Ein mittelalterliches Radkreuz und seine Gussform: Einzigartiger Fund zur frühen Christianisierung Brandenburgs
Im westlichen Havelland ist ein außergewöhnlicher archäologischer Fund gelungen: Ein kleines Bronzeradkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert konnte eindeutig einer bereits seit den 1980er-Jahren bekannten Gussform aus Berlin-Spandau zugeordnet werden. Damit ist erstmals nicht nur die Form, sondern auch ein tatsächlich in ihr gegossenes Objekt erhalten – ein in dieser Zeitstellung einzigartiger Befund .
Präsentiert wurde der Fund in Potsdam durch Kulturministerin Dr. Manja Schüle gemeinsam mit den Landesarchäologen Brandenburgs und Berlins sowie weiteren Beteiligten des Brandenburgisches Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) und des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte. Entdeckt wurde das Kreuz von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow.
Ein Fund mit mehreren Dimensionen
Kulturministerin Dr. Manja Schüle betonte die besondere Bedeutung des Objekts:
„Der Fund eines kleinen Bronzekreuzes ist eben nicht nur ein weiterer Fund unter vielen. Dieser Fund ist in mehrfacher Hinsicht spektakulär: Er passt exakt zu einer Gussform, die bereits vor mehr als 40 Jahren gefunden wurde – das ist einzigartig für einen archäologischen Fund aus dieser Zeit.“
Darüber hinaus stehe das Kreuz exemplarisch für die frühe Christianisierung in einer Region, die im frühen Mittelalter überwiegend slawisch geprägt war. Zugleich verdeutliche der Fund den hohen Stellenwert des ehrenamtlichen Engagements in der brandenburgischen Archäologie.
Auch Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des BLDAM, hob diesen Aspekt hervor:
„Die Entdeckung und ihre wissenschaftliche Einordnung sind ein herausragendes Beispiel für kontinuierliche archäologische Denkmalpflege und Museumsarbeit in Zusammenarbeit mit dem bürgerschaftlichen Engagement gut betreuter, ehrenamtlicher Akteure.“
Verbindung nach Spandau
Die zugehörige Gussform wurde 1983 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau entdeckt, in unmittelbarer Nähe der Überreste einer frühen Holzkirche. Sie gilt als einer der ältesten materiellen Belege für christliche Symbolik zwischen Elbe und Oder.
Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Landesarchäologe Berlins, ordnet den Fund in größere Zusammenhänge ein:
„Nun wissen wir durch die Neuentdeckung: Der Schmied in Spandau hat für einen großen Markt und einen sehr mobilen Personenkreis produziert. Christliche Zeichen sind vor dem Slawenaufstand von 983 weit verbreitet gewesen.“
Der Abgleich der Maße und Details bestätigte eindeutig, dass das im Havelland gefundene Kreuz in genau dieser Form gegossen wurde. Ein weiterer Abguss ist bislang weder aus Spandau noch von anderen Fundorten bekannt.
Zeugnis einer konfliktreichen Epoche
Das Radkreuz ist ein seltener archäologischer Beleg für die erste Phase der Christianisierung im nordostdeutschen Raum. Diese setzte im 10. Jahrhundert im Zuge der Ausdehnung des ostfränkischen Reiches ein, blieb jedoch brüchig. Der slawische Aufstand von 983 machte der frühen Missionierung für rund 150 Jahre ein Ende; eine dauerhafte Christianisierung erfolgte erst im 12. und 13. Jahrhundert.
Für den wissenschaftlichen Referenten Lukas Goldmann ist der Fund deshalb von besonderer Aussagekraft:
„Das neue Fundstück ist einer der seltenen frühen Belege der einzigartigen Christianisierungsgeschichte der nordwestlichen Slawen, die Nordostdeutschland bis heute prägt.“
Ausstellung und ehrenamtliches Engagement
Das Bronzekreuz und die zugehörige Gussform sind vom 24. Januar bis 11. März 2026 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg zu sehen. Der Fund unterstreicht zugleich die Bedeutung der rund 350 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pfleger im Land Brandenburg, die einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung des archäologischen Erbes leisten .
Wie die Finderin Juliane Rangnow es formuliert:
„Ein solches Fundstück in der Hand zu halten, ist wie eine Brücke in die Vergangenheit.“






