Dem Fürsten von Leubingen auf der Spur

Zwischenergebnisse der Trassengrabung an der A71

Bei Ausgrabungen im Umfeld des bronzezeitlichen Grabhügels des "Fürsten von Leubingen" wurden Siedlungsspuren aus der Frühbronzezeit gefunden. Die damaligen Bewohner könnten das Fürstengrab errichtet haben.

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Frühbronzezeitliches Steinkistengrab
Frühbronzezeitliches Grab in Steinkiste. Foto: TLDA

Seit April dieses Jahres untersuchen Mitarbeiter des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie im Landkreis Sömmerda ein elf Kilometer langes Teilstück der künftigen Bundesautobahn A71. Insgesamt wird an fünf Fundstellen gegraben, wobei besonders die Ausgrabungen in der Nähe von Leubingen nicht nur von der archäologischen Fachwelt mit besonderer Spannung erwartet wurden - denn die Ausgrabungsfläche liegt in direkter Nachbarschaft zum sogenannten Bronzezeitfürsten von Leubingen. Dies ist ein reich ausgestatteter Grabhügel mit einem Durchmesser von 34 m und einer Höhe von 8,5 m, der aus der frühen Bronzezeit um 1940 v. Chr. stammt. Zu den schon 1877 geborgenen Grabbeigaben zählen Goldschmuck und Bronzewaffen, die auf eine herausragende Stellung der bestatteten Person schließen lassen. Inzwischen untersuchte das Landesamt im Baufeld der Autobahn bei Leubingen eine Fläche von 70.000 m². Das Ergebnis sind mehr als 2000 Siedlungsbefunde (Pfostenstandspuren, Abfallgruben und Öfen) sowie 60 Gräber unterschiedlicher Zeitstellung.

Siedlung und Gräber der frühen Bronzezeit

Etwa 150 der Siedlungsspuren und 25 Gräber ließen sich bereits der Frühbronzezeit zuweisen. Dabei stammen nach ersten Einschätzungen insbesondere die Funde aus den Siedlungsobjekten aus dem gleichen Zeitraum wie die Beigaben des Fürstengrabs. Bisher gelang es jedoch nicht, aus den wenigen Pfostenverfärbungen Grundrisse von Häusern oder gar den Sitz des "Fürsten" zu rekonstruieren. Weder die Inhalte von Abfallgruben noch die Gräber weisen auf eine gehobene Stellung der Siedlungsbewohner hin. Doch bereits ohne die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Untersuchungen - diese stehen noch aus - kann das Team um Grabungsleiter Dr. Klaus-Peter Wechler davon ausgehen, dass die Bewohner wohl an der Errichtung des Fürstengrabhügels beteiligt waren. Es bleibt abzuwarten, ob bei der Fortführung der Grabungen im kommenden Jahr weitere Hinweise auf den bronzezeitlichen "Fürsten" von Leubingen zu Tage kommen.

Rätselhafte Grabenanlage

Besonderes Interesse erfuhr auch eine bisher unbekannte Grabenanlage, die im Sommer dieses Jahres bei Luftaufnahmen entdeckt wurde. Sie besteht aus einem zentralen Ring mit 55 m Durchmesser und einem 250 x 330 m messenden Umfassungsgräbchen. Die Anlage befindet sich in Sichtkontakt zum Leubinger Grabhügel, ihr Alter und ihre Funktion sind derzeit noch unbekannt. Durch geomagnetische Kartierungen konnte im äußeren Umfassungsring eine Torsituation lokalisiert werden, die in Richtung des Grabhügels weist. Erklärungen hierzu liefern vielleicht die Ausgrabungen im nächsten Jahr - denn ein Teil des äußeren Umfassungsgräbchens liegt in der Trasse der Autobahn und wird dann freigelegt.

Die anderen bisher an der Erweiterung der A71 durchgeführten Grabungen erfassten urgeschichtliche Siedlungsspuren bei Etzleben, eine germanische Siedlung bei Wenigensömmern und eine Mittelalterwüstung bei Frohndorf.

Frühbronzezeitliches Steinkistengrab
Frühbronzezeitliches Grab in Steinkiste. Foto: TLDA

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