Archäologen erkunden die römische Straßenstation Aichhalden

Archäologen des Regierungspräsidiums Freiburg erforschen derzeit die römische Straßenstation Aichhalden-Rötenberg "Brandsteig" im Landkreis Rottweil. Die Reste dieser Station sind Teil der römischen Straßenverbindung vom Kinzigtal an den oberen Neckar, die im Jahr 74 n. Chr. unmittelbar nach der römischen Besetzung des oberen Neckargebiets ausgebaut wurde.

Nachrichten durchblättern

Die Straße verband die Städte Straßburg und Rottweil. Am Brandsteig ist der Aufstieg aus dem Kinzigtal geschafft. "Eine dort liegende Quelle mit hoher Schüttung gab wahrscheinlich den Ausschlag, eine Straßenstation für den Pferdewechsel und vielleicht auch die Kontrolle des Verkehrs anzulegen" so Dr. Ute Seidel, Archäologin im Regierungspräsidium Freiburg.

Der Ort trägt auch den Namen "Schänzle", der auf eine in der Barockzeit hier angelegte Schanzanlage zurückgehen soll. Von ihr sind keine Spuren mehr erkennbar. Auch von der ehemaligen Wallfahrtskapelle "Zum Heiligen Kreuz", die auf den römischen Mauerresten stand, ist heute nichts mehr zu sehen. "Von der römischen Straßenstation sind nur zwei originale römische Säulen an einer Informationstafel zusammen mit der künstlerisch nachempfundenen Kopie eines im Jahr 1983 bereits auf Gemarkung Schenkenzell gefundenen Merkurreliefs zu besichtigen", erläutert Seidel. Die Fundstelle sei in ihrer Art einzigartig und eine der ganz seltenen Straßenstationen aus der Römerzeit in Baden-Württemberg. Auch die Geschichte ihrer Erforschung sei bemerkenswert und ein Stück Heimatgeschichte für Rötenberg und Umgebung.

Behauene Steine, insbesondere Säulenfragmente finden sich noch heute als sogenannte Spolien in Häusern von Rötenberg verbaut. Auch die Säulen im Garten zwischen Kirche und Gemeindehaus sind römische Originale. Es dürfte sich um fünf der sechs Säulen handeln, die im Jahre 1822 gefunden wurden, als eine Feldmauer für Straßenreparaturen abgehoben wurde. Weitere Säulenfragmente vom Brandsteig gelangten ins heutige Landesmuseum Württemberg in Stuttgart und in das heutige Dominikanermuseum in Rottweil.

Erste römische Mauerreste wurden bereits 1770 aktenkundig. Folgt man einem Schreiben, das Pfarrer Köhler aus Oberndorf 1840 verfasste, werde deutlich, wie viel an Funden, Inschriftensteinen, Säulen und Münzen aus der Straßenstation am Brandsteig im Lauf der Jahrzehnte durch Veräußerung oder unsachgemäße Behandlung verloren gegangen sei, so die Archäologin. So wurden Inschriftensteine in Ziegelöfen verbaut und zerstört. Auch ein um das Jahr 1825 an der Quelle gefundener Altar, der 90 - 96 n. Chr. der Lokalgöttin Abnoba geweiht wurde, ging 1944 im Krieg verloren.

1841 wurde in Oberndorf ein "Brandsteiger Alterthumsverein" ins Leben gerufen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u. a. der Salinenverwalter Hauptmann von Alberti von Rottweil und der Gründer des "Schwarzwälder Boten", Wilhelm Brandecker. Der Verein machte "es sich zur Aufgabe, den als claßisch erkannten Boden auf dem sog. Brandsteig bey Röthenberg zu untersuchen". In den Jahren 1841 und 1842 wurden unter der Leitung von Pfarrer Schmid von Rötenberg die Grundrisse zweier Gebäude freigelegt. Originale Dokumente zu diesem Verein übergab der Ehrenamtliche Beauftragte Alfred Danner aus Oberndorf jüngst der Denkmalpflege in Freiburg.

"Die genaue Anzahl und Lage der Gebäude am Brandsteig ist trotz kleiner Grabungen im 19. und 20. Jahrhundert bis heute unbekannt. Im Zug der Neuinventarisation der Archäologischen Denkmale im Kreis Rottweil durch die Denkmalpflege im Regierungspräsidium Freiburg soll dieser Mangel nun behoben werden", berichtet Dr. Seidel zum weiteren Vorgehen. Eine Ausgrabung komme nicht infrage, da die Fundstelle durch die wenig intensive landwirtschaftliche bzw. forstliche Nutzung derzeit gut geschützt sei. "Die Denkmalpflege in Freiburg hat daher einen Spezialisten vom Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart angefordert, um mit Hilfe von zerstörungsfreien geophysikalischen Messungen den Boden nach baulichen Strukturen abzusuchen. Auf der Grundlage dieser Messdaten kann dann ein Plan der Straßenstation erstellt und ihre Ausdehnung ermittelt werden."

