Bleierzbergbau der römischen Kaiserzeit im Raum Brilon

von: Martin Straßburger M.A.
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Bereits im 19. Jh. waren archäologische Funde römischer Provenienz im Zusammenhang mit dem Bergbau und Hüttenwesen im Gebiet der Germania magna bekannt. Zahlreiche Bleifunde an Siedlungsplätzen um Brilon im Sauerland zusammen mit römischen Importfunden führen zu Fragen hinsichtlich Datierung, Umfang und Organisation des Bleierzbergbaus sowie der Metallverarbeitung. Schwierigkeiten bei der Beurteilung ergeben sich u.a. dadurch, dass bisher keine archäologischen Untersuchungen unter Tage stattfanden. Nachdem das Fundmaterial zunächst vor allem ausgehend von epigraphischen Befunden behandelt wurde, sollen im folgenden die montanarchäologischen Quellen vorgestellt werden.

Geologie und Bleierzlagerstätten

Das Sauerland ist der nordöstliche, zu Westfalen gehörende Teil des Rheinischen Schiefergebirges und besteht hauptsächlich aus devonischen sowie karbonischen Gesteinen. Die Briloner Hochfläche wird von mittel- und oberdevonischen Kalken aufgebaut. Sie hat eine maximale Erstreckung von 16 km in Ost-West-Richtung und etwa 7 km in Nord-Süd-Richtung. Diabase bilden im Süden und Westen die Grenzen, im Norden sind es die Gesteine des Kulm. Die während des Tertiärs entstandenen Erze sind an die Kalke des Mitteldevons und Cenomans sowie an Kalkspatgänge gebunden (Abb. 1). Als Lagerstättentypen werden unterschieden (Schriel 1954, S. 348): Störungen und Lettenklüfte auf Kalkspatgängen, Drusen und Nester im Kalkspat und Massenkalk, Vererzungen "Typ Bleiwäsche", Dolinentyp, metasomatische Vorkommen im dolomitisierten Massenkalk entlang von Störungen. Gangartige Blei-Zink-Lagerstätten sind im Massenkalk, im Kontakt zwischen devonischem Schiefer und Massenkalk, Kalkstein und Kieselschiefer sowie Kalkstein und Diabas bekannt. Bei Bleiwäsche treten mehrere Erzgänge mit Blei, Kupfer und Eisen zutage.

Weitgehend unklar ist die Bedeutung von Karsthohlräumen für die Ausbildung der Vererzungen. Die Verkarstungsprozesse im Briloner Massenkalk setzten bereits im Karbon ein und die kreidezeitliche Verfüllung der Nehdener Höhle zeigt, dass bereits in diesem Abschnitt der Erdgeschichte größere Höhlen vorhanden waren. In den Klüften und Dolinen des Massenkalks finden sich Bleiglasurerze, Galmei und Schalenblende in Verbindung mit Kalkspat und Letten in Nestern und Trümern. Mit Mineralien gefüllte Karsthohlräume waren vermutlich die reichsten Funde. Sie waren durch Wasser natürlich sortiert in Bleiglanz und Kalkspat bzw. Kalk. Aufgrund der Charakteristika der Vorkommen fehlen klare Anhaltspunkte für Rückschlüsse auf Erzverteilung, -quantität und -qualität. Die Erzführung der einzelnen Vorkommen konnte innerhalb eines Ganges stark schwanken. Sie besaßen keine große Mächtigkeit und größere Ausdehnung, wechselten die Richtung oder teilten sich auf (Schriel 1954, S. 332ff., 348).

