Kultbezirk im Herzen des römischen Nida wird weiter erforscht: Forschungsteam wirbt mehr als eine Million Euro ein

Zwischen 2016 und 2022 konnten in der Frankfurter Nordweststadt auf einer Fläche von knapp einem halben Hektar große Teile des Kultbezirks der antiken römischen Stadt Nida entdeckt und ausgegraben werden. Um die Ergebnisse dieser Ausgrabung eingehend wissenschaftlich auswerten zu können, haben das Archäologische Museum Frankfurt, die Goethe-Universität und die Universität Basel gemeinsam Mittel über eine Million Euro eingeworben.

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Plan des römischen Nida
Gesamtplan des römischen Nida mit seinen Gräberfeldern. Der Kultbezirk entstand im Zentrum der Stadt in einem Bereich, den man zuvor als Teil des zentralen Marktplatzes (forum) angesehen hatte (Vorlage: E. Quednau / AMF).

Der Kultbezirk umfasst elf Steinbauten, die in mehreren Phasen errichtet worden waren, sowie etwa 70 Schächte und zehn Gruben für (rituelle) Deponierungen. Die Gebäudegrundrisse sind ungewöhnlich; sie finden keinen Vergleich in den germanischen und gallischen Provinzen des Römischen Reiches. Das die Gebäude architektonisch aufwändig gestaltet waren, belegen mehr als 5.000 Fragmente von bemaltem Wandverputz sowie bronzene Beschläge von Türen und Fenstern.
In den entdeckten Schächten und Gruben fanden sich neben zahlreichen Keramikgefäßen große Mengen an pflanzlichen und tierischen Überresten, darunter von Fischen und Vögeln. Dabei handelt es sich vermutlich um die Reste kultischer Mahlzeiten und Opferhandlungen für die Götter. Um diese im Detail auswerten zu können, wurden unter anderem 150 Proben für archäozoologische und archäobotanische Untersuchungen genommen.

Für die Auswertung der Grabungen in dem großen römischen Heiligtum auf dem Areal der antiken Stadt Nida (Frankfurt am Main-Heddernheim) haben die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) zusammen mehr als eine Million Euro bewilligt. Damit erhalten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den nächsten drei Jahren die Gelegenheit, eine der herausragenden neuen archäologischen Entdeckungen auf dem Gebiet des römischen Germaniens umfassend zu erforschen.
Ausgehend von der Analyse der Raumgestaltung des Heiligtums und der Auswertung der Deponierungen sollen die vor Ort geübten rituellen Praktiken rekonstruiert werden. Auf diese Weise kann der Kultbezirk von Nida schließlich kulturhistorisch in die Sakrallandschaft der römischen Nordwestprovinzen eingeordnet werden. 

Denn Rückschlüsse auf die am Ort verehrten Gottheiten sind trotz der bemerkenswert guten Erhaltung der archäologischen Fundstelle bislang nur eingeschränkt möglich. Durch Inschriften und bildliche Darstellungen bezeugt sind neben dem höchsten römischen Gott Jupiter der vor allem von Soldaten verehrte Jupiter Dolichenus, der Gott für Handel und Wirtschaft Mercurius Alatheus, die Naturgöttin Diana, der Heilgott Apollon und die keltisch-römische Fruchtbarkeitsgöttin Epona. Das lässt darauf schließen, dass es sich um ein überregional bedeutendes Heiligtum handelt, in dem mehrere Gottheiten nebeneinander verehrt wurden.

Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde der Kultbezirk zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. angelegt und dürfte zumindest bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. bestanden haben.