Kommentare (2)

  • Rolf Nowack
    Rolf Nowack
    am 14.02.2013
    Überreste römischer Straßen wird man demnächst vermutlich auch in Südniedersachsen überprüfen dürfen. Von Hann.Münden in Richtung Elze verlaufen in Teilbereichen der Wälder alte Triftwege, die durch niedrige Wälle im Abstand von 25 Metern begrenzt werden. In Teilbereichen ist die Mitte der Triften auf 4 bis 6 Meter Breite gepflastert. Gut erhaltene Teilstücke befinden sich im Solling und nördlich von Hann.Münden. Ähnliche Wegetrassen sind durch die Wall begleitenden Gräben in freier Feldlage auf Luftbildern von Google-Earth sichtbar. Beispiele sind ein Straßenzug von Hildesheim in Richtung Salzgitter-Lichtenberg und im südlichen Landkreis Wolfenbüttel. Eine Fortsetzung umläuft den Elm im Norden über Alleringersleben in Sachsen-Anhalt. Teilstücke sind über Vahldorf(Ohrekreis) bis Wolmirstedt westlich der Elbe zu verfolgen. Östlich von Vahldorf befindet sich auf ebener Fläche eine eingeebnete Wallanlage an einem ehemaligen Wasserlauf. Die Google-Earth-Bilder zeigen eine etwa 170 Meter lange und 70 Meter breite Anlage mit West- und Osttor. Die 4 mal 2 Pfahlgruben der Tore haben Ähnlichkeit mit dem Lippelager Beckinghausen. Der umlaufende Wall war zwischen zwei Pfahlreihen eingezwängt. Die zulaufenden Ost- und Westwege verliefen auf erhöhten Trassen, die nach Norden durch einen Graben und eine Pfahlreihe mit Vorgraben gesichert war. Diese Absicherungen und die "Vahl- und Pfahl-Flurnamen" könnten auf einen nördlichen (römischen) "West-Ost-Limes" bis zur Elbe deuten. Diese Straße streifte die eingeebneten noch nicht erkannten bzw. untersuchten Heerlager bei "Bevertal 2" und Wolmirstedt. Ein weiterer Südabzweig lief vermutlich über Klein-und Groß-Vahlberg bzw. Mönchevahlberg im Landkreis Wolfenbüttel mit einem Verbindungsdamm über den "Großen Graben" nach Wulferstedt(Landkreis Halberstadt) zu den von mir 2005 auf bearbeiteten Luftbildern sichtbar gemachten 4 bis zu 60 Hektar großen über einander liegenden möglichen Römischen Heerlagern nördlich von Schwanebeck. In Sachsen-Anhalt gibt es südlich des Harzes im Saale-Unstrut-Gebiet auf weiteren Luftaufnahmen Bodenstrukturen ähnlicher breiter Triften.
    Weitere breite Trassenreste verbanden bislang übersehene vermutliche Heerlager bei Bad Dürrenberg, Oebles-Schlechtewitz und Dehlitz. Dehlitz beinhaltet eine Kastellanlage mit Bebauungsresten innerhalb einer größeren polygonen Grabenanlage. Öbles-Schlechtewitz zeigt eine regelmäßiges Rechteck, und Bad Dürrenberg ein sehr großes durch Grubenreihen und Vorgräben eingeheegtes sehr großes Trapez. Das oben angegebene Alleringersleben östlich nur unweit vom niedersächsischen Helmstedt hat auf einem nordöstlich des Ortes gelegenen Berg 5 übereinanderliegende Vorgängeranlagen während sich das große mögliche römische Rechteck südöstlich des Ortes befindet. Hier ist an der Westfront einstige Bebauung sichtbar zu machen. In Niedersachsen hatte schon in den 70-er Jahren der Eldagser Heimatforscher Dobbertin die hauptamtlichen Archäologen von einer römischen Gründung Elzes überzeugen wollen anhand von Spolien in Baugruben, wurde aber leider von den Wissenschaftlern als Fantast abqualifiziert. Nun zeigen aber Bodenstrukturen bei Gronau/Leine zwei neben bzw. übereinander liegende Heerlager an. Und Last not Least wurde die Schnellbahntrasse der Bundesbahn im Landkreis Hildesheim unweit der Orte "Segeste" und "Petze" an zwei unterschiedlichen über 25 Hektar großen Blockstrukturen, die römischen Lagern ähneln, vorbei gebaut. ("Segestes", der Schwiegervater des Arminius wohnte vermutlich auf dem Burgwall nördlich von Segeste). Zwei weitere mögliche Römerlager liegen im Stadtgebiet von Bad Salzdetfurth. Bei Hildesheim-Ochtersum, Heinde-Astenbeck und Heersum erkennt man weitere Großanlagen an einem 25 Meter breiten Straßenzug, in deren Nähe sich Ziegelsteine im (römischen) Klosterformat finden lassen.
    Eine Wallanlage mit einem Flächeninhalt von über 60 Hektar befand sich im eingemeindeten Areal der Stadt Northeim auf von der KWS genutzten und der Klosterkammer gehörenden Ackerflächen. Die große Burg ist aufgrund der in den breiten Graben vorgesetzten Bastionen als spätrömisch oder frühmittelalterlich anzusprechen. So ließe sich die Liste der unerkannten Triften und Bauwerke in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt auf hundert Objekte erweitern, die der Römerzeit oder dem frühen Mittelalter zu zuordnen sind.
  • Rolf Prof. Dr. Pfefferle
    Rolf Prof. Dr. Pfefferle
    am 07.10.2014
    Die römische Straße Straßburg - Rottweil führte nach meinen Forschungen nicht über die Brandsteig. Diese Straße ist ein Abzweig von der eigentlichen Heerstraße und führt sehr wahrscheinlich nach Sulz am Neckar. Die eigentliche Heerstraße steig bei Wolfach auf die Berghöhe zwischen Kinzig und Gutach und führt als Hochstraße über Schramberg nach Rottweil (römische Wagenspur 1,07 m, kartografierte Römerstraßen). Der Abzweig der Römerstraße zur Brandsteig liegt vermutlich auf dem Brechsattel. Diese Trassenführung ins Kinzigtal ist von mir noch nicht erforscht. Die Wegstrecke über die Brandsteig nach Rottweil ist etwa 10 km länger.

Neuen Kommentar schreiben