Fundplätze der römischen Kaiserzeit mit Bleiverarbeitung

Bisher liegen für das Sauerland keine archäologischen Befunde vor, die verlässlich Auskunft über Umfang und Dichte der Besiedlung oder das Aussehen der Siedlungen während der römischen Kaiserzeit geben könnten. Die Spuren von Bleiverarbeitung bei Brilon wurden durch Feldbegehungen entdeckt. Je nach Bewirtschaftung wurden die Funde durch den Pflug aus dem ursprünglichen Kontext gerissen und stellen eine Auswahl von dem dar, was sich unter dem Oberboden befindet. Sie können unter anderem Informationen zu Ausdehnung, Konzentrationen, Funktion und Datierung eines Platzes liefern. Dabei ist jedoch zu beachten, dass jüngere Phasen eventuell überrepräsentiert sind, da der Pflug die älteren Schichten nicht vollständig erreicht hat. Daraus ergeben sich Probleme für Interpretation der Fundkonzentrationen bzw. -zusammensetzung. Die Beziehungen zwischen Bewirtschaftungsart, Verteilung der Funde in der Pflugzone und darunter liegender Archäologie sind komplex. Einschränkungen bei der Interpretation ergeben sich auch durch den Nutzungszyklus landwirtschaftlicher Flächen. Ferner sind unterschiedliche Erhaltung, Verlagerung der Funde etc. zu berücksichtigen. Daher sind die Funde nur als eine Probe von dem zu sehen, was im Oberboden liegt. Die Briloner Fundplätze sind jedoch über einen Zeitraum gut 10 Jahren hinweg begangen worden, so dass guter Querschnitt gegeben sein dürfte. Das römische Material überschreitet im Vergleich zu anderen Plätzen nicht das übliche Maß von Import. Lediglich die Bleiverarbeitung fällt aus Fundbild heraus. Allerdings ist jede Bewertung in gewissem Sinn subjektiv und nur durch Ausgrabungen kann letzte Sicherheit gewonnen werden.

Der kaiserzeitliche Siedlungsplatz in der Fülsenbecke liegt oberhalb des Aa-Tales und ist bereits seit 1936 bekannt. Damals wurden dem Westfälischen Museum für Archäologie ein durchlochter Bleibarren, ein Bleistreifen und zwei weitere Bleiobjekte zusammen mit Keramik, einem Handmühlenfragment aus Mayener Basalt und Hüttenlehm vorgelegt. Außerdem sollen an dieser Stelle zwei zur Hälfte mit Asche gefüllte Urnen mit je einem Beigefäß durch Wiesenmelioration im gleichen Jahr zerstört worden sein. 1951 wurden in dem Areal kleine Sondagen angelegt, die aber keine klaren Siedlungsbefunde, dafür allerdings weitere Siedlungshinweise lieferten wie Hüttenlehm, Holzkohle, Tierknochen, Eisenschlacken, sechs weitere Bleifragmente, einen Bronzedraht und auch datierbare Keramik der älteren römischen Kaiserzeit. Ferner wurde in 300 m Entfernung im Acker ein Eisenluppenstück gefunden. Eine Geländebegehung im Jahre 1999 auf dem Fundort im oberen Teil des Wiesentales erbrachte einen weiteren Bleibarren, Spinnwirtel und kleinere Bleifragmente. Die Funde konzentrieren sich auf beide Seiten des Oberlaufes der Fülsenbecke (Capelle 1982, S. 79 mit Datierung ins 1./2. Jh. n. Chr.).

Bei Altenbüren konnten durch B. Reineke 1988-1999 innerhalb eines kleineren Areals Reste einer Bleiproduktion bzw. -verarbeitung lokalisiert werden. Das Fundmaterial setzt sich aus einem Gusskegel, kegelförmigen bis trapezoiden, oberständig durchbohrten Bleibarren, einem Bleifladen (Abb. 2), zahlreichen Spinnwirteln, Halbfertigprodukten sowie Werkstücken zusammen. Besonders hervorzuheben ist ein Bleiobjekt mit einer Buchstabenfolge, die sich zum römischen Namen PVDENT[IS] ergänzen lässt. Es handelt sich vermutlich um einen Deckel.

