Basler Museum der Kulturen baut auf römischen Fundamenten

Bei einer Rettungsgrabung im Innenhof des Museums der Kulturen kam es zu unerwarteten Funden: Unter neuzeitlichen Gebäuderesten entdeckten die Mitarbeitenden der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt mächtige Mauerfundamente eines imposanten römischen Bauwerks. Spuren römischer Gebäude dieser Grösse waren auf dem Münsterhügel bis dahin eine Seltenheit.

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Untersuchung der römischen Fundamente durch die Archäologische Bodenforschung
Untersuchung der römischen Fundamente durch die Archäologische Bodenforschung (Photo: Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt)

Die derzeit auf der Grabung zu Tage gekommenen römischen Siedlungsreste erstaunen. Vielleicht gehörten die Mauern zu einem öffentlichen Gebäude. Neben dem "horreum", einem Speicherbau von 50 m Länge, dessen Spuren unter dem Hof des Schulhauses "Zur Mücke" liegen, wäre es schon das zweite monumentale römische Bauwerk auf dem Münsterhügel. Dies lässt vermuten, dass Basel zur Römerzeit zwar im Schatten der Koloniestadt Augusta Raurica stand, aber dennoch grössere Bedeutung hatte, als bisher angenommen. Aus römischer Zeit stammen auch Dachziegelfragmente mit dem Fabrikationsstempel der „Legio Prima Martia“. Diese Militäreinheit war im 4. Jh. n. Chr. in Kaiseraugst stationiert und betrieb dort eine Ziegelei.

Im 14. Jh. diente der "Schürhof" zeitweise als Residenz des Basler Bischofs. Im 18. Jh. schliesslich richtete der Seidenbandfabrikant Martin Bachofen-Heitz auf dem Areal seinen Geschäftssitz ein.

Auslöser für die Rettungsgrabung ist der Umbau und die Erweiterung des Museums der Kulturen. Unter anderem beinhaltet das Projekt von Herzog & de Meuron sowohl die Neugestaltung des Eingangsbereiches im Innenhof als auch einen zusätzlichen Ausstellungsraum, der die drei bestehenden Stockwerke ergänzt – und zum neuen Dachgeschoss wird. Durch die Baumassnahmen werden gut erhaltene Kulturschichten zerstört, die von der mehr als 2000-jährigen Siedlungsgeschichte auf dem Münsterhügel zeugen. Eine kleine Ausstellung im „Goldenen Info-Container“ vermittelt vor Ort den aktuellen Forschungsstand.

Untersuchung der römischen Fundamente durch die Archäologische Bodenforschung (Photo: Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt)
Römisches Dachziegelfragment mit dem Fabrikationsstempel der „Legio Prima Martia“, 4. Jh. n. Chr. (Photo: Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt)

Kommentare (1)

  • H. Jürgenliemk
    H. Jürgenliemk
    am 26.07.2008
    Ich hoffe, daß das Museum der Kulturen die bedeutenden römischen Baureste in situ konservieren läßt. Denn was wäre ein Kulturmuseum, wenn es als Kulturzerstörer bekannt werden würde.

    Ein gutes Architekturbüro hat auch keine Probleme, die kulturellen Zeugen der Vergangenheit durch Umplanungen in einen Neu-/Umbau zu integrieren. Das ist vielmehr eine interessante Herausforderung für wirklich kreative Macher.

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