Wie Augsburgs römisches Erbe wachgeküsst werden soll

Mit "Experimenteller Archäologie" will der Lehrstuhl für Alte Geschichte der Universität Augsburg (Prof. Dr. Gregor Weber) römische Stadtgeschichte in Augsburg vor Ort lebendig machen und ins Bewusstsein rufen.

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Von ihrer "Experimentellen Archäologie" versprechen sich Projektleiter Christian Koepfer und Prof. Weber neue Erkenntnisse über das römische Augsburg. 2000 Jahre alte militärische Ausrüstungsgegenstände und Alltagsutensilien sollen rekonstruiert und erprobt werden. Dementsprechend nicht nur theoretisch, sondern auch "in Praxis" werden sich künftig Studentinnen und Studenten des Lehrstuhl für Alte Geschichte in einschlägig konzipierten Seminaren der Gründungszeit Augsburgs widmen, um ihre Erkenntnisse dann zu publizieren und sie auch unmittelbar, z. B. an Schulen, zu vermitteln. "Wir meinen, damit nicht nur die über 2000 Jahre alte Römerstadt Augsburg greifbarer, bewusster und bekannter machen zu können", sagt Weber.

"Obwohl der Name Augsburg deutlich auf die römische Gründung der Stadt zur Zeit des Kaisers Augustus verweist, scheinen die römischen Anfänge ihrer Stadtgeschichte im Bewusstsein der Augsburger eher gering präsent zu sein", meint Weber und ist überzeugt davon, dass sich dieses Defizit mit "Experimenteller Archäologie" beheben lassen werde. Denn aufgrund seiner reichen archäologischen Funde dränge Augsburg sich wie kaum ein anderer Ort für solch ein Projekt geradezu auf.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Augsburg ein in der Wissenschaft bislang wenig beachteter, aber weltweit in seinem Umfang - über 10.000 Stücke - und in seiner Zusammensetzung einzigartiger Fund ziviler, hauptsächlich handwerklicher und militärischer Objekte aus der zwischen 15 v. und 15 n. Chr. zu datierenden Gründungszeit der Stadt gemacht. "Dieser Fund", so Weber, "ist ein einzigartiges Fenster in die Zeit um Christi Geburt."

Um so bedauerlicher sei es, dass dieser Fund bislang nur sehr bruchstückhaft im Römischen Museum der Stadt präsentiert werden könne. Für detaillierte Untersuchungen der Objekte standen bislang keine hinreichenden Ressourcen zur Verfügung. "Dieses Defizit", verspricht Weber, "werden wir mit unserem Projekt beheben. Von unseren Experimenten mit dem bislang mehr oder weniger brachliegenden Augsburger Fundus archäologischer Schätze versprechen wir uns neue Erkenntnisse über das Handwerk, das Militär, die Lebensweise, die Wirtschaft und die Gesellschaft des römischen Augsburgs. Durch die unmittelbare Vermittlung unserer Forschungsarbeit und ihrer Ergebnisse wollen wir darüber hinaus der Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern bei der Suche nach ihrer historischen Identität, die auf zwei Jahrtausende zurückgreifen kann und faktisch hierzulande ihresgleichen sucht, ein wenig auf die Sprünge helfen. Und zugleich sind wir davon überzeugt, dass wir mit diesem Projekt handfest dazu beitragen können, dass sich die 'Experimentelle Archäologie' als anerkannte wissenschaftliche Disziplin durchsetzt."

Am Montag, dem 22. Juni 2009, um 20.00 Uhr wird Christian Koepfer das von der Kurt und Felicitas Viermetz-Stiftung geförderte Projekt "Experimentelle Archäologie" des Augsburger Lehrstuhls für Alte Geschichte im Römischen Museum der Stadt Augsburg (Dominikanergasse 15, 86150 Augsburg) mit einem öffentlichen Vortrag vorstellen. Der Eintritt ist frei.

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