Der älteste Münchner

Bei Kanalbauarbeiten im Apothekenhof der Münchner Residenz wurde eine Bestattung der späten Bronzezeit freigelegt. Es ist das bisher älteste Grab innerhalb des Stadtgebietes.

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Spätbronzezeitliche Vorratsgefäße
Spätbronzezeitliche Grabfunde im Apothekenhof der Residenz München. Foto: BSV / Rainer Herrmann

Wie groß und wie alt er war, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Und auch die Frage ob hier vor mehr als 3000 Jahren ein Mann oder nicht doch eine Frau bestattet wurde, wird erst die anthropologische Analyse zuverlässig beantworten. Sicher ist jedoch, dass im Apothekenhof in der Münchner Residenz das älteste Grab innerhalb des Stadtgebietes gefunden wurde. In einer Grube mit einer Länge von knapp 3 Metern fanden die Archäologen Leichenbrand, Reste des Scheiterhaufens und zahlreiche Funde. Nach Ausweis der Beigaben dürfte es sich um einen Mann handeln. Diese Funde belegen, dass der älteste Münchner in der späten Bronzezeit (1350-1200 v. Chr) hier lebte, starb und beigesetzt wurde.

Zu den Funden gehören Reste eines Ess- oder Trinkgeschirrs sowie verschiedene Vorratsgefäße. Außerdem entdeckten die Archäologen zahlreiche Bronzefunde wie eine Bronzezwinge, zwei Vasenkopfnadeln, die als Umhangverschluß dienten, Werkzeug und ein Griffplattenmesser (Typ Riegsee). Welche Speisevorräte sich in den insgesamt drei Beigefäßen genau befanden muss noch analysiert werden.

In dem Grab selbst befanden sich die verbrannten Skelettreste verstreut neben den Gefäßen und nicht wie in späteren Zeiten üblich in einer Urne. Der Grabbau und die Beigefäße erinnern aber noch an die in den vorhergehenden Jahrhunderten übliche Sitte der Körperbestattung. In einer Ecke der Grube fanden sich die Reste des Scheiterhaufens, auf dem der Tote verbrannt wurde. Anders als in den Jahrhunderten zuvor üblich wurde danach kein Hügel über dem Grab aufgeschüttet.

Die Entdeckung des Grabes im Bereich der Münchner Residenz, die nach der Errichtung der sogenannten Neuveste im 14. Jahrhundert immer wieder umgebaut und erweitert wurde, ist spektakulär. Über 600 Jahre war der große, insgesamt 10 Höfe umfassende Stadtpalast Wohn- und Regierungssitz der Wittelsbacher und damit politisches Zentrum Bayerns. Inselartig hat sich die von allen Baumaßnahmen unberührte Stelle im Apothekenhof bis heute erhalten.

Die archäologische Begleitung aller Maßnahmen im Bereich der Residenz durch eine Grabungsfirma des Landes lieferte nun nicht nur den »ältesten Münchner« sondern auch die einzige modern untersuchte Bestattung aus der Münchner Innenstadt. Die Beigaben werden derzeit in den Werkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege erfasst und konserviert. Die wissenschaftliche Auswertung des Grabes erfolgt anschließend in Zusammenarbeit mit dem ArchaeoBioCenter der Ludwig-Maximilians-Universität im Rahmen der Forschergruppe Transalpine Mobilität und Kulturtransfer.

Freilegung Grabbeigaben
Ausgrabungsarbeiten im Apothekenhof der Residenz München. Foto: BSV / Rainer Herrmann

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