Wenn Klimawandel zur Migration führt

Sind bereits in der Mittleren Steinzeit Menschen im Gebiet des heutigen Äthiopien vor dem quartärzeitlichen Klimawandel in die kühleren Klimazonen der Berge geflüchtetet? Das ist eine der zentralen Fragen, die ein neuer Forschungsverbund mit einem multidisziplinären Ansatz geografischer, geochemischer, archäologischer, ökologischer und biologischer Methoden klären möchte. Ziel ist die Rekonhstruktion des Ökosystems der äthiopischen Bale Mountains und die Identifizierung anthropogener Prozesse, die die Evolution dieses Ökosystems mit geformt haben könnten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben mit 2,5 Millionen Euro.

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Bale Mountains
Die Bale Mountains in Äthiopien. Haben hier bereits im Quartär Menschen vor dem Klimawandel Zuflucht gesucht? Foto: Indrik myneur, Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-2.0 de (Kurzfassung). Originaldatei: Bale Mountns.

Die »Bale Mountains« sind ein Gebirge im östlichen Afrika, dessen Gipfel eine Höhe bis zu 4.300 Meter erreichen. Auf dem gesamten Kontinent gibt es keine größere, geschlossene alpine Landschaft. Wegen ihrer Abgeschiedenheit sind die Berge besonders reich an endemischen Arten, das sind Tiere und Pflanzen, die nur dort vorkommen. »Das größte afroalpine Ökosystem gilt als naturnah«, erklärt der Marburger Geograph Professor Dr. Georg Miehe, der Sprecher des Konsortiums. »Wir gehen trotzdem davon aus, dass auch dieses Hochgebirge schon früh, vielleicht sogar schon von steinzeitlichen Jägern durch Feuer zu einer Kulturlandschaft erschlossen wurde.«

Wie viel menschlicher Einfluss hat das Ökosystem des afroalpinen Hochgebirges tatsächlich geprägt? Welche Anzeichen gibt es für eine frühe Besiedlung der Berge durch Menschen, die in den Bergen Zuflucht vor lebensfeindlichen Klimaänderungen suchten? »Unser Konzept verbindet Kulturwissenschaften wie Archäologie und Landnutzungsgeschichte mit Naturwissenschaften, um die Umweltgeschichte zu rekonstruieren«, erläutert Miehe.

Forschungsverbünde der DFG ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Das neue Vorhaben mit dem Titel »The Mountain Exile Hypothesis: How Humans Benefited from and Re-shaped African High Altitude Ecosystems During Quaternary Climate Changes« führt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Fachbereich Biologie und dem Fachbereich Geographie der Philipps-Universität mit Arbeitsgruppen aus Köln, Bayreuth, Halle, Dresden, Bern, Aberystwyth , Paris und Addis Abeba zusammen. Verbundsprecher Professor Dr. Georg Miehe lehrt Biogeographie und Hochgebirgsökologie an der Philipps-Universität.
 

Kommentare (1)

  • Andreas Dr. Banholczer
    Andreas Dr. Banholczer
    am 24.03.2016
    hmmm...und selbst wenn es zeitlich zusammenfällt, ist das noch kein Kausalzusammenhang. Ähnliches gilt für die als Wikinger bezeichneten Völker. Hier wird auch immer mit dem Klimawandel für ihre Ausdehnung argumentiert. Das damals Skandinavien aber auch einen politisch/gesellschaftlichen Wechsel (Kleinkönigtum und Stammesgesellschaft zu Königtum und Staatswesen) durchlebte, ist wenig reflektiert. Aber Klimawechsel ist halt "in".

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