Archäologen für Menschenrechte engagieren sich im Irak

In letzter Zeit häufen sich die Meldungen über die Entdeckung von Massengräbern im Irak. Die unkontrollierten Grabungen verzweifelter Familien nach ihren Angehörigen, teils mit blossen Händen, vernichten sowohl Hinweise auf die Identität der Opfer als auch auf die ihren Todesumständen zugrundeliegenden Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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Diese Besorgnis erregenden Berichte hat eine Gruppe von Archäologen dazu veranlasst, die Organisation "archaeologists for human rights" (Archäologen für Menschenrechte) zu gründen. Die Archäologen möchten ihre professionellen Methoden zur Rekonstruktion vergangener Ereignisse in Zusammenarbeit mit Forensikern und Anthropologen für die Aufklärung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit einsetzen.

 

Kommentare (4)

  • Erdogan Isik
    Erdogan Isik
    am 20.06.2003
    Als Archäologe und Kurde bin ich mit dieser Nachricht und mit dem Engagement der ehrwürdigen Kollegen so sehr berührt, dass ich meine Tränen nicht mehr aushalten kann!

    Womit waren Sie, Ihr Damen und Herren, beschäftigt, als Saddam Hussein und türkische Generäle Tausende von kurdischen Siedlungen evakurierten, zerstörten und Tausende von Menschen ermordeten? Wo waren Sie, Ihr selbstgenannten Humanisten, als die Menschen in Kurdistan vor der Weltöffentlichkeit, vor unseren Augen durch die Waffen, die von den Staaten der sog.zivilisierten Welt an diese Mörder geliefert waren, abgeschlachtet, vergiftet worden sind und werden?

    Ist es nicht wahr? Einige Damen und Herren Archäologen waren im Schatten dieser Gräueltaten dabei, mit der Administration des S.Husseins und der Türkei über die Lizenzen der neuen Ausgrabungen zu handeln. Nun haben die Damen und Herren in einer Zeit der Arbeitslosigkeit ausreichende Beschäftigung auch für die nächste Generationen dieses Fachgebietes! Das Schweigen wird immer belohnt, meine Liebe KollegInnen und es gibt auch viele Möglichkeiten, die blutigen Hände reinzuwaschen oder reinwaschen zu lassen.
  • Sinje Stoyke
    Sinje Stoyke
    am 23.06.2003
    Sehr verehrter Kollege,

    Vielen Dank für Ihre Nachricht! Wir wären natürlich glücklicher gewesen, hätten Sie nicht nur archäologie-online kontaktiert, sondern auch den Mut gehabt uns direkt anzuschreiben:(a.f.h.r@web.de). Da Sie ebenfalls Archäologe sind, und nach Ihrer e-mail adresse zu urteilen in Deutschland leben, dürfen wir nach Ihrem Engagement in dieser Sache fragen. Unser Verein ist gemeinnützig, daß heißt, auch die "nächste Generation dieses Fachgebiets" wird nichts daran verdienen. Schweigen wird, im Übrigen, nie belohnt. Aus diesem Grund sind wir sehr an einem produktiven Austausch mit Ihnen interessiert.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Archäologen für Menschenrechte
    Sinje Stoyke M.A., Ursula Janßen M.A.
  • Jörg Ewersen
    Jörg Ewersen
    am 26.06.2003
    Lieber Kollege Erdogan Isik,
    gerade habe ich die Seite A.f.M entdeckt und durchgelesen. Meine Hochachtung denen, die sich für dieses Ziel einsetzen, für eine Land, das weitab des eigenen liegt, und für Menschen, zu denen viele der Hilfeleistenden eigentlich keinen echten (familiären) Bezug haben dürften. Aber wie ist es mit Ihnen? Wenn sie doch Kurde sind, wo waren/lebten Sie, während Hussein seine Grausamkeiten begann? Und - wie unterstützen Sie jetzt den Aufbau und die Hilfeleistungen? Über das kurdische, weltpolitische Problem und das Verhalten von Regierungen brauchen wir nicht hier diskutieren, das ist uns allen klar.
  • Stefan Maria Pfeiffer
    Stefan Maria Pfeiffer
    am 06.08.2003
    Sehr geehrter Herr Erdogan Isik,

    ich bin ganz Ihrer Meinung!
    Man sollte Hilfsorganisationen dieser Art zur Verhinderung des Missbrauchs auflösen, sogar verbieten. Die Ziele des AFHR sind ebenso durchsichtig wie die von z.B. Amnesty International, Human Rights Watch oder auch der UNO: Persönliche Bereicherung und Karrierestreben. Engagement ohne Eigennutz ist da nicht vorstellbar.
    Aufrechte Menschen wie Sie durchschauen das natürlich sofort. Als ebenfalls kritischer Bürger bin ich glücklich, dass es noch Gleichgesinnte gibt, die frei von Egoismus Missstände anklagen und bestrebt sind, durch präzise Anmerkungen zur Verbesserung der allgemeinen Weltlage beizutragen. Ich bewundere Ihren Mut, den Kampf für das Gute von Ihrem Schreibtisch aus zu kämpfen! Weiter so. Mit Dank und Hochachtung grüßt
    Stefan Maria Pfeiffer

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