Salzproduktion und ungewöhnliche Siedlungsspuren in Werl

In Werl-Westönnen (Kreis Soest) plant die Stadt neue Wohnbebauung. Da den Archäologinnen und Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) von dem Baugebiet bereits zahlreiche Oberflächenfunde bekannt waren, wurden archäologische Grabungen im Vorfeld nötig und förderten seltene Befunde und Funde zutage: Vor etwa 2500 Jahren wurde in Werl Salz produziert, um Christi Geburt bestand hier eine germanische Siedlung, möglicherweise zeitgleich mit der kurzen römischen Besatzung.

Grube mit den Briquetagefunden
Die Grube mit den Briquetagefunden wird zurzeit noch untersucht. Foto: David Petö, Archäologie am Hellweg e. G.

"Für mich ist diese Grabung etwas Besonderes: Dank der günstigen Lage nahe einer Quelle wurde dieser Ort gleich während zwei Epochen zur Anlage einer Hofstelle ausgewählt, nämlich während der Eisenzeit vor etwa 2500 Jahren, dann wiederum von germanischen Siedlern und Siedlerinnen um Christi Geburt herum", erklärt Grabungsleiter David Petö von der ausführenden Fachfirma.

Salz war notwendig, um Nahrungsmittel (Fleisch, Fisch) über lange Zeiträume haltbar zu machen, was die Abhängigkeit von saisonaler Verfügbarkeit verringerte. Die sogenannten Briquetage-Reste sind Scherben grob gebrannter Produktionskeramik, wie sie in der Vorzeit beim Salzsieden zum Erhitzen der Sole in Gebrauch war. Die ebenfalls gefundenen Reste eines Ofens deuten eindeutig auf eine Produktion vor Ort hin. Damit ist nun, neben den altbekannten Funden aus dem Werler Stadtkern der zweite Nachweis von eisenzeitlicher Salzsiederei in Westfalen gelungen, erklärt Grabungsleiter Petö.

Am nördlichen Rand der Ausgrabungsfläche konnten die Expertinnen und Experten zudem einen kreisrunden Graben entdecken. Er datiert vermutlich in die Bronze- oder Eisenzeit (von 2000 bis 500 v. Chr.), erklärt Dr. Eva Cichy, wissenschaftliche Referentin der zuständigen LWL-Außenstelle in Olpe: "Hierbei handelt es sich um den Rest einer Bestattung unter einem Grabhügel, eine typische Bestattungsform für diese Zeit." Möglicherweise gehöre die Grabanlage zu einem nicht erfassten Gräberfeld, dass sich nördlich an die aktuell untersuchte Fläche anschließt, vermutet die Archäologin. Dieses Areal wurde allerdings schon in den 1960er und -70er Jahren ohne archäologische Begleitung überbaut. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Werl beim aktuellen Bauvorhaben konnten diesmal viele wichtige Befunde und Funde geborgen und dokumentiert werden.

Nach den eisenzeitlichen Salzproduzenten ließen sich germanische Siedlerinnen und Siedler um die Zeitenwende an derselben Stelle nieder. Das beweisen in Westfalen für diese Zeit seltene, aber für die Fachleute sehr eindeutige Befunde im Boden. Anhand von Bodenverfärbungen konnte das Team den Grundriss von zwei sogenannten Wandgräbchenhäusern rekonstruieren: "Vor allem zu einem zweischiffigen Gebäude kennen wir gute Parallelen aus den Niederlanden, der Bautyp ist dort auf das Siedlungsgebiet des germanischen Stamms der Bataver beschränkt", weiß Eva Cichy. Zeitlich zu dem Bau passend kam das Fragment eines römischen Pferdegeschirrbeschlags des ersten Jahrhunderts n. Chr. zutage. Warum die Siedler in Westönnen ihr Haus in einer regional untypischen Weise bauten, das ist eine von vielen Fragen, die durch eine folgende wissenschaftliche Auswertung beantwortet werden sollen.

Die beiden Wohnhäuser werden durch Nachweise einer Grubenhütte als Werkplatz, kleinen Speichergebäuden und großen Vorratsgruben zu einer geschlossenen und für das geschulte Auge sehr anschaulichen Hofstelle ergänzt: "Man könnte sagen, eine kaiserzeitliche Hofstelle wie aus dem Lehrbuch," freut sich Cichy.

Briquetage
In die Schälchen wird Sole eingefüllt, diese werden dann auf den Säulen im Ofen platziert. Foto: David Petö, Archäologie am Hellweg e. G.
Wandgräbchenhaus im Planum (Luftbild)
Eines der beiden Wandgräbchenhäuser im Luftbild. Foto:David Petö, Archäologie am Hellweg e. G.
Grabungsplan
Der vorläufige Grabungsplan zeigt die eisenzeitlichen Befunde vor allem im Westen und die kaiserzeitlichen Häuser im Osten. Foto: David Petö, Archäologie am Hellweg e. G., Eva Cichy, LWL-AfW
Römisches Pferdegeschirr (Fragment)
Fragment eines römischen Pferdegeschirrs. Foto:David Petö, Archäologie am Hellweg e. G.
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