Was der Name im frühen Mittelalter verrät

"Sag mir, wie Du heißt, und ich sag Dir, wer Du bist", ist das Motto der internationalen Tagung der DFG-Forschergruppe "Name und Gesellschaft" vom 24. bis 26. September

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, zu der Geschichtsprofessor Dr. Dieter Geuenich von der Universität Duisburg-Essen mehr als 50 Historiker, Germanisten, Romanisten, Slawisten und Skandinavisten aus Deutschland, England, Italien, Österreich und der Schweiz erwartet.

Behandelt werden vor allem sprachwissenschaftliche und historische Aspekte der frühmittelalterlichen Personennamengebung, wobei schwerpunktmäßig auch Fragen des EDV-Einsatzes berücksichtigt werden.

Das DFG-geförderte Expertentreffen beleuchtet die zentrale Frage, ob frühmittelalterliche Personennamen die sprachliche, ethnische, soziale und kulturelle Gruppenzugehörigkeit anzeigen. Wenn also in Schriftquellen aus dem 3. bis 8. Jahrhundert n. Chr. ein Amalung, Widukind, Chlodwig, Remigius oder Ursicinus genannt wird, weiß man dann bereits zuverlässig, welcher sozialen und gesellschaftlichen Schicht, welchem Stamm oder welcher Familie sie angehören? Trugen Adlige grundsätzlich andere, exklusive Namen als zum Beispiel Zinspflichtige und Hörige? Hatten die Franken oder Alemannen andere Personennamen als die Goten?

Prof. Geuenich: "Zu klären ist dies nur durch die kritische Durchmusterung möglichst aller erreichbaren Namenzeugnisse, die sich auf etwa 50.000 nachgewiesene Stellen in den überlieferten Schriftquellen von der Völkerwanderung bis zur Zeit Karls des Großen erstrecken." Dazu wurde eine internetbasierte Datenbank geschaffen, auf die von jeder der beteiligten Universitäten zugegriffen werden kann und die nach Abschluss des Forschungsprojektes allen interessierten Benutzern offen stehen soll. Für diese Forschungsleistung ist den Projekt-Mitarbeitern der Preis der "Henning Kaufmann-Stiftung zur Förderung der deutschen Namenforschung auf sprachgeschichtlicher Grundlage" zuerkannt worden, der im Rahmen des Kolloquiums überreicht wird.

Das DFG-Projekt verbindet bereits seit mehr als fünfzehn Jahren eine Gruppe von Mittelalter-Historikern und Sprachwissenschaftlern. Es begann zunächst als Pilotprojekt an der Universität Duisburg und wurde dann ausgeweitet auf die Universitäten Braunschweig, Bremen, Hamburg, Koblenz, Magdeburg, Paderborn, Regensburg und Saarbrücken. Ziel der Arbeitsgruppe ist die Erforschung der Zusammenhänge, die zwischen der Personennamengebung und der ethnischen beziehungsweise sozialen Zugehörigkeit der Träger dieser Namen im frühen Mittelalter (vom 3. bis 8. Jahrhundert n. Chr.) bestanden.

24. - 26. September 2004

"Name und Gesellschaft im Frühmittelalter.

Personennamen als Indikatoren für sprachliche, ethnische, soziale und kulturelle Gruppenzugehörigkeiten ihrer Träger"

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Dieter Geuenich, Geschichte

Veranstaltungsort: Katholischen Akademie "Die Wolfsburg"

Falkenweg 6, 45478 Mülheim an der Ruhr

 

Quelle: Uni Duisburg Essen

Kommentare (2)

  • Volker Klein
    Volker Klein
    am 23.09.2004
    Sind denn unter den genannten ca 50 000 nachgewiesenen Stellen auch Namensträger nichtadeliger Herkunft?
  • tamara toska
    tamara toska
    am 09.01.2006
    habe einen albanischen mann. sein vater stammt aus apollonia. wuerde gerne die herkunft oder die bedeutung seines nachnamens kennen: TOSKA.
    und die bedeutung meines deutschen maedchennamens: ZANGER.
    lg, tamara

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