Doch keine Ausgrabung auf dem Sandberg bei Öllingen

Kulturdenkmale wie der keltische Rechteckhof auf dem Sandberg bei Öllingen sind durch Überpflügung gefährdet. Entgegen anderslautenden Meldungen plant das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart aber keine großflächige Ausgrabung auf diesem Areal, sondern will für den Erhalt der im Boden verborgenen archäologischen Zeugnisse sorgen.

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Archäologische Funde der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit bezeugen eine über die Jahrtausende hinweg reichende prähistorische Besiedlung des »Sandbergs« bei Öllingen, eine markante Höhenlage am Rande des Langenauer Beckens. Durch archäologische Luftbildbeobachtung wurde dort eine rechteckige Hofanlage aus der Zeit der frühen Kelten um 600 vor Christus erkannt. Im Rahmen einer kleinen Ausgrabung konnte ein Abschnitt der Palisadenumgrenzung des so genannten »Herrenhofs« untersucht werden. Der Großteil der Anlage mitsamt Gebäude liegt jedoch noch im Acker verborgen. Die Besonderheit dieses archäologischen Kulturdenkmals liegt darin, dass es sich um eine der am weitesten westlich gelegenen aller bisher bekannten »Herrenhöfe« dieser Zeitepoche handelt.

Im Rahmen eines landesweiten Projekts zu Bodendenkmalen in land- und forstwirtschaftlichen Nutzungsgebieten hat der keltische Rechteckhof bei Öllingen als eines der durch Überpflügen stark gefährdeten Objekte in jüngster Zeit wieder besondere Beachtung gefunden. Entgegen einer Meldung der Südwest Presse vom 9. März 2015 plant das Landesamt für Denkmalpflege, das beim Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelt ist, hier jedoch keine weiteren Ausgrabungen. Am 26. März erklärte Regierungspräsident Johannes Schmalzl in einer Pressemitteilung: »Die Wissenschaftler bemühen sich um den Erhalt der im Boden verborgenen archäologischen Zeugnisse, um sie für zukünftige Generationen und Forschungen zu bewahren.«  Seit 2011 erarbeite eine ressortübergreifende Arbeitsgemeinschaft unter Beteiligung des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft, des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sowie der Regierungspräsidien gemeinsame Schutzstrategien, um das archäologische Kulturgut langfristig zu erhalten, so Schmalzl.

Die Spezialisten aus den Fachbereichen der Denkmalpflege, Land- und Forstwirtschaft, Flurneuordnung, Natur- und Bodenschutz stellen die verschiedenen Lösungsansätze in der Informationsbroschüre »Archäologie – Landwirtschaft – Forstwirtschaft: Wege zur integrativen Nutzung von Bodendenkmalen in der Kulturlandschaft« vor, die kostenfrei beim Landesamt für Denkmalpflege bezogen werden kann.

Dieser Thematik ist auch eine Wanderausstellung gewidmet, die bereits an zahlreichen Standorten präsentiert wurde und aktuell noch bis zum 26. April 2015 im Museum der Stadt Weinheim besichtigt werden kann. In der Ausstellung werden zahlreiche archäologische Denkmale in land- und forstwirtschaftlich genutzten Gebieten aus allen Regionen Baden-Württembergs vorgestellt.

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