Im Lühlingsbachtal und im Quellgebiet der Nette nordwestlich von Bleiwäsche konnte durch einheimische Keramik aus dem 1.-2. Jh. n. Chr. eine Siedlung nachgewiesen werden. Eisenschlacken belegen eine Metallproduktion, Bronzen sowie Gussreste zeugen von Buntmetallhandwerk. An zwei Stellen kamen trapezförmige Bleibarren vom Typ „Garbeck“ zutage (Abb. 3). Aber auch ein zylindrischer Barren wurde gefunden (Abb. 4). Neben Denaren von Cotta und Marc Anton (Abb. 5) sind als herausragende Funde sind zwei Denare der Kaiser Trajan (geprägt 103-111 n. Chr.) und Hadrian (geprägt 119-122 n. Chr.) sowie der bronzene Griff einer römischen Kasserolle zu nennen (Abb. 6 u. 7).

Hinweise auf Bleierzbergbau

Das bisher vorliegende archäologische Material ist spärlich und hat lediglich Indiziencharakter. Die Anfänge des Metallerzbergbaus reichen vermutlich jedoch vor die Kaiserzeit zurück. Die Bleibarrenfunde in der Fülsenbecke, bei Altenbüren, Brilon-Südfeld, Osterhof und Bleiwäsche geben indirekte Hinweise auf Bergbau. Isotopenanalysen legen einen Zusammenhang der Bleibarren von den Siedlungsplätzen und den Lagerstätten im nordöstlichen Sauerland nahe. Der chronologische Schwerpunkt der bisherigen Barrenfunde liegt in der Zeit der zweiten Hälfte des 1. Jhs. bis ins 2. Jh. n. Chr. Die weit unter 100 ppm liegenden Silbergehalte zeigen, dass es sich um Produkte einer ausschließlich auf Blei gerichteten Verhüttung silberarmer Erze handelt, die aus der näheren Umgebung der Fundplätze stammen könnten (vgl. Rehren 1998, S. 64, 67f; Bode/Hauptmann/Mezger/Prange 2004, S. 43-46).

Bisher fehlen für den Raum Brilon-Bleiwäsche archäologische Erkundungen unter Tage fast vollständig. Daher bleiben im Wesentlichen die Berichte aus dem 19. Jh., in denen immer wieder Altbergbau erwähnt wird. Hinweise auf eine Datierung fehlen. Die Berichte zeigen, dass gerade um Brilon nur mit kleineren Bergwerken und Schachtbergbau zu rechnen ist. Der Grund liegt zum einen in der Art der Lagerstätten, zum anderen in den hohen Wasserzuflüssen. Die alten Bergwerke bauten nach W. Schriel in der Oxidationszone, die er mit einer Teufenerstreckung von 40-60 m angibt. Das Aushalten der Erzmittel rechtfertigte bei den bedeutenden Schwierigkeiten jedoch keinen großen Abbau.

Verhüttung der Bleierze

Ein weiteres Desiderat bleibt die Bleierzverhüttung. Bisher fehlen eindeutige Befunde und Funde von den Plätzen der römischen Kaiserzeit um Brilon. Da die Arbeiten möglicherweise keine größeren technischen Einrichtungen erforderten, haben sie möglicherweise nur wenige Spuren hinterlassen. Hinweise auf Verhüttungsplätze könnten die Bleigehalte in den Bachsedimenten geben. Zumindest die Bleiverarbeitung scheint sich in den gemessenen Werten widerzuspiegeln. Eine Sedimentanalyse am Fundplatz beim Osterhof ergab 60-260 ppm Blei. Dagegen wurden in der Fülsenbecke, bei Altenbüren und Bleiwäsche jeweils Gehalte von 690-1000 ppm nachgewiesen (Fauth/Hindel/Siewers/Zinnen 1985, S. 52f., Karte Region Münster-Sauerland, S. 77).

Verbreitung der Kleinbarren

In Anbetracht der historischen Entwicklungen und des archäologischen Gesamtkontextes ist davon auszugehen, dass ein bereits betriebener Bleierzbergbau und eine vorhandene Produktion von Blei durch den Einfluss der Wirtschaft in den römischen Provinzen vor allem seit der zweiten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. erheblich gesteigert wurden. Güteraustausch mit und Techniktransfer aus den römischen Provinzen spielten dabei eine große Rolle.

