Archäologischer Fund in Hüllhorst: Über 2.500 Jahre alte Siedlung aus der vorrömischen Eisenzeit entdeckt
In Hüllhorst im Kreis Minden-Lübbecke haben Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) eine seltene Entdeckung gemacht: Eine Siedlung aus der vorrömischen Eisenzeit, die auf ein Alter von über 2.500 Jahren datiert wird. Bisher sind Hausgrundrisse aus dieser Epoche in Ostwestfalen nur an zwei weiteren Orten – Werther und Minden – nachgewiesen worden. Die Fundstelle wurde im Zuge der Vorbereitungen für den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses am Lohagenweg entdeckt.
Die archäologischen Untersuchungen begannen im Sommer 2025, als der Oberboden in vier schmalen Streifen abgetragen wurde. Dabei stießen die Forscher auf Bodenverfärbungen, die auf Vorrats- und Abfallgruben hindeuten. Besonders aufschlussreich waren kleine Verfärbungen, die auf die Standorte ehemaliger Holzpfosten hinweisen. Diese lassen sich zu Gebäudegrundrissen rekonstruieren. Grabungsleiter Hisham Nabo berichtet: »Wir haben neben zwei kleineren Gebäuden auch die Reste eines großen Wohnhauses entdeckt.« Auffällig ist die bewusste Ausrichtung des Hauses: Die Erbauer hatten es mit den Schmalseiten in die Hauptwindrichtung gestellt, um die Angriffsfläche für den Wind zu minimieren. Diese Planung zeigt, dass bereits damals praktische Überlegungen den Hausbau beeinflussten.
Die Datierung der Siedlung erfolgte anhand von Fundstücken wie Bruchstücken von Henkeltassen, sogenannten Terrinen, und rauwandigen Töpfen mit Fingertupfrändern. Diese Funde ordnen die Siedlung in den frühen Abschnitt der vorrömischen Eisenzeit ein, etwa zwischen 800 und 600 v. Chr. Sebastian Düvel, Wissenschaftlicher Referent der LWL-Archäologie für Westfalen, bezeichnet den Fund als »Glücksfall für die Archäologie«. Bisher waren Hausgrundrisse dieser Zeit in Ostwestfalen nur aus Werther und Minden bekannt. Die neuen Erkenntnisse aus Hüllhorst könnten wertvolle Einblicke in das alltägliche Leben dieser Epoche liefern.
Die genaue Datierung des Hausgrundrisses wird derzeit mithilfe der Radiokarbonmethode an Holzkohlestückchen aus den Pfostengruben vorgenommen. Da an solchen Standorten oft Spuren aus verschiedenen Epochen gefunden werden, ist eine präzise Einordnung entscheidend.
Die archäologischen Maßnahmen wurden in enger Abstimmung mit der Gemeinde Hüllhorst und der ausführenden Grabungsfirma durchgeführt. Dadurch konnten die Untersuchungen rechtzeitig vor Baubeginn abgeschlossen werden, sodass der Bau des Feuerwehrgerätehauses wie geplant fortgesetzt werden kann. Die Siedlung erstreckt sich vermutlich weiter nach Norden, doch für zukünftige Bauvorhaben in diesem Bereich besteht keine Gefahr, da die relevanten Funde bereits gesichert wurden.








