Neue archäologische Erkenntnisse zur Stadtentwicklung Schmalkaldens

800-jährige Siedlungskontinuität

Seit April 2016 finden in Schmalkalden archäologische Untersuchungen auf dem ca. 1800 m² großen Grundstück Hoffnung 3–5 durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) statt. Die Lage im Altstadtbereich und im Umfeld des Judenviertels bzw. der 2015 entdeckten Mikwe in der Hoffnung 38 waren von Anfang an vielversprechend – und wurden nun sogar noch übertroffen.

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Ausgrabung Schmalkalden
Hochmittelalterliches Steinwerk während der Ausgrabung in Schmalkalden, im Hintergrund eine frühneuzeitliche Zisterne. Foto: Ch. Bickel, TLDA, Römhild

So belegen Siedlungsspuren des 12./13. Jh. eine rund 800-jährige Besiedlungskontinuität an dieser Stelle – und damit deutlich länger, als bisher angenommen. Neben Siedlungsgruben und Spuren von Pfostengebäuden dieser Zeitstellung überraschte der Nachweis eines ca. 9 × 10 m großen Gebäudes mit steinernen, ca. 1 m starken Fundamenten, teilweise in besonderer Bauweise, der sog. opus spicatum-Technik (»Fischgrätenmauerwerk«). Es könnte sich damit um eine hochmittelalterliche Kemenate oder das Steinwerk einer hochgestellten Persönlichkeit wie eines Henneberger Ministerialen oder Burgmannen handeln.

Außerdem fanden sich mehrere frühneuzeitliche Einrichtungen der Wasserversorgung (Brunnen und steinerne Zisterne) sowie renaissancezeitliche straßenseitige Wohnbebauung. Zu den zahlreich geborgenen Funden gehören Knochenschnitzereien, Perlen, Münzen und hochwertige Keramik wie Fayence und Porzellan, von denen bei der Präsentation eine Auswahl gezeigt wird.

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