Der "Fechter Borghese" ist zurück in Jena

Archäologie und Sport - was auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammengehört, ist an der Friedrich-Schiller-Universität Jena nun eine besondere Verbindung eingegangen. In der Ausstellung "Der Fechter Borghese" im Foyer der neuen USV-Sporthalle präsentieren die Archäologen den Gipsabguss einer der berühmtesten antiken Skulpturen überhaupt.

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Der restaurierte Gipsabguss des borghesischen Fechters. (Foto: Anne Günther/FSU)
Der restaurierte Gipsabguss des borghesischen Fechters. (Foto: Anne Günther/FSU)

"Wir greifen damit eine alte Tradition wieder auf", sagt Dr. Hans-Georg Kremer, Geschäftsführer der USV-Sporthalle und einer der Initiatoren der Ausstellung. Er beruft sich dabei auf die Bronzestatue eines Speerwerfers, die Richard Engelmann (1868-1966), deutsch-jüdischer Bildhauer und bis 1930 Ordinarius für Bildhauerei in Weimar, angefertigt hat und die bereits kurz nach der Eröffnung des Institutsgebäudes in der Seidelstraße vor knapp 80 Jahren dort aufgestellt wurde. Nach nur zehn Jahren, 1940, musste sie wieder weichen. Und bis 1995 schmückte ein Blumenkasten den Sockel vor der Muskelkirche, der inzwischen als verschollen gilt. Mit dem Bau der neuen Drei-Felderhalle rückte die Idee von "Kunst am Bau" schließlich wieder ins Blickfeld.

Zunächst erhielt dort Giorgi Kamushadse, ein Absolvent der Bauhaus-Universität Weimar, an der auch Engelmann lehrte, die Chance, ein Flummi-Modell eines Weitspringers der Öffentlichkeit zu präsentieren. In Zukunft wird der "Fechter Borghese" den Besuchern im Eingangsbereich der Sporthalle gegenüberstehen. "Es liegt nahe, an diesem Ort Kunst aus dem Bereich des Sports zu präsentieren", so Kremer. Die Statuen antiker Sportler im Gedächtnis, hat er sich mit seinem Anliegen an den Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Universität Jena gewandt. Damit bot sich den Archäologen die Möglichkeit, einen weiteren Gipsabguss aus dem Bestand des ehemaligen Archäologischen Museums der Jenaer Universität von Berlin zurück nach Jena zu holen. Die insgesamt 604 Objekte umfassende Sammlung war 1962 wegen Platzmangels an der Universität aufgelöst und zunächst ins Schlossmuseum nach Sondershausen gegeben worden. 1983 wurden sie dann den Staatlichen Museen zu Berlin übergeben und in deren Magazinen eingelagert.

Der Fechter Borghese ist mittlerweile einer von mehreren Gipsabgüssen, die seit 1996 sukzessive als Dauerleihgabe zurück nach Jena gelangt und über diverse Gebäude der Friedrich-Schiller-Universität verstreut aufgestellt worden sind. Er war ein Geschenk des Herzogs Ernst II. von Coburg-Gotha (1818-1893) und ist vermutlich in den Jahren zwischen 1844 und 1854 in den Besitz der Archäologischen Sammlung geraten. Die Originalstatue wird auf das späte 2. oder frühe 1. Jh. v. Chr. datiert und ist seit 1808 im Louvre in Paris ausgestellt.

Neben dem wertvollen Gipsabguss werden in der Ausstellung im Sporthallen-Foyer zahlreiche Poster präsentiert, die u. a. auf die umfangreiche Restaurierung des Gipsabgusses eingehen. Dieser befand sich bei der Ankunft in Jena im Herbst 2008 in einem relativ schlechten Zustand. Die Restaurierungskosten hat zum größten Teil der Universitätssportverein übernommen.

Die Präsentation von Sportlern in Form von Statuen, die Bedeutung hellenistischer Plastiken und Informationen zur Geschichte des Archäologischen Museums der Universität sind weitere Schwerpunkte der Ausstellung, die größtenteils von Studierenden am Lehrstuhl für Klassische Archäologie konzipiert worden ist. "Diese Verbindung von Archäologie und Sport", so der Kustos der Sammlung Antiker Kleinkunst der Uni Jena, Dr. Dennis Graen, "wollen wir zukünftig gerne aufrechterhalten." Die wechselnde Ausstellung weiterer Gipsabgüsse ist im Gespräch.

Zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung, die am 16. Dezember um 19 Uhr im Rahmen der USV-Veranstaltungsreihe "Gespräche im Foyer" in der USV-Sporthalle beim Institut für Sportwissenschaft (Seidelstr. 20a) stattfindet, sind alle Interessierten eingeladen. Der Eintritt ist frei.

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