjölnir (Thors Hammer) an.
    Das würde auch zu dem vermuteten ehemaligen Besitzer, bzw. der Entstehungszeit, passen. Somit wären die Anhänger eine Mischung alter und neuer Glaubensinhalte: Kreuz(e) und Hammer.

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