Die Rückkehr der Gipsabgüsse

Odysseus, der Vater aller Irrfahrten, hatte es nach zehn Jahren geschafft, nach Hause zu finden. Antike Statuen bzw. deren Abgüsse aus Gips brauchen mitunter länger. So wie die der Antikensammlung der Universität Jena.

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284 Gipsabgüsse antiker Plastiken kehren aus Berlin zurück an die Universität Jena. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)
284 Gipsabgüsse antiker Plastiken kehren aus Berlin zurück an die Universität Jena. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

Die 284 Objekte – vor allem Reliefs und Köpfe – sind jetzt nach fast 50-jähriger Odyssee zu den Jenaer Archäologen zurückgekehrt. „Wir sind sehr froh darüber, dass es nach so langer Zeit endlich geklappt hat, die Stücke zunächst als Dauerleihgabe zurück zu bekommen“, sagt Prof. Dr. Angelika Geyer, Professorin für Klassische Archäologie an der Universität Jena. „Schon seit einigen Jahren standen wir mit den Berliner Kollegen in Verhandlungen.“ Denn aus den Staatlichen Museen der Hauptstadt kommen die Kunstwerke jetzt. Dort waren sie seit 1983 eingelagert.

Der Transport kostet rund 12.000 Euro und dauert ungefähr eine Woche. Die historische Bedeutung der Sammlung sei den Aufwand aber auf jeden Fall wert, sagt Dr. Dennis Graen, Kustos der Antikensammlungen, zur Umzugsaktion. Die neuen alten Stücke sollen in den neuen Sammlungsräumen in Jena aufgestellt werden. „Wir müssen sie nach und nach wieder restaurieren, denn die lange Zeit im Magazin hat ihre Spuren hinterlassen“, sagt der Jenaer Archäologe.

Jena hatte von 1846 bis 1962 ein archäologisches Museum, das zuletzt im Universitätshauptgebäude unterbracht war. Nach der Schließung aus Platzgründen gelangten die Gipsabgüsse als Dauerleihgabe ins Schlossmuseum Sondershausen, wo es zwanzig Jahre später ebenfalls zu eng wurde. Die Magazine in Berlin galten anschließend als beste Lösung. Seit Mitte der 1990er Jahre bemühten sich die Jenaer Archäologen, ihre Schätze aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und nach Thüringen zurückzuholen, um sie dort wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen sowie für Lehre und Forschung einsetzen zu können. So wurden etwa 1996 erste Plastiken wieder im Universitätshauptgebäude aufgestellt. Besonders präsent sind die weißen Abgüsse antiker Statuen im Hörsaalgebäude am Campus in der Carl-Zeiß-Straße 3, wo sie inzwischen mit der modernen Architektur eine kontrastreiche Einheit bilden.

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