Sparsame Kalkbrenner

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sind bei Brilon-Bleiwäsche auf die Überreste eines historischen Kalkbrennofens aus dem 19. Jahrhundert gestoßen. Auffällig an der Anlage sind die preiswerten und teilweise recycelten Materialen: Wer hier einst am Werk war, wollte mit geringen Investitionen Geld machen.

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Der Kalkbrennofen im freigelegten Zustand
Der Kalkbrennofen im freigelegten Zustand. Deutlich erkennbar sind die weiße Kalkfüllung und die roten Wände der Ziegelmauer. (Foto: LWL/L. Cramer)

Der Kalkofen liegt in einem alten Steinbruch und war bislang unter einem bis zu zwei Meter hohen Erdhügel verborgen. Erst die geplante Erweiterung eines modernen Steinbruchs führte zur Entdeckung des Kalkofens. Experten der LWL-Archäologie für Westfalen haben ihn mit Unterstützung der Betreiberfirma des Steinbruchs ausgegraben. Der alte Steinbruch, in dem der ausgegrabene Ofen stand, baute auf rund 2.900 Quadratmeter maximal 1.500 Kubikmeter Kalkstein ab.

Der Kalkbrennofen ist aus Ziegeln gemauert. Er hat die Form eines Bienenkorbes mit einem Durchmesser von zweieinhalb Metern. Durch einen sogenannten Schürkanal wurde der Ofen mit Brennstoff befeuert. Ursprünglich war der Ofen mit Ausnahme der Vorderseite ringsum von aufgeschütteter Erde umgeben, um die Wände zu festigen. Die Vorderseite war mit einer zusätzlichen Mauer aus Kalkstein stabilisiert. Darüber hinaus waren in diesem Bereich Eisenstangen in das Ziegelmauerwerk eingebaut. Auch der Schürkanal wurde mit Eisenplatten ausgelegt. "Solche Stabilisierungen waren notwendig, da diese Öfen einem hohen Innendruck standhalten müssen", erläutert LWL-Archäologe Dr. Manuel Zeiler.

Überrascht waren die Forscher aber nicht von dem Aufbau, sondern von der Wahl der Baumaterialien. Die für den Brennofenbau verwendeten Ziegel stellten sich als noch ungebrannt heraus. Alle eingebauten Eisenteile waren wiederverwendete Objekte. Darunter fand sich beispielsweise eine mit Rokoko-Ornamenten verzierte Ofenplatte. "Die Erbauer waren bei der Errichtung der Anlage sehr sparsam und haben günstiges Material genutzt", so Zeiler. "Dieser Befund zeigt, dass Recycling keine Erfindung der Gegenwart ist."

Das Brennen von Kalk ist ein Verfahren, das in Europa seit der Antike bekannt ist. Der Kalkstein wird auf Temperaturen zwischen 900 und 1.200 Grad Celsius erhitzt und es entsteht sogenannter Branntkalk. Dieser war wertvoller Rohstoff insbesondere für das Bauwesen, weil aus dem Brandkalk Mörtel hergestellt werden konnte. Bis heute sind die Kalksteinvorkommen der Briloner Hochfläche im Hochsauerlandkreis ein begehrter Rohstoff.

Blick von außen in den freigelegten Schürkanal
Blick von außen in den freigelegten Schürkanal. Er wurde mit Eisenteilen und mit Ofenplatten verstärkt, die hier zweitverwendet wurden. (Foto: LWL/M. Zeiler)

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