Der Kampf um Troja in der deutschen Kultur

 

Der Vorreiter aller Gelehrten, die das Epos vom Krieg zwischen Griechen und Trojanern ins Deutsche übertragen haben, war Johann Baptista Rexius (um 1563-1598), dessen "Ilias Homeri" aus dem Jahr 1584 stammt. Dr. Antje Willing vom Institut für Germanistik der Universität Erlangen-Nürnberg arbeitet daran, diese wahrscheinlich früheste deutsche Prosaübertragung in einer kritischen und kommentierten Ausgabe vollständig zugänglich zu machen.

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Die "Ilias Homeri" des Johann Baptista Rexius steht am Anfang einer langen Reihe deutscher Homerübertragungen. Insbesondere für die deutsche literarische Klassik war Homers Werk von Bedeutung. Die Übersetzung des Johannes Voß von 1793, die streng das Versmaß der klassischen Hexameter nachahmt, ist bis heute unveränderter Bestandteil des deutschen literarischen Bildungskanons; doch wird bis in die neueste Zeit auch immer wieder versucht, Homers Verse in moderner deutscher Sprache zugänglich zu machen.

Der Germanist Richard Newald entdeckte die Iliasverdeutschung des Rexius unter den Handschriften der Stiftsbibliothek des Klosters St. Florian bei Linz und veröffentlichte zusammen mit einer Untersuchung 1929 einen Teil dieses Werks. Ein handschriftlich überliefertes Inventar der Bücher des Rexius veranlasste Newald 1952 zu dem Schluss, in der Handschrift aus St. Florian liege das Autograph vor. Entgegen diesem Urteil hat Dr. Willing eindeutige Charakteristika einer Abschrift ausgemacht. Das bedeutet, dass der Text von Rexius nicht - wie Newald meinte - als private Übungsarbeit, sondern durchaus als zur Verbreitung gedachte literarische Übersetzung angefertigt worden ist.

Als einzigen Text, den Rexius als Vorlage für seine Übersetzung verwendet hat, konnte Newald - wohl zu Recht - die lateinische Prosaübertragung der "Ilias" durch Lorenzo Valla und Raphael Maffei von Volterra bestimmt. Newalds Urteil zum literarischen Stellenwert der Iliasverdeutschung - sie stehe dem „Geist des griechischen Originals“ näher als andere späthumanistische Homerübersetzungen ins Deutsche - beruhte allerdings vorwiegend auf dem Vergleich der deutschen Prosa-Ilias mit dem homerischen Text und nicht auf der Auswertung des Verhältnisses zur lateinischer Vorlage. Dennoch hat sich dieses Urteil in der Fachwelt unwidersprochen etabliert.

Eine vollständige Edition der "Ilias Homeri" des Rexius ist bislang unterblieben, obgleich erst eine kritische Untersuchung des gesamten Textes seinen Stellenwert in der deutschen Trojaliteratur des 16. Jahrhunderts und seine Bedeutung für den Transfer bzw. die Rezeption einer Dichtung aus einer untergegangenen und fremden in die eigene Kultur deutlich machen kann. Da die lateinische Übersetzungsvorlage bislang noch nicht ediert worden ist, soll in der geplanten Edition diese Prosaübertragung Lorenzo Vallas der Iliasverdeutschung des Rexius gegenübergestellt werden. Erst dadurch wird die übersetzerische und literarische Leistung des Rexius bewerten werden können.

Quelle: Uni Erlangen-Nürnberg

Kommentare (2)

  • mehmet ozhanli
    mehmet ozhanli
    am 23.01.2005
    Die Nachrichten ist Popieleischen. Troya hat ein normalie Kultura. Archaelogien Machen sensesienol. Aber Anatolie ist immer besser Grieshenland. Die Sonne kommet immer Ost
  • Niki
    Niki
    am 08.02.2005
    Bitte machen Sie doch eine Seite, wo Neuerscheinungen von Arch.Büchern publiziert werden.Evtl. eine Rubrik "Fragen"

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