Weiträumiger betrachtet zeigt sich, dass Bleierzbergbau und Bleiproduktion durchaus in das Gesamtbild der Germania magna während der Zeit vom Ende des 1. bis zum 3. Jh. n. Chr. passen. Informationen zu allgemeinen wirtschaftlichen und handwerklichen Verhältnissen der römischen Kaiserzeit in Westfalen geben die Siedlungsplätze Balve-Garbeck, Soest-Ardey, Bielefeld-Sieker, Petershagen-Lahde, Vreden und Warburg-Daseburg. Weitere wichtige Fundorte sind Albersloh, Bochum-Harpen, Westick bei Kamen und Zeche Erin in Castrop Rauxel, auf dem im Zusammenhang mit dem Schmiedehandwerk in größeren Mengen an Bleifunden auftreten.

Der Verbreitungsschwerpunkt der germanischen Kleinbarren liegt im nordöstlichen Sauerland und den angrenzenden Bördegebieten südlich der Lippe (Abb. 8 u. 9). Neben den Fundstellen Balve-Garbeck. Altenbüren, Fülsenbecke, Osterhof sind sie auch von Bad Lippspringe-Dedinghausen, Büren-Wewelsburg, Salzkotten-Thüle, Soest-Ardey und Warburg-Menne bekannt. Im Stadtgebiet von Soest konnte zudem eine umfangreiche Bleiverarbeitung nachgewiesen werden, vor allem in der zweiten Hälfte des 1. Jhs. (Melzer/Pfeffer 2007, S. 91-104; dies. 2008, S. 62-75). Mit Ausnahme von Soest-Ardey, Salzkotten-Thüle und Bad Lippspringe-Dedinghausen liegen in der Nähe aller Barrenfundstellen Bleierzlagerstätten. Die Barren von Soest-Ardey, Balve-Garbeck und Brilon-Fülsenbecke werden in die erste Hälfte des 1. Jhs. datiert, die von Salzkotten-Thüle um die Mitte des 1. Jhs., die Briloner Fundplätze mehrheitlich in die Zeit des 1.-2. Jhs. und Bleiwäsche-Thiekopp in das 2./3. Jh. Weitere Barren von Soest-Ardey stammen aus dem 2. Jh. n. Chr. Nach der bisher bekannten Verbreitung und den archäometallurgischen Untersuchungen stellten sie kein primäres Gut für den Fernhandel dar. Zusammen mit den Isotopen-Analysen lässt sie auf einen kurzen Weg vom Produktionsort zum Fundplatz schließen.

Durchlochte Kleinbarren wurden nicht nur im ehemals germanischen Gebiet, sondern auch in Solaize bei Lyon und dem Süden der iberischen Halbinsel im Bergwerksbezirk Los Palazuelos in der Nähe von Linares (Prov. Jaens) gefunden. Aus dem spanischen Bergbaugebiet stammt ferner eine Gussform (vgl. Sandars 1905, S. 325 Fig. 6). Die dortigen Barren datieren in das 1./2. Jh. n. Chr., sind jedoch stärker pyramidenstumpfförmig ausgebildet als die germanischen. In anderer Gusstechnik und zudem mit „Zipfeln“ an der Oberkante wurden die in einem Gebäude des 2. Jhs. n. Chr. gefundenen fast ein Dutzend Kleinbarren von Solaize gefertigt (Rebiscoul 2004, S. 285ff. u. Fig. 30). Ein vergleichbares Stück stammt aus Châteauneuf-les-Boissons (Cochet 2000, S. 11 Fig. 5). So lassen sich vorläufig als drei geografische Verbreitungsgruppen Germanien, Spanien und Südfrankreich unterscheiden, wobei mengenmäßig die Kleinbarren aus dem Gebiet der Germania magna überwiegen.

