Archäologische Ausgrabungen am Südhafen Haldensleben

Seit 2009 finden im Haldenslebener Südhafen in Sachsen-Anhalt archäologische Dokumentationen statt. Sie dienen der Baufeldfreimachung für weitere Gewerbeansiedlungen. Die hier angetroffenen Befunde und Funde umfassen, wenn auch mit Unterbrechungen, einen Zeitraum von mehreren Jahrtausenden. Ein Zwischenbericht.

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Schmuckreste aus dem Grab einer vornehmen Germanin. Foto: Klaus Bentele © LDA
Schmuckreste aus dem Grab einer vornehmen Germanin. Foto: Klaus Bentele © LDA

Im 3. Jahrtausend v. Chr. war die so genannte Schönfelder Kultur vom Wendland im Westen bis nach Böhmen im Osten verbreitet. Meist sind von den Trägern dieser Kultur nur die Bestattungen bekannt. Im Bereich des Südhafens waren nun jedoch auch einige Hinterlassenschaften der damaligen Siedlungen in Form von Abfallgruben und Hinweisen auf Hausgrundrisse fassbar.

Danach scheint das Gelände fast 1.500 Jahre lang in Vergessenheit geraten zu sein, bis um ca. 800 v. Chr. eine intensive Besiedlung einsetzte. Hausgrundrisse, Vorratsgruben, Abfallgruben, Öfen und vieles andere mehr belegen hier eine dorfartige Anlage. Inmitten der Siedlung niedergebrachte Bestattungen zeigen, dass die Neuhaldenslebener Siedler der späten Bronzezeit vollkommen in die damalige Ökumene eingebettet waren. Brandschüttungsgräber und Urnengräber mit reichhaltigen Beigaben spiegeln die damals übliche Totenbehandlung wider.

Fast 1.000 Jahre später, in der Römischen Kaiserzeit, wurde der Platz als reines Bestattungsareal ausgewählt. Dass hier nicht nur das gemeine Volk, sondern auch die germanische Oberschicht ihre letzte Ruhe fand, belegt eindrucksvoll die Bestattung einer Frau. Auf ein Bärenfell gebettet – wie sich an einer überlieferten Bärenkralle ablesen lässt – wurde sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ihre letzten Überreste fanden zusammen mit dem teilweise durch die hohen Temperaturen zerstörten Schmuck Platz in einer tönernen Urne. Neben einigen Knochensplittern blieben eine aus Knochen gefertigte Nadel, eine Kette (goldene Spiralröllchen und s-förmiger Verschluss aus Bronze) und vor allem auch ein Bruchstück einer silbernen Fibel (Gewandschließe) erhalten. Hier, wie bereits anhand der Bärenkralle, zeigen sich die hohe Stellung der hier bestatteten Germanin und Kontakte zum römischen Reich.

Die archäologischen Untersuchungen im Bereich des Südhafens werden im August auf insgesamt 15 Hektar erweitert. Doch schon im Herbst dieses Jahres werden einige Bereiche abschließend dokumentiert sein und für weitere Ansiedlungen zur Verfügung stehen.

Urnengrab der jüngeren vorrömischen Eisenzeit (Jastorfkultur, 4. Jh. v. Chr.) Foto: Steffi Lünse © LDA
Urnengrab der jüngeren vorrömischen Eisenzeit (Jastorfkultur, 4. Jh. v. Chr.) Foto: Steffi Lünse © LDA

Kommentare (2)

  • Claudia
    Claudia
    am 15.08.2010
    Hm.. ich vermute einmal so frei heraus, die meissten leute, die das hier lesen, sind sich im großen und ganzen schon bewusst, dass eine fibel eine gewandschließe ist...
    nun gut, es ist wahr: jedes jahr gibts frische studenten, die's noch nicht wissen...
  • Kathleen
    Kathleen
    am 09.12.2010
    Hmmm...liebe Claudia,
    ich nehme mal an du bist noch Student!? Ich glaube dies hier ist keine 'Elite'website und auch Fachfremde Menschen mit archäologischen Interesse kommen auf diese Seite und das ist auch gut so - Wissen ist für alle da-
    Genau diese arrogante Art schafft immer wieder Grenzen und Vorurteile.
    PS: Stell dir vor niemand interessiert sich mehr --mhhh dann hast du auch keinen Job ....denk mal drüber nach

    Kathleen
    (Human-/Anthropologin seit 2005)

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