Informelle politische Gespräche in der römischen Republik

Wie Politik während der späten römischen Republik funktionierte und welche Parallelen es zur heutigen Zeit gibt, wird aktuell von der spanischen Wissenschaftlerin Dr. Cristina Rosillo Lopez untersucht, die seit Anfang März am Institut für Geschichte bei Prof. Martin Jehne an der TU Dresden als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung zu Gast ist.

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Goldstater der Römischen Republik

Cristina Rosillo Lopez lehrt und forscht an der Universidad Pablo de Olavide in Sevilla auf dem Gebiet der Alten Geschichte und der Geschichte des Altertums. »Mein Spezialgebiet ist die späte römische Republik und das politische Leben in dieser Zeit. Das Forschungsprojekt, mit dem ich mich auf das Humboldt-Forschungsstipendium beworben habe, wird sich mit informellen Konversationen als Teil des politischen Lebens in der römischen Republik befassen«, berichtet Cristina Rosillo Lopez. Sie wird gemeinsam mit den Wissenschaftlern des Lehrstuhls für Alte Geschichte der TU Dresden untersuchen, wie durch informelle Konversationen Gesetzesvorhaben in der römischen Republik beeinflusst werden konnten. Diese Gespräche dienten mehreren Zwecken: Zum einen wurden sie für die Verbreitung von Informationen innerhalb der politischen Elite aber auch innerhalb des Volkes genutzt. Zum anderen gab es in der römischen Republik keine Parteien im heutigen Sinn. Die politischen Allianzen zwischen Politikern waren meist sehr kurzlebig. Durch informelle Gespräche konnte festgestellt werden, welche Politiker welche Gesetzesvorhaben befürworteten oder ablehnten und somit konnten die Senatoren auch entsprechend beeinflusst werden. »Es ist faszinierend zu erforschen, wie Politik damals funktionierte und wie viele Parallelen es zur heutigen Politik gibt, obwohl die römische Republik keine Demokratie nach unserer aktuellen Definition ist«, erklärt Rosillo Lopez.

Die Spanierin wählte die TU Dresden und Prof. Martin Jehne, weil »er einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Geschichte der römischen Republik ist. Er ist national und international bekannt und sehr angesehen. Außerdem kenne ich ihn schon lange und wir haben bereits gemeinsam an zwei Forschungsprojekten gearbeitet, die von dem spanischen Wissenschaftler Francisco Pina Polo geleitet wurden. Das Stipendium bietet mir die Möglichkeit, Deutschland besser kennenzulernen, mein Deutsch zu verbessern und mit Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten, die führend auf dem Gebiet der politischen Kommunikation in verschiedenen Epochen sind.« Rosillo Lopez wird noch bis Juli in Dresden an ihrem Projekt forschen, dann kehrt sie zurück nach Spanien, um im Wintersemester 2015/16 an ihrer Heimatuniversität ihre Vorlesungen zu halten. Im nächsten Jahr wird sie erneut von Februar bis August an der TU Dresden zu Gast sein, um an ihrem Forschungsprojekt weiterzuarbeiten.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert exzellente Wissenschaftler, die in Deutschland ein Forschungsprojekt mit einem Gastgeber und Kooperationspartner ihrer Wahl durchführen möchten.

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