Verwendung des Bleis bei den Germanen

Die Verwendung von Blei im Metallhandwerk ist neben der älterkaiserzeitlichen Siedlung bei der Daseburg auch für Soest-Ardey und weiteren Fundplätzen der zweiten Hälfte des 1. und des 2. Jhs. n. Chr. um Soest belegt. Alle erbrachten Gussreste und spinnwirtelartige Objekte aus Blei, wie sie auf anderen kaiserzeitlichen Fundplätzen am Hellweg sowie Brilon-Altenbüren und Bleiwäsche gefunden wurden. Von den Soester Fundplätzen sind ebenfalls Bleibarren bekannt. Eine intensive Nutzung von Blei im Zusammenhang mit dem Schmiedehandwerk ist auch für Kamen-Westick und den Handelsplatz Zeche Erin bei Castrop Rauxel nachgewiesen (zu Westick vgl. Eggenstein 2008, S. 23-51). Der Verarbeitungsschwerpunkt liegt dort im 4. Jh. n. Chr. Kamen-Westick ist über den Zeitraum der gesamten Kaiserzeit belegt und weist einen Schwerpunkt im jüngeren Abschnitt dieser Periode auf. Die Gussformen und einige Buntmetallobjekte der Fundplätze deuten darauf hin, dass verschiedene Objekte, die als römischer Import angesehen wurden, anscheinend in Germanien hergestellt wurden (vgl. Günther 1990, S. 50f.).

Es scheint sich abzuzeichnen, dass die trapezförmigen und pyramidalen Barren hauptsächlich im handwerklichen Kontext vorkommen, so dass es sich eventuell um eine spezielle Form für (Bunt-) Metallhandwerker handelt. Archäometallurgische Untersuchungen römischer und germanischer Bunt- und Edelmetallfunde ergaben, dass bereits in der frühen römischen Kaiserzeit ein offenkundig nach handwerklichen Fähigkeiten und Möglichkeiten in sich differenziertes germanisches Feinschmiedewesen mit Spezialisten bestand. Die Handwerker waren definitiv mit römischen Produkten und Arbeitsweisen vertraut (Voss/Hammer/Lutz 1998, S. 312 u. 331).

Weiterhin auffällig ist die allgemeine Ausrichtung der germanischen Bleibarren zum Südmünsterländer Salzquellenbezirk, so dass eine mögliche Verwendung des Bleis beim Sieden von Salz zu untersuchen wäre. Das römische Barrenteilstück von Soest-Heppen deutet vermutlich an, dass die germanische Bleiproduktion nicht ausreichend war und daher auf andere Bezugsquellen zurückgegriffen werden musste. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Lagerstätten um Brilon keinen großen Betrieb zuließen und Probleme mit den starken Wasserzuflüssen zu berücksichtigen sind.

Schlussbetrachtung und Ausblick

Der Schwerpunkt der Bleiproduktion und -verarbeitung in der Germania magna liegt nach dem bisher vorliegenden Material in der zweiten Hälfte des 1. Jhs. und im 2. Jh. auf germanischer Seite. Dabei deutet sich eine Kontinuität ab der vorrömischen Eisenzeit an. Das Blei fand vor allem Verwendung im Rahmen der Buntmetallverarbeitung. Ob das Blei auch im Rahmen des Salzsiedens genutzt wurde, bleibt vorerst eine Vermutung. Wichtig ist, den Bleierzbergbau und die Kleinbarren in einem größeren Rahmen zu betrachten, d.h. unter dem Aspekt einer starken Latènisierung bis um Christi Geburt und schließlich im Zusammenhang mit römischen Einflüssen auf das germanische Handwerk unter Berücksichtigung der Wirtschaftsräume. Es beginnt sich ein komplexes Bild von germanisch-römischen Wirtschaftsbeziehungen und Technologietransfer im Montanwesen abzuzeichnen.

Insgesamt sind die Kenntnisse über den Bergbau der vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit im Sauerland noch sehr gering. Genaues Ausmaß, Lage und Abbaumethoden sind nicht bekannt. Die wenigen Indizien zeigen, dass Bergbau auf Bleierze betrieben wurde. Der Abbau begann nicht erst während der römischen Okkupation unter Augustus bzw. es war auch kein römischer Bergbau, der den Anstoß für eine spätere Fortführung unter germanischer Regie gab (Rothenhöfer 2007, S. 52f. mit Schwerpunkt auf Fortführung unter germanischer Regie und weiterer Literatur; Hanel/Rothenhöfer 2007). Das Know-how für die Bleiproduktion war bereits vorhanden, und es drängt sich der Gedanke an eine Fortführung des Bergbaus von der vorrömischen Eisenzeit bis in die römische Kaiserzeit auf.

