Die 1000 Tode des Eismannes

In einem Vortragsaband des neu gegründeten Instituts für Mumien und den Iceman der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) hat ein interdisziplinäres Forscherteam am 27.8. eine neue Theorie zur Todesursache des Mannes aus dem Eis präsentiert.

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Bei -6°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 98% ruht Ötzi in einer eigens für ihn entwickelten Kühlzelle im Südtiroler Archäologiemuseum.

Mit dem Gesicht nach unten und einem unnatürlich über die Brust gedrehten Arm wurde Ötzi 1991 im Eis entdeckt. Seither rätseln Forscher, Museumsbesucher und Interessenten aus aller Welt über die Ursachen dieser seltsamen Körperhaltung und den Tod des Mannes aus dem Eis. Ein interdisziplinäres Forscherteam aus dem Wiener Archäologen Andreas Lippert, den Bozner Radiologen Paul Gostner und Patrizia Pernter sowie dem Gerichtsmediziner und Konservierungsbeaufragten Eduard Egarter Vigl hat sich die Fundposition der Gletschermumie noch einmal gemeinsam angesehen.

Bei einem Diskussionsabend des neu gegründeten EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman präsentierten sie am Montag, den 27. August die Ergebnisse ihrer Studie, die Rückschlüsse auf die Todesursache Ötzis zulassen: Der Mann aus dem Eis hatte, so erklären die Wissenschaftler, neben seiner bereits bekannten Verletzung an der Hand und der Pfeilwunde an der Schulter ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Dieses rühre eindeutig von einem frontalen Angriff her. Sicher war bisher, dass Ötzi zunächst von einem Pfeil an der Schulter getroffen wurde. Eine starke Blutung machte ihn wehrlos, sie war aber nicht gleich tödlich. Erst ein frontaler Angriff mit einem Schlag auf den Kopf ließ Ötzi mit dem Rücken nach unten auf einen Stein fallen und ihn dort an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas sterben. Die unnatürliche Körperhaltung rühre daher, dass sein Angreifer ihn noch vor der Leichenstarre auf den Rücken drehte und den Pfeil aus der Schuler zog.

In dieser Position, quer über seinem linken Arm auf dem Bauch liegend, wird Ötzi 5300 Jahre später gefunden. Die Ergebnisse des Forscherteams gründen sich neben der nochmaligen gemeinsamen Untersuchung der Fundposition auf computertomografische Befunde aus dem Jahr 2005 und auf neue forensische Daten. Die neuen Erkenntnisse widerlegen vorangegangene Theorien, die annahmen, Ötzi hätte die unnatürliche Haltung im Schlaf eingenommen, die Leiche sei durch die Gletscherbewegung gedreht worden oder aber sie sei aufgetaut und über das Schmelzwasser an eine andere Stelle getrieben worden. Die an der EURAC präsentierten Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der archäologischen Fachzeitschrift GERMANIA (85/2007) veröffentlicht.

Kommentare (5)

  • Björn Kronisch
    Björn Kronisch
    am 01.09.2007
    Das ist eine sehr interessante neue These. Mir leuchtet allerdings nicht ein, warum jemand Ötzi bis an diese entlegene, gefährliche Stelle gefolgt sein sollte, um ihn dort zu töten. Es sind ja beträchtliche Strapazen mit dieser Strecke verbunden.
  • Anne
    Anne
    am 02.09.2007
    Vielleicht mit dem Ziel, ihn definitiv zu töten? ;)
  • Herbert Scherleithner
    Herbert Scherleithner
    am 03.09.2007
    Es muß wohl eher heissen: ".... sein Angreifer Ihn auf den Bauch drehte...." da er ja sonst wohl kaum den Pfeil aus dem Schulterblat ziehen konnte und Ötzi dann nicht auf dem Bauch liegend gefunden worden wäre! :neutral:
  • Hans Fichtner
    Hans Fichtner
    am 13.09.2007
    Aufgrund der existenten, tödlichen Verletzungen muß ja wohl ein Angreifer in unmittelbarer Nähe gewesen sein! :rolleyes:
  • Spion
    Spion
    am 14.10.2007
    Es ist nicht erklärlich , warum die Zeugenaussagen über den Fund des Ötzis sich widersprechen. Laut offizieller Version war Ötzi nie in Mainz. Laut Uni Mainz ist er aber dort gewesen. Was will man damit verbergen ? Es wäre Zeit die wahre Geschichte über den Fund des Ötzis zu veröffentlichen. Ich möchte alle denkenden Menschen aufrufen sich daran zu beteiligen Widersprüche aufzusuchen !!

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