Bilder der Antike aus dem Blickwinkel von Forschern und Medienmachern

Welche Voraussetzung muss ein altertumswissenschaftliches Thema erfüllen, damit sich Journalisten, Filme- und Theatermacher sowie Verlage dafür erwärmen können? Wie gehen Wissenschaftler damit um, wenn ihre Forschungsergebnisse vereinfacht, komplexe Zusammenhänge reduziert, gewohnte Klischees fortgeschrieben werden? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich Wissenschaftler und Medienschaffende bei der öffentlichen Tagung der Mommsen-Gesellschaft, die vom 16. Juni bis 18. Juni 2011 auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität in Frankfurt a. M. stattfindet.

Nachrichten durchblättern

Die Vermittlung von Forschungsinteressen und -ergebnissen an die Öffentlichkeit ist für die Wissenschaft ebenso Aufgabe wie Problem. Die Tagung „Bilder der Antike. Wege zur Vermittlung altertumswissenschaftlicher Forschung“ behandelt dieses Thema aus der Perspektive der altertumswissenschaftlichen Disziplinen – Klassische Philologie, Alte Geschichte, Klassische Archäologie – die in der Mommsen-Gesellschaft vertreten sind. Im Zentrum sollen die selten deckungsgleichen wirklichen oder vermeintlichen Interessen sowohl der Forscher als auch der vermittelnden Medien stehen.

Akademiker werfen Autoren, Filme- oder Ausstellungsmachern oft vor, aus kommerziellen Interessen oder Zwängen zu wenig Rücksicht auf sachliche Korrektheit zu nehmen. Umgekehrt unterscheiden Wissenschaftler aus Sicht der Medien häufig nicht zwischen gesellschaftlich relevanten Themen von allgemeinem Interesse und Detailfragen, die außerhalb der Fachdisziplin als unerheblich wahrgenommen werden. Dabei sind die Interessen weder der einen noch der anderen Seite homogen: So haben zum Beispiel die Archäologen, für die das Objekt im Mittelpunkt steht, andere Themen als etwa die literaturgeschichtlich oder sprachwissenschaftlich ausgerichteten Klassischen Philologen. Auf der anderen Seite beispielsweise haben Produzenten einer Fernsehsendung zu einem archäologischen Thema zur „besten Sendezeit“ andere Kriterien zu berücksichtigen als die Redakteure eines Wissenschaftsmagazins.

Die Tagung verfolgt das Ziel, Vertreter beider Seiten in Vortrags- und Diskussionsblöcken zu versammeln und einen Austausch sowie möglichst eine – auch selbstkritische – Reflexion über die Rolle der beteiligten Disziplinen, Sparten und Akteure herbeizuführen. „Wir hoffen, dass sich daraus im Idealfall Anstöße ergeben, die zur Verbesserung der Vermittlungspraxis altertumswissenschaftlicher Forschung beitragen“, sagt der Frankfurter Archäologe Prof. Wulf Raeck, der gemeinsam mit einem Team der Klassischen Archäologie des Institutes für Archäologische Wissenschaften die Tagung organisiert hat.

Die Veranstaltung, an der Wissenschaftler, Studierende und interessierte Bürger kostenlos teilnehmen können, wird von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität sowie von der FAZIT-Stiftung unterstützt. Veranstaltungsorte sind auf dem Campus Bockenheim der Hörsaal IV im Hörsaalgebäude Ecke Mertonstraße/Gräfstraße und die alte Aula, wo Prof. Hans-Joachim Gehrke am Freitag, den 17. Juni um 19 Uhr den Abendvortrag zum Thema „Lobbying for Classics – Die Vermittlung der Altertumswissenschaft im politischen Raum“ hält.

Kommentare (3)

  • Norbert A. Przesang
    Norbert A. Przesang
    am 11.06.2011
    Autoren schreiben für IHRE Zielgruppe; insofern akzeptiere ich auch als Wissenschaftler "leicht" geschriebene Berichte über archäologische Ereignisse, mit denen auch weniger vorgebildete Leserinnen und Leser Zugang zu diesem höchst interessanten Thema finden.
  • Diane Scherzler
    Diane Scherzler
    am 13.06.2011
    Freut mich sehr, dass es diese Tagung gibt. Hätte man zwar auch schon gut vor zehn, 15 Jahren machen können (so wie andere Disziplinen), aber egal.

    Ich bezweifle allerdings, dass sich seitens der Medien viel verändern wird. Pallab Ghosh, ein britischer Journalist, sagte mal: Die Medien verändern zu wollen, ist, als würde ein Moskito versuchen, einen Schnellzug zu stoppen. Der Gewinn der Veranstaltung wird nach meienr Erfahrung jedoch sein, dass Wissenschaftler einmal direkt mit der journalistischen Perspektive konfrontiert sind. Passiert viel zu selten im Diskurs.
  • xaver195
    xaver195
    am 14.06.2011
    Sehr gut Herr Przesang. Ich
    bin ein solch interessierter Laie. Schön fände ich es, wenn
    Wissenschaftler auch mal Spekulationen anstellen. Natürlich mit direktem Hinweis
    darauf.

Neuen Kommentar schreiben