Literatur

  • M. Bode/A. Hauptmann/K. Mezger/M. Prange, Vorläufige Ergebnisse zur geochemischen und Blei-isotopischen Provenienzuntersuchung einiger westfälischer Bleifunde mittels Vergleich mit heimischem Bleierz. Arch. Ostwestfalen 8, 2004, S. 43-46
  • T. Capelle, Bilder zur Ur- und Frühgeschichte des Sauerlandes, Brilon 1982
  • A. Cochet, Le plomb en Gaule romaine. Techniques de fabrication et produits. Monographies instrumentum 13, Montagnac 2000
  • H. Fauth/R. Hindel/U. Siewers/J. Zinnen, Geochemischer Atlas Bundesrepublik Deutschland, Hannover 1985
  • K. Günther, Schmiedesiedlung der älteren Römischen Kaiserzeit bei Warburg-Daseburg. BAW 24, Münster 1990
  • N. Hanel/P. Rothenhöfer, Römische Bleigewinnung im Raum Brilon und der Bleitransport nach Rom. In W. Melzer/T. Capelle (Hrsg.), Bleibergbau und Bleiverarbeitung während der römischen Kaiserzeit im rechtsrheinischen Barbaricum, Soest 2007 (= Soester Beiträge zur Archäologie, Bd. 8), S. 42-46
  • W. Melzer/I. Pfeffer, Soest – Ein Zentrum der Bleiverarbeitung im 1. Jahrhundert nach Christus. In W. Melzer/T. Capelle (Hrsg.), Bleibergbau und Bleiverarbeitung während der römischen Kaiserzeit im rechtsrheinischen Barbaricum, Soest 2007 (= Soester Beiträge zur Archäologie, Bd. 8), S. 91-104
  • Dies., Ein Zentrum der Bleiverarbeitung des 1. Jahrhunderts im Soester Westen. In G. Eggenstein (Hrsg.), Vom Gold der Germanen zum Salz der Hanse. Früher Fernhandel am Hellweg und in Nordwestdeutschland (Katalog zur Ausstellung im Gustav-Lübke-Museum Hamm 7.9.2008 bis 4.1.2009), Hamm 2008, S. 62-75
  • A. Rebiscoul, Solaize. Rues du Pilon et du Repos Clos des Eparviers. Bilan Scientifique de la Région Rhône-Alpes 2002 (2004), S. 185-188
  • Th. Rehren, Die Zusammensetzung einiger germanischer und römischer Bleifunde aus Nordrhein-Westfalen. Metalla 5.2, 1998, S. 63-69
  • P. Rothenhöfer, Iam et plumbum excoquere docuimus? - Zum Phänomen der germanischen Bleiproduktion im nördlichen Sauerland während der römischen Kaiserzeit. In W. Melzer/T. Capelle (Hrsg.), Bleibergbau und Bleiverarbeitung während der römischen Kaiserzeit im rechtsrheinischen Barbaricum, Soest 2007 (= Soester Beiträge zur Archäologie, Bd. 8), S. 47-55
  • H. Sandars, The Linares Bas-Relief and Roman Mining Operations in Baetica. Archaeologia 59, 1905, S. 311-332
  • W. Schriel, Der Briloner Galmei-Distrikt. Ztschr. Dtsch. Geolog. Ges. 106, 1954, S. 308-349
  • H.-U. Voss/P. Hammer/J. Lutz, Römische und germanische Bunt- und Edelmetallfunde im Vergleich. Archäometallurgische Untersuchungen ausgehend von elbgermanischen Körpergräbern. Ber. RGK 79, 1998, S. 107-382