Erster Leprafall der Geschichte entdeckt

Jerusalem: Lepra- und Tuberkulose-Erreger in Grab aus der Zeit von Jesus Christus nachgewiesen

Das Grab war nach der Plünderung durch Grabräuber im Jahr 2000 von Archäologen untersucht worden. Einer der Bestatteten war ursprünglich in ein Grabtuch gehüllt. Die Ergebnisse der jetzt im Wissenschaftsmagazin PLoS ONE veröffentlichten DNA-Analysen zeigen, dass im ersten nachchristlichen Jahrhundert auch höhere Gesellschaftsschichten von Lepra und Tuberkulose betroffen waren.

Nachrichten durchblättern
Jerusalemer Grabtuch
Doppelt gewobenes Leichentuch aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert (Foto: S. Gibson)

Fundort nahe der Jerusalemer Altstadt

Das Grabmal, das in einer Höhle untergebracht war, liegt im Hinnom Tal und ist Teil eines Friedhofs, der Akeldama oder "Feld des Blutes" genannt wurde. In unmittelbarer Nähe soll Judas nach dem Verrat an Jesus Selbstmord verübt haben. Das Grab, aus dem das Tuch stammt, liegt in der Nähe der letzten Ruhestätte des Hohepriesters Annas, dem Schwiegervater des Hohepriesters Caiaphas, der Jesus an die Römer verraten hat.

Das Grab sei direkt auf den jüdischen Tempel ausgerichtet gewesen, berichtet Studienautor Shimon Gibson. Die Datierung mit der Radiokarbon-Methode ergab, dass der Mann zwischen 1 und 50 nach Christus begraben wurde und entgegen den damaligen Bräuchen kein zweites Begräbnis bekam.

Mann litt an Tuberkulose und Lepra

Zu dieser Zeit war es üblich, ein Jahr nach dem Begräbnis die Knochen aus dem Leichnam zu entfernen und in einem Ossarium beizulegen. In diesem Fall war das Grabmal allerdings komplett mit Mörtel versiegelt. Mark Spiegelman glaubt, dass das damit zu tun hat, dass der Mann an Lepra litt und an Tuberkulose verstarb - von beiden Erregern fanden die Forscher DNA-Reste in den Knochen, Zähnen und Haaren. Bei den Ausgrabungen konnten die Archäologen auch ein Büschel von Haaren des Verstorbenen finden, das rituell vor der Beisetzung abgeschnitten wurde.

Da der Tote in feines Tuch gehüllt war und sauberes Haar hatte, gehen die Forscher davon aus, dass es sich um eine hochgestellte Persönlichkeit der Jerusalemer Gesellschaft handelte. Dieser Befund legt nahe, dass im ersten nachchristlichen Jahrhundert Tuberkulose und Lepra soziale Barrieren überschritten haben und auch höhere Gesellschaftsschichten davon betroffen waren.

Turiner Grabtuch aus anderer Zeit

Das Turiner Grabtuch wird von vielen Gläubigen als das Tuch verehrt, in dem Jesus von Nazaret nach der Kreuzigung begraben wurde. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass es sich um eine Fälschung aus dem Mittelalter handelt. Die Fragmente des Jerusalemer Grabtuchs waren deutlich einfacher gewoben und unterscheiden sich gravierend von der Machart des Turiner Grabtuchs. Das deutet darauf hin, dass das Turiner Grabtuch nicht aus der Zeit von Jesus stammt.

pte

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben