Unerwarteter Fund aus römischer Zeit verzögert Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums
Römisches Bauwerk bei Aushubarbeiten freigelegt
Bei den laufenden Aushubarbeiten für den Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud ist ein bedeutendes archäologisches Zeugnis aus der Römerzeit entdeckt worden. Freigelegt wurde ein Uferschutzbauwerk des römischen Hafens von Köln, bestehend aus einer Pfahlwand aus dicht an dicht in den Boden gerammten, angespitzten Eichenbalken. Die vierkantig zugesägten Pfähle weisen Querschnitte von etwa 25 mal 30 Zentimetern auf und bilden eine geschlossene Wand.
Die Konstruktion diente als bauvorbereitende Maßnahme für die rheinseitige römische Stadtmauer. Gleichzeitig stabilisierte sie den Bauplatz und schützte das Ufer der damaligen Hafenrinne. Überraschend ist vor allem der Fundort: Das Bauwerk war weiter westlich, näher an der römischen Stadtmauer, erwartet worden. Seine Lage an der nun freigelegten Stelle gilt daher als unerwartet und stadtgeschichtlich besonders aufschlussreich.
Archäologische Untersuchungen im sensiblen Baugrund
Das Baugrundstück liegt in einem ausgewiesenen Bodendenkmal über dem ehemaligen Hafen des römischen Kölns, einschließlich Stadtmauer und zentralem Rheintor. Aus diesem Grund führt das Römisch-Germanisches Museum der Stadt Köln seit Beginn der Erdarbeiten bauvorgreifende archäologische Ausgrabungen durch. Diese erfolgen in enger Abstimmung mit den Bauverantwortlichen und auf Grundlage des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen.
Trotz umfangreicher Vorerkundungen konnten nicht alle Befunde im Voraus erkannt werden. Bereits beim Abbruch des ehemaligen Kaufhauses Kutz kamen im Frühjahr 2025 weitere unvorhersehbare Funde zutage, darunter ein hochmittelalterlicher Keller mit gut erhaltenen Bruchsteinmauern. Zudem wurden zwischen den Kellern inselartig erhaltene Erdpolster mit intakter archäologischer Schichtenfolge entdeckt. Diese enthielten unter anderem Latrinengruben und Brunnen, die vor dem Abtrag archäologisch untersucht werden mussten.
Auswirkungen auf Bauzeit und Kosten
Die Vielzahl archäologischer Befunde sowie weitere Besonderheiten des historischen Baugrunds, darunter auch Quecksilberfunde, haben den Bauablauf beeinflusst. Insgesamt führten die Beeinträchtigungen zu einer Bauzeitverlängerung von vier Monaten. Aktuell wird von einer baulichen Fertigstellung im vierten Quartal 2027 ausgegangen, die Eröffnung ist für das vierte Quartal 2028 geplant.
Die zusätzlichen Aufwände werden aus einem eigens eingerichteten Risikobudget gedeckt. Das Gesamtkostenbudget für den Erweiterungsbau und zusätzliche Verwaltungsflächen in Höhe von 129,7 Millionen Euro (brutto) gilt weiterhin als ausreichend.
Markus Greitemann, Beigeordneter für Planen und Bauen der Stadt Köln, betont in diesem Zusammenhang:
„Wir wussten, dass der Untergrund in der Kölner Innenstadt, vor allem in diesem geschichtsträchtigen Bereich des Erweiterungsbaus, sehr risikobehaftet ist. Daher haben wir im Rahmen des Risikomanagements ein Risikobudget gebild.“
Weitere Funde nicht ausgeschlossen
Auch im weiteren Verlauf der Bauarbeiten bleibt das Risiko neuer Entdeckungen bestehen. Der externe Projektmanager Prof. Jürgen M. Volm erklärt:
„Im Rahmen der Herstellung des Kellerkastens sind weitere Erdbewegungen erforderlich, bei denen weitere Funde entdeckt werden können. Erst wenn wir mit dem Bau auf dem Niveau der umgebenen Straßen angekommen sind, gibt es dieses Risiko nicht mehr. Wie immer arbeiten wir eng verzahnt mit dem Römisch-Germanischen Museum, um die Freilegung und Dokumentation der Funde so schnell wie möglich voranzubringen.“
Die aktuellen Entdeckungen liefern wertvolle neue Erkenntnisse zur römischen Hafenanlage Kölns und verdeutlichen zugleich die Herausforderungen, die das Bauen in einem historisch dicht besiedelten Stadtraum mit sich bringt.





