DFG fördert abschließendes Jahr der Erforschung der bronzezeitlichen Siedlung bei Seddin

Archäologisches Großprojekt in Brandenburg: Im letzten Förderjahr der DFG steht die wissenschaftliche Auswertung der bronzezeitlichen Siedlung bei Seddin im Mittelpunkt – mit neuen Erkenntnissen zur Besiedlungsgeschichte.

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Seddin: Drohnenaufnahme der Grabungsflächen
Drohnenaufnahme der Grabungsflächen. Das "Königsgrab" liegt im Wäldchen im Hintergrund, etwa 1km entfernt. Das Bild verdeutlicht die immense Siedlungsausdehnung. Foto: Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Förderung für das letzte Jahr des Kooperationsprojekts »Siedlungsumfeld Seddin (SiSe-1) – Die Siedlung des ‚König Hinz’?« bewilligt. Seit April 2026 werden die Arbeiten unter der Leitung von Prof. Dr. Franz Schopper (Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, BLDAM) und Dr. Immo Heske (Georg-August-Universität Göttingen) fortgesetzt. Im Mittelpunkt stehen die wissenschaftliche Auswertung der bereits geborgenen Funde und Proben sowie ergänzende geophysikalische und naturwissenschaftliche Untersuchungen. Ziel ist es, die Ausdehnung, Bestandsdauer und Entwicklung der bronzezeitlichen Siedlung bei Seddin präziser zu bestimmen.

Ergebnisse der ersten drei Projektjahre

Die bisherigen Arbeiten haben nach Angaben der Projektleitung die Erwartungen sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich übertroffen. Besonders bemerkenswert sind der Umfang der Geländearbeiten und die Dokumentation außergewöhnlicher Befunde, darunter das bisher größte nachgewiesene Gebäude der Siedlung, »Haus 1«. Die Ergebnisse unterstreichen die herausragende Bedeutung des Fundkomplexes für die bronzezeitliche Forschung in Brandenburg und darüber hinaus.

Schwerpunkte des letzten Projektjahres

Im nun bewilligten Abschlussjahr stehen keine weiteren großflächigen Ausgrabungen im Fokus. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf der wissenschaftlichen Auswertung und Absicherung der bereits gewonnenen Daten. Geplant sind:

  • Naturwissenschaftliche Untersuchungen zur Bestandsdauer der Siedlung, zur landwirtschaftlichen Nutzung sowie zur räumlichen Ausdehnung des Siedlungsareals.
  • Die Auswertung vorhandener Proben, darunter 14C-Proben, Phosphatproben und botanische Makroreste.
  • Geophysikalische Prospektionen, um die westliche Begrenzung der Siedlung genauer zu bestimmen.
  • Eine einwöchige Kampagne mit Bohr- und Schachtsondagen, finanziert aus Eigenmitteln, dient der Überprüfung geomagnetischer Ergebnisse und zugleich der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage nach dem Beginn der Besiedlung, die möglicherweise bereits im 12. Jahrhundert v. Chr. einsetzte. Mithilfe weiterer 14C-Datierungen sollen die einzelnen Siedlungsphasen präziser chronologisch differenziert werden.

Personelle Unterstützung und Ausblick

Für das Projekt konnte zusätzlich eine Stelle zur Aufarbeitung der Grabungskampagne 2025 eingeworben werden. Studentische Hilfskräfte unterstützen die Arbeiten und tragen zur kontinuierlichen Bearbeitung des umfangreichen Fundmaterials bei. Aufgrund der großflächigen Siedlungsstrukturen und weiterer archäologisch relevanter Befunde in der Mikroregion um Seddin besteht auch über das Projektende hinaus erheblicher Forschungsbedarf.