Quo vadis? - Arbeitsplätze in der Archäologie

von: Dr. Raimund Karl , Dr. Karl R. Krierer
veröffentlicht am
Archäologie als Beruf

Sagen wir es offen und ehrlich – die Arbeitsplatzsituation in der deutschsprachigen Archäologie ist unerfreulich. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass jährlich deutlich mehr StudentInnen ihr Studium erfolgreich beenden als Posten frei werden, selbst wenn man Projektposten mitrechnet, die man ohnehin nur bekommt, wenn man persönlich und direkt gefördert wird, für die man sich also nicht einmal bewerben kann, selbst wenn man wollte (erinnern Sie sich daran, wann der letzte Projektposten öffentlich ausgeschrieben war?). Während des Studiums mag die Arbeit im nächsten McDonalds-Restaurant, unterbrochen durch mehr oder minder langfristige Grabungssaisonen, mittels derer man sich sein Studium finanzieren kann, gut genug sein, aber dann?

Um diesen Problemen zumindest teilweise zu begegnen, unseren jüngeren KollegInnen (und, das soll gar nicht verschwiegen werden, auch uns selbst und anderen bereits etwas älteren KollegInnen) Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten und gleichzeitig einigermaßen verlässliche Daten zur Arbeitsmarktsituation in der Archäologie zu bekommen, aus denen sich vielleicht in absehbarer Zukunft auch ausbildungspolitische Schlüsse ziehen lassen, haben wir gegen Ende 2003 eine archäologische Jobbörse (http://archaeologieforum.at/jobs/index.php bzw. http://archaeologieforum.at/jobnew.php) am Internet eingerichtet, in der wir uns zugetragene und an verschiedenen Orten veröffentlichte Stellenausschreibungen sammeln.

Bedingt durch Aufenthaltsort (RK in GB, KRK in A) und professionelle Affiliationen stehen uns überwiegend Informationen aus dem deutschsprachigen und britischen Raum zur Verfügung, wir beziehen aber alle Stellen mit ein, die uns bekannt werden. Im ersten Halbjahr ihres Bestehens sind in der Jobbörse insgesamt 119 Einträge vorgenommen worden, die sich in mindestens[1] 128 Stellenangebote und 1 Stellengesuch aufschlüsseln lassen (Abb. 1). Dabei stammt die überwiegende Anzahl (insgesamt 63%) aller Stellenausschreibungen aus dem Raum Großbritanniens (UK), mit Abstand gefolgt von Stellen in Deutschland (20%).

Die Stellen in Österreich (6 absolut = 5%) mögen dabei als verhältnismäßig respektabler Anteil erscheinen, bei genauerer Analyse stellt man aber fest, dass 2/3 der Ausschreibungen nur temporäre (Grabungsmitarbeit, Teilzeit-Führungspersonal, 2 Gastprofessuren an der Uni Wien) Stellen betreffen, und die verbleibenden beiden Ausschreibungen Professuren (UFG Wien und eine Vorziehprofessur „Soziologie der Geschlechterverhältnisse“ in Graz) sind, also allesamt nicht unbedingt Stellen, die für eine längerfristige Karriereplanung von KollegInnen am Beginn ihrer Karriere nützlich sind. Vergleicht man beispielsweise die Anforderungen, die bei Bewerbungen von KandidatInnen gefordert werden, so bemerkt man ganz deutlich unterschiedliche Anforderungskurven bei Stellenausschreibungen auf den britischen Inseln und am Kontinent (Abb. 2).

Liegt auf den britischen Inseln das Schwergewicht ganz klar beim ersten akademischen Abschluss, dem BA, der in Deutschland und Österreich (als EU-Ziel, Bologna-Prozess in Europa) ebenfalls in absehbarer Zukunft eingeführt werden wird, ist im deutschsprachigen Raum praktisch immer Doktorat oder gar Habilitation erforderlich. Hier wird man bald reagieren müssen, entweder, indem man die Ausbildung an deutschsprachigen Instituten derart umstellt, dass Absolventen auch im englischsprachigen Ausland Chancen bei einer Bewerbung haben (etwas, was bei zunehmender Jobmobilität innerhalb der EU ohnehin sinnvoll wäre), oder es müssen dringend zusätzliche ArchäologInnenposten geschaffen werden (z.B. durch eine radikale Einführung der von der Valetta-Konvention ohnehin geforderten Beteiligung der Archäologie am Planungsprozess, vergleichbar mit den englischen PPGs 15 und 16, mit lokalen archäologischen Einheiten, wie z.B. der Gwynedd Archaeological Trust ).

