Aus alten Lippearmen geborgen

Bei der Begleitung der Renaturierung der Lippe bei Lippstadt (Kreis Soest) haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Keramikscherben und andere Objekte geborgen, die bis zu 4000 Jahre alt sind.

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Schwertgurtbeschlag des 9. Jh.
Dieser Beschlag schmückte im 9. Jahrhundert einen Schwertgurt. (Foto: LWL/Baales.)

Die ältesten Funde sind über 200 Scherben von groben, dickwandigen Gefäßen. Weil der Ton der Scherben stark mit Quarzgrus durchsetzt ist, können die LWL-Archäologen die Gefäßreste in die Bronzezeit vor 4000 Jahren datieren. „Diese Scherben füllen eine Lücke in der Überlieferung der Region um Lippstadt, denn bislang waren nur Funde aus der vorangegangenen Steinzeit und der nachfolgenden Eisenzeit bekannt“, erklärt Dr. Eva Cichy von der LWL-Archäologie für Westfalen die große Bedeutung der Funde.

Maren Gaertner-Krohn entdeckte die Scherben auf dem Grund eines Altarms der Lippe, als sie für die LWL-Archäologie die Renaturierung der Lippe begleitete. Denn bei den Maßnahmen zum Umbau des Flusses werden vom Bagger immer wieder ältere, verlandete Altarme der Lippe angeschnitten, in denen archäologische Funde eingebettet sind. Die Archäologin beobachtete die Baggerarbeiten und untersuchte im Verdachtsfall auch den Aushub genauer.

So barg sie aus den Ablagerungen eines weiteren Altarms der Lippe noch typische Scherben der mittleren vorrömischen Eisenzeit (4. bis 3. Jahrhundert v. Chr.), die das reiche Fundbild für diese Zeit an der Lippe ergänzen. Weitere Funde stammen aus dem Mittelalter, darunter ein silberner Soester Pfennig aus der Zeit um 1200 und ein Beschlag eines Schwertgurtes aus Bronze. Das mit Pflanzenornamenten reich verzierte Stück gehört in die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts, als die Region nach der Eingliederung in das Frankenreich systematisch mit Siedlungen und Wegen ausgebaut wurde.

Hintergrund

„Diese Ergebnisse zeigen exemplarisch, wie wichtig es ist, die zahlreichen Projekte zum naturnahen Umbau unserer Flüsse archäologisch zu begleiten. Nur so lassen sich die hier verborgenen Zeugnisse der Ur- und Frühgeschichte sichern, die sonst unweigerlich verloren wären. Dabei können sie, wie jetzt in Lippstadt, unser Wissen um unsere älteste Geschichte für manche Regionen ganz wesentlich ergänzen. Denn die Gewässer waren zu allen Zeiten ein zentraler Bestandteil der menschlichen Siedlungsgeschichte“, so Prof. Dr. Michael Baales, der Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen.

Die Renaturierung der westfälischen Fließgewässer im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie ist bei den Archäologen in Westfalen ein aktuelles Thema. Wie die Lippe werden auch andere Flüsse seit einigen Jahren umgebaut, um sie als natürlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen wiederherzustellen und für einen besseren Hochwasserschutz zu sorgen. Bei der Renaturierung der Seseke und des Körnebachs im Kreis Unna zum Beispiel hatte ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des LWL menschliche Knochen mit Beifunden entdeckt, die die Experten als Flussopfer interpretieren.

Im Gebiet der Stadt Lippstadt konnten die Maßnahmen in diesem Jahr erstmals begleitet werden, die Kosten trug die Bezirksregierung Arnsberg. Die Renaturierung der Lippe wird in den nächsten Jahren fortgesetzt, ihre Begleitung ist bereits fest vereinbart.

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