Den Spessart im Visier

Das Archäologische Spessart-Projekt (ASP) ist ab sofort An-Institut der Universität Würzburg. Gemeinsames Ziel ist es, interdisziplinäre Forschungsprojekte im Spessart voran zu treiben und Studierenden die Möglichkeit zu bieten, praktische Erfahrungen zu sammeln. Dafür arbeitet das Projekt eng mit dem Lehrstuhl für fränkische Landesgeschichte zusammen.

Nachrichten durchblättern
Diskussion historischer Karten
Dissertantenkolloquium des Lehrstuhls für Fränkische Landesgeschichte bei der Diskussion historischer Karten des Spessarts. Foto: Spessart-Projekt

Die Ketzelburg in Haibach im Spessart war weder in keltischer noch in römischer Zeit besiedelt. Auch eine jungsteinzeitliche Besiedelung kann ausgeschlossen werden. Eine Bebauung für den verkehrstechnisch günstig gelegenen Felsvorsprung lässt sich erst ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts nachweisen. Damals entstand auf der höchsten Erhebung des Burghügels ein typischer Wohnturm. Dies zeigen jedenfalls Grabungen, die das Archäologische Spessart-Projekt geleitet hat. Dabei interessierten sich die Archäologen vor allem dafür, wann die Burganlage angelegt wurde, welche Spuren der Besiedelung sich über die Jahrhunderte erhalten haben und wie die Anlage in die mittelalterliche Kulturlandschaft Spessart eingebunden war.

Kooperation mit der Universität

Das langjährige Forschen an diesem – und zahlreichen weiteren Objekten im Spessart – hat sich für das Projekt gelohnt: Seit dem 21. Oktober ist es offizielles An-Institut der Universität Würzburg. Es darf sich seitdem „Wissenschaftliche Einrichtung an der Universität Würzburg“ nennen, behält aber seine bisherige Rechtsstellung als eingetragener Verein bei. Der Vertrag ist das Ergebnis einer langjährigen guten Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern des Projekts und Professor Helmut Flachenecker, Inhaber des Lehrstuhls für fränkische Landesgeschichte.

Schon seit 2006 hatte zwischen der Uni und dem ASP ein Kooperationsvertrag bestanden. Seit dieser Zeit waren zahlreiche Forschungsprojekte in Gang gesetzt worden; viele Studierende konnten in Zusammenarbeit mit dem ASP ihre Magister- oder Doktorarbeiten schreiben. Darüber hinaus hat das ASP regelmäßig Studierende als Praktikanten an den Ausgrabungen und in anderen Forschungsprojekten geschult und somit der Universitäten eine praxisorientierte Komponente in der Ausbildung der Studierenden geliefert.

Für das ASP bedeutet die Anerkennung als An-Institut einen bedeutenden Schritt: „Damit wird nicht nur die wissenschaftliche Arbeit des Instituts gewürdigt, sondern auch die Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg gestärkt“, sagte Dr. Gerhard Ermischer, Vorsitzender des Projekts. Das ASP erhalte auf diese Weise in Zukunft noch besseren Zugang zu Forschungseinrichtungen, die Zusammenarbeit mit hochrangigen Forschungsinstituten und Universitäten im In- und Ausland werde wesentlich erleichtert.

Sechs Wissenschaftler, eine Verwaltungsfachkraft und eine Assistenzkraft sind zur Zeit beim ASP angestellt. Verstärkung erhalten sie durch Mitarbeiter, die konkrete Projekte durchführen, und durch Praktikanten, meist Studierende aus dem In- und Ausland. Aktuell betreut das ASP drei Doktorarbeiten an der Universität Würzburg.

Die Geschichte des Archäologischen Spessart-Projekts

Das ASP hat sich aus einer kommunalen Initiative für die Region Spessart entwickelt, die Mitte der 90er-Jahre gegründet wurde: dem Bayerisch-Hessischen Spessartprojekt. Dessen Ziel war es, im europäischen Rahmen die Kulturlandschaft Spessart zu erforschen und der Öffentlichkeit zu vermitteln. Seit 2004 hat das ASP verstärkt archäologische Projekte in Angriff genommen. Das schon früher praktizierte Konzept der Bürgerbeteiligung wurde dafür auch auf die archäologische Forschung übertragen.

Von Anfang an hat das ASP eng mit Forschungseinrichtungen und Universitäten zusammen gearbeitet. So existieren Partnerschaften mit dem Senckenberg-Institut in Frankfurt, mit Universitäten in Frankfurt, Mainz, Würzburg, Bamberg, Trier, Saarbrücken, Kiel und Gießen, mit der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen Universität Berlin, den Fachhochschulen in Darmstadt und Würzburg, aber auch mit Universitäten in Malmö (Schweden), Southampton (England) oder Pilsen (Tschechische Republik). Zahlreiche Forschungsvorhaben wurden mit diesen Partnern verwirklicht, etwa in den Bereichen der Archäologie, der Geographie, der Sprachwissenschaften oder der Paläobotanik und –zoologie.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben