Ausgrabungen in der Kaiserpfalz von Ingelheim

Die Kaiserpfalz von Ingelheim ist nicht nur durch ein modernes Präsentationskonzept erlebbar, sondern weiterhin auch Schauplatz der archäologischen Forschung. Aktuell führt die Forschungsstelle Ingelheim sowohl am ehemaligen Nordflügel als auch in der Peripherie der ehemaligen Pfalzanlage Ausgrabungen durch, die am »Tag des offenen Denkmals 2011« besichtigt werden können.

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Ausgrabungen am Nordflügel der Kaiserpfalz Ingelheim (© Kaiserpfalz Ingelheim)
Ausgrabungen am Nordflügel der Kaiserpfalz Ingelheim (© Kaiserpfalz Ingelheim)

Dass sich auch nach Jahren der archäologischen Forschung im Bereich des Saales der Kaiserpfalz die Möglichkeiten für die Wissenschaft noch nicht erschöpft haben, zeigt die Grabung am Nordflügel der Anlage. Hier wurde kürzlich durch den Abriss zweier baufälliger Wohngebäude der Zugang zu einer bisher noch nie untersuchten Fläche möglich. Nach dem Abschluss der Bodenuntersuchungen sollen die Überreste des Nordflügels in die dauerhafte Präsentation einbezogen werden. Der Nordflügel war, neben der Aula regia und dem Halbkreisbau, eines der drei bedeutendsten Bauteile des Gründungsbaus der Kaiserpfalz im 8. Jahrhundert. Der langgestreckte Gebäuderiegel bildete die nördliche lange Seite des Kaiserpfalzgrundrisses. Im Stadtbild war der Nordflügel bisher nicht wahrnehmbar, obwohl er stellenweise sogar im überirdischen Mauerwerk heutiger Wohngebäude erhalten ist.

Bei den aktuellen Ausgrabungen werden diese Wandreste untersucht. Zum anderen erhoffen sich die Forscher Aufschluss über die Uferbefestigung des mittelalterlichen Grabens, der sich vor der Außenseite des Nordflügels befand. Bis jetzt hat sich die Grabungsmannschaft von der Neuzeit bis zu den hochmittelalterlichen Bodenschichten vorgearbeitet. Zu den Entdeckungen der letzten Tage gehören die Überreste einer stauferzeitlichen Befestigung mit Graben und einer Palisade.

Mit der zweiten Grabung an der Remigiuskirche, im Peripheriebereich der ehemailgen Kaiserpfalz, ließen sich bereits neue Erkenntnisse über die Baugeschichte des Gotteshauses gewinnen. Nachdem 2010 erstmals Nachweise eines älteren Vorgängerbaus gefunden wurden, konnte dieser jetzt auch in weiteren Grabungsflächen an anderer Stelle belegt werden. Die angetroffenen Mauerreste deuten darauf hin, dass der Vorgängerbau wohl früher entstand, als im letzten Jahr zunächst angenommen. Offensichtlich stammen sie von einem früh- oder hochmittelalterlichen Langhaus. Demnach gehört der Bau nicht originär zum staufischen Turm, sondern stammt aus der Zeit vor 1000.

Beide Ausgrabungen können am 11. September dem »Tag des offenen Denkmals« von 11.00 bis 16.00 Uhr besichtigt werden.

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