Ähnliches ist auch in Bezug auf die tatsächlich vorhandenen Arbeitsplätze und ihre Verteilung auf verschiedene Teilbereiche des Fachs zu beobachten. Wir haben – aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit für Anstellung suchende KollegInnen – drei „Hauptgattungen“ im Bereich archäologischer Tätigkeiten unterschieden, nämlich Grabungsstellen (die klarerweise hauptsächlich für StudentInnen von Interesse sind, wobei hier aber auch darauf hinzuweisen ist, dass darunter gelegentlich auch unbefristete BA-Level-Jobs mit einem Gehaltsrahmen von jährlich 25.000 bis fast 40.000 € zu finden sind), universitäre Stellen (Lehre & Forschung) und Stellen im Bereich Heritage-Management (Denkmalpflege & Museen), sowie als vierte Kategorie „sonstige“ Stellen, die hier (Abb.3) als „Medien“ wiedergegeben sind (nachdem der einzige Posten in diesem Bereich eine Redakteursstelle bei einem deutschen Archäologiemagazin war). Dabei zeigt sich deutlich, dass die Mehrzahl aller ausgeschriebenen Stellen im Bereich des Heritage-Management angesiedelt ist, ein Eindruck, der sich noch verstärkt, wenn man bedenkt, dass auch der Grossteil der Grabungsstellen in diesen Bereich fällt (obgleich hier auch einige Stellen auf Forschungsgrabungen entfallen).

Gleichzeitig ist natürlich auch anzumerken, dass die Jobbörse in diesem Bereich sicherlich insofern stark verzerrt ist, als natürlich nur ein geringer Bruchteil aller Grabungsstellen in der Jobbörse ausgeschrieben und daher von uns verzeichnet wurde. Dies ist aber – zumindest was die längerfristige Karriereplanung betrifft – weitgehend unwesentlich, weil eben der Großteil der Grabungsstellen sehr kurzfristig ist, und daher diese Verzerrung unserer Datenbasis im großen und ganzen unerheblich bleibt, was die Planung auf den Arbeitsmarkt orientierter, universitärer Ausbildungen und studentischer Eigeninitiativen zur Aneignung nützlicher Berufserfahrungen betrifft.

Dass diese Tendenz nicht ein rein britisches Sonderphänomen ist, zeigt Abb. 4 einigermaßen deutlich, denn das Verhältnis zwischen den Stellen in Deutschland, der zweiten größeren statistischen Gruppe, entspricht, zumindest grob, dem britischen Bild.

 

Allgemein lässt sich festhalten, dass, betrachtet man einen europäischen Kontext, die archäologische Arbeitsmarktlage zwar auch nicht wesentlich besser ist als im deutschen Sprachraum allein, jedoch europäische Mobilität, wie sie in den letzten Jahren intensiv von der Politik gepredigt wurde, die Jobaussichten für KandidatInnen, die entsprechend breit auf eine archäologische Karriere in einem weiteren europäischen Raum vorbereitet sind, jedoch im Großen und Ganzen nicht schlecht sind.

Die Jobbörse des Archäologieforums (http://archaeologieforum.at/jobnew.php bzw. http://archaeologieforum.at/jobs/index.php) kann hier einen wesentlichen Beitrag liefern, was die Verbreitung von Stellenausschreibungen betrifft, und damit die Möglichkeit für qualifizierte junge (und ältere) KollegInnen, sich für interessante Positionen zu bewerben, verbessern. Dazu sind wir jedoch auf Ihre Hilfe angewiesen – nur wenn wir von Stellen erfahren, können wir sie in die Jobbörse aufnehmen. Gleichzeitig müssen aber auch entsprechende Strukturen an den deutschsprachigen Universitäten und in der österreichischen und deutschen Archäologie geschaffen werden, die jungen KollegInnen ermöglichen, hochqualitative Berufserfahrungen sammeln zu können. Ansonsten wird nämlich zunehmend für junge KollegInnen die Frage „Quo vadis?“ mit „Zum Arbeitsamt!“ zu beantworten sein.

 

Fußnoten
  1. Manche der Stellenanzeigen lassen sich nicht eindeutig in bezifferbare offene Stellen aufschlüsseln, hauptsächlich solche für GrabungsmitarbeiterInnen, die im deutschen wie im englischen Sprachraum selten mit genauen Zahlen („suche 5 GrabungsmitarbeiterInnen“) ausgeschrieben werden, bei denen jedoch aus der Anzeige klar hervorgeht, dass es sich um mehrere Stellen handelt, die besetzt werden sollen („suche GrabungsmitarbeiterInnen“).