Medienrevolution im Mittelalter

 

Das Bild vom dunklen, fremden Mittelalter hält sich hartnäckig - und ist doch falsch. Von der Farbigkeit dieser Epoche kann man sich jetzt auf einer CD-ROM überzeugen, die der Schrift im Mittelalter, ihren Funktionen und ihrem Wandel gewidmet ist.

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Während des 11./12. Jahrhunderts fand eine erste europäische Medienrevolution statt. Seit dieser Zeit nahm die Verwendung von Schrift zu. Unterschiedliche Textgattungen, etwa Notariatsurkunden, Schulbücher oder Einblattdrucke, bekamen neue, wichtige Aufgaben in der alltäglichen Kommunikation. Die Ursachen und Folgen dieser Veränderungen werden auf der CD-ROM an ausgewählten Beispielen erörtert.

In elf Multimediabeiträgen aus den Fachgebieten Theologie, Philologie, Geschichtswissenschaften, Kunstgeschichte und Germanistik können sich die Nutzer über Themen wie Buchmalerei, Weltchroniken oder die ersten gedruckten Einladungen zu Schützenfesten informieren.

Das Besondere an den mittelalterlichen Texten, die man zunächst durch Abschreiben vervielfältigte und verbreitete, ist, dass sie beim Kopieren verändert, das heißt, neuen Anforderungen und Gegebenheiten angepasst wurden: Sie waren offen und "in Bewegung". Die Vorstellung eines "Originals" im Sinne eines autorisierten Urtextes, der möglichst unverändert bewahrt werden muss, war dem mittelalterlichen Schriftgebrauch weitgehend fremd.

Der Titel der CD-ROM lautet "Schrift im Wandel - Wandel durch Schrift. Die Entwicklung der Schriftlichkeit im Mittelalter" spielt einerseits auf diese Kontextabhängigkeit an und andererseits auf die durch die Schrift ausgelösten Entwicklungen. Die multimediale Aufbereitung erlaubt es, die Veränderungen in den vorgestellten Texten nicht nur zu beschreiben, sondern den Prozess nachvollziehbar zu machen.

Die CD-ROM gibt Einblick in die Arbeit des Sonderforschungsbereichs "Träger, Felder, Formen pragmatischer Schriftlichkeit im Mittelalter", den die DFG von 1986 bis 1999 an der Universität Münster gefördert hat. Die Forschungsergebnisse werden in Ergänzung zum üblichen Abschlussbericht multimedial präsentiert, da sich diese neue Publikationsform für die Darstellung der Ergebnisse sehr gut eignet.

Die CD richtet sich an die Fachwelt wie an die Öffentlichkeit und eignet sich für das Eigenstudium ebenso wie für den Einsatz in der universitären Lehre oder im Schulunterricht. Die Herausgeber hoffen, damit ein neues Publikum zu erreichen und bei ihm Interesse an der Mittelalterforschung zu wecken.

 

Schrift im Wandel - Wandel durch Schrift. Die Entwicklung der Schriftlichkeit im Mittelalter

Franz-Josef Arlinghaus, Marcus Ostermann, Oliver Plessow und Gudrun Tscherpel (Hrsg.)

(Utrecht Studies in Medieval Literacy 6a) Brepols Publishers NV, Turnhout 2003,

Preis 45 Euro

ISBN: 2-503-51167-8

 

Quelle: Uni Münster

Kommentare (4)

  • Georg Hausmann
    Georg Hausmann
    am 08.01.2004
    Das hat vor einem Jahr mein historisches Weltbild erschüttert. Alles ist "beim Abschreiben verändert" worden.Das Internet ist da auch nicht besser...
  • Hans Wilhelm Daehnhardt
    Hans Wilhelm Daehnhardt
    am 10.01.2004
    Richtig ist, dass die Originale meistens als zu primitiv nicht aufbewahrt wurden. Lediglich die Kalligraphisch "verschönerten"
    Kopien wurden als Wertvoll aufbewahrt. Meistens konnten die Kopisten auch weder lesen noch schreiben und verschönerten künstlerisch die
    Folianten, so dass man schliesslich des öfteren den Text nicht mehr verstehen konnte.
  • ChilL
    ChilL
    am 10.01.2004
    Das is genial
  • Michael Mallmann
    Michael Mallmann
    am 13.01.2004
    die Idee mit der CD ist gut, allerdings ist der Preis meines Erachtens mit € 45,- doch etwas zu hoch. Jedenfalls bin ich nicht bereit einen solchen Preis für eine CD zu bezahlen, die mich zwingt, ein geignetes Lesegerät (Laptop) mitzuführen, wenn ich die Texte ausserhaus studieren möchte.
    Dafür wäre ein Buch besser geeignet.

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