Harald Blauzahns Königshof gefunden

In Jelling im dänischen Jütland haben Archäologen Strukturen freigelegt, die vermutlich zum Königshof von Harald Blauzahn gehören. Der König, nach dem die Funktechnik Bluetooth benannt ist, herrschte im 10. Jahrhundert über Dänemark und Norwegen.

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Trelleborg-Haus in Jelling
Grundriss eines Hauses vom Typ Trelleborg in Jelling. Foto: Peter Jensen / Jelling-Projekt

Über Jahrhunderte hatten skandinavische Forscher gerätselt, wo sich der Herrschaftssitz des berühmten Königs Blauzahn einst befand. Jetzt glauben Archäologen der Universität Århus dieses Rätsel lösen zu können.

Im nordöstlichen Bereich des Jelling-Komplexes, der wegen seiner Runensteine weltbekannt ist und zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, haben die Forscher kürzlich die Überreste von vier Häusern aus Blauzahns Zeit (910 - 987) freigelegt. Sie liegen innerhalb einer einst mit Palisaden bewehrten Befestigung und gehören zum sogenannten Trelleborg-Typ. Häuser des gleichen Typs wurden auch in den Ringforts von Aggersborg, Fyrkat und Trelleborg gefunden.

»Die Befunde zeigen uns, dass wir einen großen Komplex gefunden haben, dessen geometrische Struktur ein typisches Beispiel für die Anlagen unter König Harald ist«, sagte Ausgrabungsleiter Mads Dengsø Jessen von der Universität Århus. Die Anlage sei in den Dimensionen und der Art vergleichbar mit den deutschen Kaiserpfalzen.

»Diese neue Erkenntnis bedeutet auch, dass wir möglicherweise die Ringforts allgemein in einem anderen Licht betrachten müssen«, erklärte Jessen weiter. Bisher werden diese kreisförmigen Befestigungen als reine Militärlager interpretiert. Wenn die Befestigung in Jelling aber als eine Pfalz anzusehen ist, könnte es sich auch bei den anderen Befestigungen um königliche Anwesen und zweitweilige Herrschaftssitze handeln, die der König bei seinen Reisen durch das Land nutzte, meint Jessen. Sowohl Jelling als auch Trelleborg waren nur während einer Generation in Benutzung, was auch der Grund dafür sei, dass Archäologen dort bisher nur so wenige Funde freilegen konnten.

Die Ausgrabungen in Jelling dauern noch bis August dieses Jahres. Die eigentliche Königshalle vermuten die Archäologen unterhalb der heutigen Jelling-Kirche. Dort waren bei früheren Ausgrabungen Reste eines größeren Holzgebäudes gefunden worden.

Harald Blauzahn gründete die Bistümer Århus, Ripen und Schleswig und gab dadurch den Anstoß zur Christianisierung Skandinaviens. Er verfolgte eine Politik der Vereinigung von Dänemark und Norwegen - dieser Umstand war der Grund für die Namensgebung der heute allgegenwärtigen drahtlosen Computer- und Handyverbindungstechnik »Bluetooth«. Das Bluetooth-Logo, das auf allen Geräten zu sehen ist, die diese Technik unterstützen, besteht aus den Runenzeichen für die Buchstaben H und B.

Der Beiname »Blauzahn« hat übrigens entgegen landläufiger Meinung wahrscheinlich nichts mit einem blauen Zahn zu tun. Wahrscheinlicher ist, dass das dänische »Blåtand« ursprünglich die Bedeutung »dunkler Than« (Than = Häuptling, vgl. engl. thane und chieftain) hatte. Eine andere Deutung wäre »großer Than« - also »großer Häuptling«.

Grabungsfläche in Jelling
Plan der Grabungsfläche in Jelling mit Lage der freigelegten Hausgrundrisse, Palisade sowie Grabhügel und Kirche. Grafik: Jelling-Projekt
Kirche in Jelling
Kirche in Jelling mit den Runensteinen von Harald Blauzahn und seinem Vater Gorm auf einer Zeichnung von Joachim Ferdinand Richardt aus dem Jahr 1866. Stand hier einst die Königshalle?

Kommentare (1)

  • Rolf Nowack
    Rolf Nowack
    am 13.07.2010
    Es ist bekannt, dass Wikinger und Araber Handelspartner waren. Der Spitzname "Blauzahn" für den Abenteurer und Handelsreisenden der Wikinger könnte eine Bezeichnung seines arabischen Freundes "Ibn Batuta"(Sohn des Batuta) sein. Das arabische Wort "al Nabu"(= Blauzahn) entspricht in unserer Umgangssprache einem "Schlitzohr" oder einem "Schlaufuchs", also einen guten Händler.
    Das arabische Wort "Batuta" bezeichnet im europäischen Fechtsport einen kurzen harten Drehschlag beim Angriffstoß mit der Degenklinge, der dem Gegner die Waffe beiseite drückt, um sofort mit dem weiterführenden geraden Stoß den Gegner zu treffen.

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