Finderglück in Haltern

Antiker Fund sorgt bei Ferienaktion im LWL-Römermuseum für Begeisterung

Die so genannten Krähenfüße, von den Römern tribuli genannt, wurden zu Tausenden vor den Lagern ausgelegt. Ein solches Zeugnis römischer Verteidigungskunst ist jetzt bei einer Ferienaktion des Römermuseums des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) zu Tage gekommen.

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Harmlos mutet der "Krähenfuß" auf der Hand der Finder an - in antiker Zeit blieben sie den Angreifern dort jedoch schmerzhaft in Erinnerung. (Foto: LWL/T. Runkel)
Harmlos mutet der "Krähenfuß" auf der Hand der Finder an - in antiker Zeit blieben sie den Angreifern dort jedoch schmerzhaft in Erinnerung. (Foto: LWL/T. Runkel)

Spitz sind die tribuli und für Angreifer in antiker Zeit alles andere als ein Vergnügen. Wer im Sturm das Hauptlager der Römer in Haltern erobern wollte, wurde oft schon beim bloßen Versuch unsanft gebremst: Drei Kinder aus dem Sauerland, die als "Grabungshelfer" Schulter an Schulter mit den Archäologen arbeiteten, zeigten dabei echtes Forschertalent - und entdeckten gleichzeitig den ersten militärischen Fund der jetzigen Grabung für den künftigen Römerpark.

Der mit vier Spitzen versehene Krähenfuß kam aus der Erde, die gerade von den Grabungshelfern Karl (9) und Magnus Wallmann (8) sowie Luis Schäfer (8) eifrig nach Funden durchsiebt wurde. Die Erde wird den Kindern von Archäologen zur Verfügung gestellt, um sie nach einer Einweisung durch Museumspädagogen zu untersuchen. Was die beteiligten Fachleute wie Eva Strothenke als Archäologin und museumspädagogische Mitarbeiterin des Römermuseums sowie Artjom Ivanov, der als Historiker ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege im Museum absolviert, in sprachloses Staunen versetzte: Einer der drei jungen Finder wusste sofort, was er vor sich hatte. "Das ist doch ein Krähenfuß", identifizierte der neunjährige Karl sicherer als mancher Archäologie-Student das Fundstück aus mittlerweile korrodiertem Eisen. Der talentierte Nachwuchs-Archäologe weiß längst, dass diese Fußangeln von den Römern gezielt ausgeworfen wurden, damit ihre Spitzen Angreifer und auch ihre Pferde unsanft behinderten. Das Besondere an dieser Defensivwaffe: Eine der Spitzen bleibt nach ihrer Landung auf dem Boden stets nach oben ausgerichtet, so dass Angreifer kaum eine Chance haben. Wer hier hineintrat, konnte sich schwere Verletzungen zuziehen.

Die drei Finder waren natürlich richtig Stolz auf ihr Finderglück und ihre zielsichere Analyse. Die Vitrinen des LWL-Römermuseums Haltern sind jetzt um einen Fund reicher. Wer ebenfalls fleißiger Grabungshelfer sein will und bei der Sommerferien-Aktion erleben möchte, wie Archäologen arbeiten: Das Motto "Grabungshelfer gesucht!" gilt insbesondere für das Ende der Ferien, hier gibt es noch freie Plätze. Ansonsten ist die Ferienaktion voll und ganz eingeschlagen: Gut besucht waren bislang die Angebote für Kinder und Jugendliche.

Die Brüder Karl und Magnus Wallmann präsentieren stolz den ungewöhnlichen Fund. (Foto: LWL/T. Runkel)
Die Brüder Karl und Magnus Wallmann präsentieren stolz den ungewöhnlichen Fund. (Foto: LWL/T. Runkel)

Kommentare (2)

  • Erhard
    Erhard
    am 04.08.2013
    Hallo, obwohl die Benutzung von Metalldetektoren bei den Archäologen verpöhnt ist, hätte -bereits im Vorfeld- eine Begehung mit einer Sonde die Krähenfüße sofort zu Tage gebracht.
    Ich kenne diese Teile von den Schlachtfeldern um Verdun, als Weiterentwicklung sogar mit 4x3 gespreizten Stacheln.
    KEIN SONDENEINSATZ DORT !
    MfG.
  • James
    James
    am 04.09.2013
    Ich finde es immer sehr bedauerlich, wenn solche Fehlinformationen zum Thema Metalldetektor/Metallsonde gestreut werden.
    Die Prospektion mit Metallsonde wird bereits in der Archäologie erfolgreich eingesetzt.
    Wenn aber ein Planum angelegt und die Schichtenfolge dokumentiert wird, ist es nicht zielführend sinnlos Löcher in die Forschungsfläche zu graben. Dadurch wird der Befund und der Fundzusammenhang irrreperabel für die Forschung zerstört.
    Auf Schlachtfeldern entsteht dieser Schaden auch, wenn durch Sondengänger keine Zusammenarbeit mit Archäologen bzw. den Landesämtern besteht, die Funde n i c h t mit GPS eingemessen und aus dem Zusammenhang gerissen werden.

    Was aber zu beachten ist:
    Den Aushub, der gesiebt wurde, sollte man auf jeden Fall mit der Metallsonde überprüfen. Es gibt Kleinteile, die auch beim Sieben durchfallen...

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