Archäologen entdecken 2.500 Jahre altes Vorratslager

Grabung bei Weilerswist erbrachte Häuser und rund 100 Speichergruben

Einem archäologischen Grabungsteam des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ist es gelungen, bei Weilerswist-Groß Vernich eine rund 500 Jahre vor Christus angelegte Siedlung freizulegen, die vermutlich überwiegend als Vorrats- und Lagerplatz diente. Derartige Plätze sind sehr selten; der nächstliegende vergleichbare Befund wurde in Luxemburg gemacht.

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Vorratsgefäß
Dieses Vorratsgefäß aus Ton wird derzeit im LVR-LandesMuseum Bonn restauriert. Foto: A.S.Mousavian, LVR-ABR

Die Archäologen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland legten in rund acht Monaten auf einer etwa drei Hektar großen Fläche eine Siedlung mit erstaunlich gut erhaltenen Befunden und zahlreichen keramischen Funden frei. Die wenigen Häuser waren typisch für die Spätbronzezeit bis Mitte der Eisenzeit, also für den Zeitraum von etwa 1000 bis 400 Jahren vor unserer Zeitrechnung. Zur Überraschung des von Petra Tutlies geleiteten Teams fanden sich neben wenigen Hausgrundrissen rund 100 sogenannte Speichergruben. Sie dienten, so die Vermutung der LVR-Wissenschaftler, zur Lagerung von Lebensmitteln oder anderen Waren.

Die runden, bis zu 1,40 Meter tiefen Gruben haben Durchmesser zwischen 70 und 140 Zentimeter und sind sehr gut erhalten. Sie wurden nach dem Ende der Nutzungszeit mit Abfall verfüllt. Die sich jetzt anschließenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen sollen zeigen, was in den Gruben genau gelagert wurde und in welchem Zeitraum dies geschah.

Aus einer dieser Gruben stammt ein großes, ungewöhnlich gut erhaltenes Vorratsgefäß aus Ton von etwa 80 Zentimeter Höhe und einem Bauchdurchmesser von 60 Zentimetern. Es wird derzeit im LVR-LandesMuseum Bonn restauriert. Noch wissen die Fachleute des LVR nicht, was das einstmals enthielt. Klar hingegen ist, dass die zugehörige Grube eigens für das Gefäß ausgehoben worden war.

Die günstige Lage im Gebiet zwischen Vorgebirge, Eifel und der südlichen Zülpicher Börde lässt die Grabungsleiterin vermuten, dass es sich hier um einen speziellen Platz für die Lagerung und Distribution von Vorräten gehandelt haben könnte. Petra Tutlies: »In der vorrömischen Bronze- und Eisenzeit haben offenbar nicht nur landwirtschaftlich geprägte Siedlungen mit mehreren Gehöften bestanden, sondern auch funktional völlig anders ausgerichtete Plätze, die möglicherweise einer größeren Gemeinschaft dienten.«

Das Ausgrabungsareal befindet sich im Erweiterungsbereich einer Kiesgrube. Die Kieswerke Esser haben die Arbeit der Archäologen des LVR durch Maschinentechnik und Logistik maßgeblich unterstützt.

Kommentare (2)

  • Sascha Piffko
    Sascha Piffko
    am 22.10.2011
    Eine ähnliche Situation hatten wir 2009 in Nidderau. Allein in der Trasse der geplanten Umgehungsstraße fanden sich auf engstem Raum etwa 100 Vorratsgruben von der ausgehenden Urnenfelderkultur bis in die Laténezeit hinein. Da wir dort von bis zu 500 Jahren Siedlungsdauer ausgehen können relativiert sich diese Zahl doch sehr. Von den Hausgrundrissen fehlt wie üblich jede Spur.
  • Mathias Feckler
    Mathias Feckler
    am 12.11.2011
    schon interessant die Ausgrabungen in der Voreifel,da ich

    da Bekannte habe.un dich mich fürArchäologie interesiere.

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